Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren, nachdem ein Sprengsatz vor einem Lokal am Friesenwall explodierte. Ein Mieter schildert die Detonation und die Folgen.
„Dann gab es einen großen Bumm“So erlebte ein Mieter die Explosion am Kölner Friesenwall

Vor diesem Lokal detonierte ein Sprengsatz.
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Nach der Explosion am Eingang der Eckgaststätte „Sinatra & Monroe’s“ am frühen Sonntagmorgen ist die Sorge unter den Anwohnern am Friesenwall groß. Wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist, soll der Vorfall einen kriminellen Hintergrund haben.
Köln: Explosion beschädigt Shisha-Bar
Udo W., früher Barkeeper im „Brevgel“ am Hohenzollernring, ist Mieter im Haus. „Es war um halb sechs Uhr morgens, ich habe im Bett gelegen“, berichtet der 62-Jährige gegenüber unserer Redaktion. „Dann gab es ein großes Bumm. Weil die Autos hier manchmal lauter sind als ein Flugzeug, habe ich mir erst mal gedacht, ich ignoriere das.“ Die Situation war jedoch ernster, als zunächst angenommen. Durch die Explosion, die mehrere Fenster des Lokals und Teile der Inneneinrichtung teilweise zerstörte, war ein Feuer entstanden.

Udo W. (l.) wurde durch die Explosion aus dem Schlaf gerissen. Rechts: Immobilienbesitzer Yahya Firat.
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„Ich guckte aus dem Fenster, da war eine starke Rauchentwicklung, schwarzer, dicker Rauch. Und der kam durch das Treppenhaus hoch. Ich dachte: Oh, was machst du jetzt? Ich habe ein Geschirrtuch genommen und kaltes Wasser drauf – und das auf mein Gesicht. So bin ich raus.“ Udo W. erlitt eine leichte Rauchvergiftung und musste medizinisch versorgt werden. Bei einem anderen Nachbarn, der direkt über der Gaststätte wohnt, zum Zeitpunkt des Ereignisses jedoch nicht zu Hause war, zerbrachen durch die Detonation die Fensterbänke.
Besitzer des Hauses ist der Gastronom und sogenannte Kölner „Discokönig“ Yahya Firat („Diamonds“). Im Ladenlokal befand sich früher die Kneipe „Grön Eck“, die durch Gäste aus dem Rocker- und Hooliganmilieu – verbunden mit mehreren Polizeieinsätzen – keinen guten Ruf genoss. Danach betrieb Firats Sohn das Lokal (Café „La Lé“). Mit dem Betreiber der jetzigen Gaststätte habe er seit dem Vorfall noch keinen Kontakt gehabt, sagte Firat. Und: „Ich erhielt am Morgen Anrufe von der Polizei und einigen Mietern. Ich habe sofort Handwerker kontaktiert, um die Schäden beheben zu lassen.“ Am Sonntagabend holten Handwerker die beschädigten Fensterrahmen ab.

Gastronom und Hausbesitzer Yahya Firat (M.) beauftragte umgehend Handwerker, um die Schäden zu beheben.
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Das Lokal war im Laufe des Tages nach der Spurensicherung durch die Polizei versiegelt worden. Das „Sinatra & Monroe's“ , eine Cocktail- und Shisha-Bar, hat samstags offiziell bis drei Uhr nachts geöffnet. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich nach Polizeiangaben keine Gäste mehr im Lokal.
Ermittler prüfen Zusammenhang mit organisierter Kriminalität
Zeugen wollen mehrere Personen gesehen haben, die vom Ort der Explosion flüchteten. Wie berichtet, wurden nach Informationen dieser Redaktion im Rahmen einer Tatortbereichsfahndung drei Männer im Bereich der U-Bahn-Station Rudolfplatz überwältigt und festgenommen. Bei ihnen wurden unter anderem Werkzeuge für Aufbrüche, Funkgeräte und Kleidung zum Wechseln in Rucksäcken entdeckt. Ob das Trio am Sprengstoffanschlag beteiligt war, soll noch unklar sein. Die Polizei wollte sich aus ermittlungstaktischen Gründen am Montag dazu nicht äußern. Dass der Anschlag einem 32 Jahre alten Mann gegolten haben soll, wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren war, blieb ebenfalls unkommentiert.
Die Ermittler prüfen weiterhin, ob die Explosion an der Shisha-Bar Bezüge zur organisierten Kriminalität haben könnte – etwa zur Drogenkriminalität oder zur Rockerszene. Dabei wird auch untersucht, ob es Verbindungen zur Ermittlungsgruppe (EG) „Fusion“ gibt. Bei ihr handelt es sich um eine übergeordnete Ermittlungsgruppe, die mögliche Zusammenhänge zwischen mehreren Tatkomplexen untersucht, zum Beispiel zu früheren Explosionen auf dem Hohenzollernring und der Ehrenstraße.
„Noch stehen die Ermittlungen am Anfang“, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Montag auf Anfrage. „Anhaltspunkte dafür, dass die Explosion etwas mit den Vorfällen auf der Zülpicher Straße zu tun haben könnte, gibt es bisher aber nicht“, sagte er. Etwa eineinhalb Stunden vor der Explosion am Friesenwall war im Uni-Viertel ein Mann durch mehrere Schüsse aus einem vorbeifahrenden Auto schwer verletzt worden. Eine Mordkommission ermittelt. Laut Bremer befindet sich das Opfer auf dem Weg der Besserung.
