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„I/D Cologne“ Hier arbeiten 7000 Menschen – Ein Besuch auf Kölns Großbaustelle

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Das Hochhaus „Scala“ 

Köln – Zwar liegen zwischen dem Rheinauhafen und dem früheren Güterbahnhof Mülheim knapp acht Kilometer – aber wenn man durch das neue Büroviertel „I/D Cologne“ geht, spielt der Rheinauhafen mehr oder weniger immer eine Rolle. Die Landzunge mit den drei Kranhäusern ist architektonisch ein Blickfänger, aber an vielen Abenden im Jahr ist dort ziemlicht tote Hose, trotz der innerstädtischen Lage.

Kein zweiter Rheinauhafen

Das soll im „I/D Cologne“ anders sein, auch wenn dort 7000 Menschen zunächst „nur“ zum Arbeiten hinkommen. Holger Kirchhof, Vorstand von Osmab, sagt: „Wir wollen kein zweiter Rheinauhafen werden, sondern ein lebendiges Quartier.“ Gemeinsam mit Art-Invest investiert die Osmab rund eine halbe Milliarde Euro, 2018 ging es los, 2026 sollen die Häuser stehen (siehe Grafik). Laut eigener Aussage handelt es sich um Kölns größte Baustelle.

Damit nach 20 Uhr im „I/D Cologne“ eben nicht das Licht ausgeht, haben die Firmen versucht, Geschäfte anzulocken, etwa eine Bäckerei, Restaurants, später sollen noch ein Brauhaus und ein Fitnessstudio folgen, zudem ein Trimm-Dich-Parcours, zwei Plätze mit Wasserspielen, Kletterwand und Gastronomie. Das Motto: Hier soll nicht nur gearbeitet werden.

Auch Büros sind in Köln rar

Tatsächlich ist es in Köln ja politisch nicht immer en vogue, Büros zu bauen, mit neuen Wohnungen lässt sich im Stadtrat mehr Applaus einsacken. Es ist die Frage dieser Zeit: Wofür will Köln seine wenigen Flächen verwenden, zumal in einem Ratsbündnis unter Führung der Grünen, die den Flächenverbrauch reduzieren wollen? Nur: Wo Menschen wohnen, wollen sie arbeiten, das eine bedingt oft das andere. Und verfügbare Büros sind rar, die sogenannte Leerstandsquote liegt bei unter drei Prozent, es ist zu wenig Beinfreiheit auf dem Markt.

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Einige Häuser sind schon fertig. 

Trotz Corona und Homeoffice hat sich daran in Köln nur bedingt etwas geändert, als Millionenstadt hat Köln nicht die Probleme wie kleinere Städte, Simon Weber, Manager von Art-Invest, sagt: „Wir haben eine sehr gute Nachfrage, trotz Corona.“ Unter anderem Siemens ist aus Ehrenfeld nach Mülheim gezogen, ein großer Name, ein weiterer dieser Kategorie soll folgen. Und die Industrie- und Handelskammer hat das Lofthaus gekauft, mittlerweile erwägt sie aber nach viel Streit, in der Innenstadt zu bleiben.

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Das Hochhaus „Scala“ soll der architektonische Blickfang des Büroviertels werden. 

Laut Weber hilft, dass die Baustelle Schritt für Schritt wächst, Interessenten können so ein Projekt konkret sehen und nicht nur in einer visuellen Projektdarstellung. Der schrittweise Bau hat laut Kirchhof in Corona-Zeiten Vorteile: Die beiden Firmen bauen sozusagen nur die Gebäudehüllen, die Mieter können aber mitentscheiden, wie es im Inneren aussehen soll, also wie groß oder klein die Büros sind. Demnach können Osmab und Art Invest sich auf neue Raumkonzepte noch einstellen.

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Blick auf die Baustelle 

Im Laufe des Baus kamen die Firmen laut Weber zur Überzeugung, architektonisch nochmal „aufdrehen“ zu wollen – und zwar beim knapp 40 Meter hohen Hochhaus „Scala“, das in der Mitte des Häuserzugs liegt. Es ist quasi zweigeteilt, eine Treppe samt Pflanzen lässt es wirken, als sei es in der Mitte getrennt.

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Hier dauert es noch, bis Menschen über die Flure strömen. 

Da bleibt die Frage: Passt ein solches Büro-Hochglanzprodukt in den Stadtteil Mülheim, der eher für die alte Industriewelt steht und in dem die Arbeitslosenquote bei 15,1 Prozent und damit höher als der Stadtschnitt von 9,1 Prozent liegt? Wächst das tatsächlich zusammen, Keupstraße und Bürohäuser für 7000 Menschen? Kirchhoff glaubt daran, nennt es eine „Scharnierfunktion“. Das „I/D“ soll eben kein Ufo sein.

Trotzdem können solche Projekte Fluch und Segen zugleich sein. Einerseits schaffen sie viele tausend Arbeitsplätze, machen lange Jahre brach liegende Flächen zu einem Stück Stadt, das die Menschen nutzen können. Andererseits bringt mehr Sexyness schon mal höhere Mieten. Wie berichtet, will die Stadt für Mülheim eine Erhaltungssatzung auflegen, um mögliche Luxussanierungen samt Mietsteigerungen zu bremsen – ob das klappt, ist aber umstritten.

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Und was heißt es für den Wiener Platz, wenn nur gut einen Kilometer entfernt plötzlich 7000 Menschen arbeiten? Er ist Treffpunkt von Drogenabhängigen, hat im Gegensatz zum Ebertplatz aber das Problem, rechtsrheinisch zu liegen, deshalb vom Stadtrat weniger beachtet zu werden. Das könnte sich ändern.