Von Grund auf diskriminierungsfrei soll der Krakelee-Club gestaltet werden, der wahrscheinlich in rund zwei Jahren eröffnet.
Neuer Club in Mülheim geplant„Wir möchten, dass sich alle willkommen fühlen“

Hinter diesen Mauern des Otto-Langen-Quartiers wollen Juliane Berg, Paul Diers und ihr Kollektiv einen Ort zum Feiern entstehen lassen.
Copyright: Elena Kugelmeier
Wo noch vor 100 Jahren Gasmotoren in ihre Form gegossen wurden, werden bald die dumpfen Technoklänge des Krakelee-Kollektivs die alten Gemäuer des Otto-Langen-Quartiers beschallen. Auf 2000 Quadratmetern hat sich der Verein „Zwischendrin“ in das Gebäude im Mülheimer Süden gepachtet. 500 Quadratmeter davon dürfen die Kollektiv-Mitglieder gestalten.
„Wir wollen den Club von Anfang an als einen möglichst sicheren und barrierefreien Raum gestalten. Jeder ist willkommen und soll sich wohlfühlen können“, erzählt Paul Diers. Er ist Teil des Kollektivs und sieht den Krakelee-Club als Chance, einen Raum von Grund auf diskriminierungsfrei gestalten zu können.
Das beginne bei den Toiletten, die geschlechtsneutral sein sollen, und reiche bis hin zu der architektonischen Umsetzung der Clubräume. „Es soll keine Ecken geben, in denen Menschen sich unwohl fühlen“, betont er. Das Leitbild des Krakelee-Clubs stehe gegen jegliche Art von Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit oder Sexismus.
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Feiervolk wünscht sich Partys für ältere Menschen oder am Tag
Das Kollektiv besteht seit über fünf Jahren und suchte einen Ort, um ihren Traum-Club eröffnen zu können. Das Warten hat sich gelohnt: In den alten Gießerei-Gebäuden darf sich das Team und seine Gäste zehn Jahre lang frei entfalten. Nicht nur Techno wird in den Gemäuern spielen, auch andere musikalische Richtungen sowie alternative Feierkonzepte sollen ihren Platz finden.
Um die Wünsche der Kölnerinnen und Kölner besser einschätzen zu können, seien sie regelmäßig auf Partys unterwegs und fragen dort nach, was sich die Menschen von einem Club wünschen. „Da kommen viele interessante Impulse zusammen, die wir auch versuchen werden, umzusetzen“, erzählt Paul. „Wie Feiern im Alter oder Tanzen tagsüber.“
Zudem soll es nicht nur Club-Nächte geben: „Wir wollen den Raum auch für Kneipenabende, Diskussionsrunden und andere Veranstaltungen öffnen“, erzählt Diers. Gemeinsam mit dem Wander- und Freiwilligencafé „Kaffe Güzel“, das als Sozialprojekt Räume für Begegnungen schaffen möchte, wollen sie verschiedenen Kulturveranstaltungen ein Zuhause geben.
Ende Februar soll der Umbau beginnen. Um die Arbeiten finanzieren zu können, hat das Kollektiv einen öffentlichen Spendenaufruf gestartet. Die nachhaltige Finanzierung des Clubs soll die gegründete Genossenschaft sicherstellen. Für 250 Euro kann man Anteile an dem Club kaufen und so auch an den Versammlungen der Genossenschaft teilnehmen.
Betreibende wollen sensibel für alle Formen der Diskriminierung sein
Juliane Berg ist Teil des Vorstands der „krakelee eG“ und war von Anfang an dabei. Sie erinnert sich, dass alle Mitglieder des Kollektivs aus verschiedenen Veranstaltungs-Kollektiven kamen und sich damals einen Club wünschten, der einem klaren Leitbild folgt. Ein Awareness-Konzept (dt. Achtsamkeit) stehe daher ganz oben auf der Prioritätenliste.
Solche Konzepte für Veranstaltungen beinhalten einen Verhaltenskodex und oft auch geschultes Personal, das in belastenden Situationen angesprochen werden kann. „In vielen Clubs wird ein Konzept zur Awareness erst im Nachhinein eingebracht, was aus unserer Sicht oft unzureichend ist. Da dachten wir uns: ‚Dann machen wir das einfach selbst.‘“
Fünf Jahre später stehen die beiden vor der Tür des Krakelee-Clubs in spe und freuen sich sichtlich darüber, dass es bald losgehen kann. „Wir wissen nicht, wie lange es dauert, das Untergeschoss umzubauen“, sagt Diers und schätzt, dass es ein bis zwei Jahre dauern wird, bis die Feierfreudigen zum Krakelee-Club pilgern können. „Wir stecken alle viel ehrenamtliche Arbeit, Herzblut und Zusammenhalt in das Projekt mit dem gemeinsamen Ziel, unseren Club zu eröffnen.“
Wenn es dann so weit ist, möchte das Kollektiv bereits an der Tür ihre Besucherinnen und Besucher sensibilisieren und den Verhaltenskodex kommunizieren. Juliane erzählt, dass auch das Kollektiv stetig versucht, sich politisch zu bilden und für Diskriminierungsformen zu sensibilisieren: „Wir möchten, dass sich alle willkommen fühlen.“
