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Ausstellung über Medizin der ZukunftDas Schiff „MS Wissenschaft“ ankert in Köln

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Ein lila Plakat, das die Stationen des Schiffes zeigt, das dahinter am Ufer liegt. Im Hintergrund der Rhein und die Mülheimer Brücke in Köln.

Das Frachtschiff „MS Wissenschaft“ mit seiner Ausstellung über die Medizin der Zukunft am Mülheimer Ufer in Köln. 

Das Frachtschiff „MS Wissenschaft“ tourt mit einer Ausstellung über die Medizin der Zukunft durch Deutschland. Ein Blick ins Innere am Mülheimer Ufer. 

Draußen herrschen 30 Grad und Sonnenschein, aber an Bord der „MS Wissenschaft“ führt eine Treppe hinab in den Schiffsbauch, wo Schulklassen Schutz vor der Hitze finden – und in Gruppen und regem Austausch die Ausstellung hier unten entdecken.

Das Ausstellungsschiff bleibt noch bis Freitag, 17. Juli, am Mülheimer Ufer neben der Mülheimer Brücke. Die Ausstellung kann von 10 bis 18:30 Uhr kostenlos besucht werden. Dieses Jahr zeigt sie unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ unter anderem medizinische Innovationen und ihren Weg in die Anwendung. Verschiedene Themen werden durch interaktive Stationen entlang des langen Frachtraums bis an sein Ende fühlbar und nachvollziehbar gemacht, denn Interessierte werden hier zum Mitmachen eingeladen. Hier unten ist Wissenschaft laut und lebendig. Bedienbare Touchscreens und Tische, simulierte Prozesse, Selbsttests, Spiele, Info- und Schiebetafeln sowie Telefon- und Kopfhörer sollen die Sinne ansprechen.

Der Bauch des Frachtschiffs, ein Raum, der nach hinten in die Länge geht und Menschen an Stationen sowie im Vordergrund eine Säule zeigt.

An Bord im Schiffsbauch wird die Medizin der Zukunft erkundet.

Die Ausstellung ist Teil der Initiative „Wissenschaft im Dialog“ und tourt dieses Jahr durch 36 Städte in Deutschland, Österreich und Polen. Seit 2012 wird die Ausstellung vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt initiiert.

Die Zukunft der Medizin ist vielseitig

Gesunde und nachhaltige Ernährung werden in der Ausstellung ebenso erklärt wie Technologien, die menschliche Organismen nachahmen, um Medikamente zu testen. Oder der Einsatz künstlicher Intelligenz im Ultraschall und als Gesprächspartner gegen Einsamkeit im Alter. Aktive Implantate mit elektrischen Impulsen werden veranschaulicht und ein Herzpflaster aus lebenden Zellen wird erforscht, das geschädigte Herzen reparieren soll. Zwei Schülerinnen stehen vor einem Bildschirm, auf dem der Einsatz von Robotern bei Operationen miterlebt werden kann.

Anke Hinney leitet das Institut für geschlechtersensible Medizin an der medizinischen Fakultät der Uni Duisburg-Essen. Die 61-Jährige ist aus Essen angereist, um beim Halt des Schiffes in Köln ein Exponat zu präsentieren, das geschlechtersensible Medizin erklärt und veranschaulicht. Die Station ist eine Säule mit roten und blauen, durchsichtigen Folien, die man hin und her schieben kann – dann kann man entweder den dahinter liegenden blauen Text lesen, der die Ausgangslage in der Medizin von heute repräsentiert, oder den roten Text, der die geschlechtersensible Medizin der Zukunft zeigt. Quasi die bevorzugte männliche Sicht auf die Medizin versus die weibliche.

Beim Herumschieben wird etwa lesbar: Weibliche und männliche Organismen unterscheiden sich bis auf die Zellebene voneinander. Der männliche Körper galt in der Medizin lange als Standard. Medikamente wurden beim Erproben für Männer dosiert, Frauen erhielten die gleiche, falsche Dosis und hatten unerwünschte Wirkungen. Frauen im gebärfähigen Alter wurden von klinischen Studien ausgeschlossen, um ungeborenes Leben zu schützen. Dies führte zu medikamenteninduzierten Fehlbildungen bei Neugeborenen. Ärzte erkennen Herzinfarkte bei Frauen im Schnitt drei Stunden später als bei Männern.

Eine Frau steht neben einer Infotafel, die geschlechtersensible Medizin erklärt.

Anke Hinney vor dem Exponat, das geschlechtersensible Medizin erklärt.

Warum geschlechtersensible Medizin?

„Oft kommen Frauen nach Vorträgen zu mir und berichten, dass sie anfangs nicht ernst genommen und zu spät behandelt werden“, sagt Hinney. Im Rahmen der Veranstaltungen während der Schiffstour spricht sie auch an diesem Abend bei einer Podiumsdiskussion über geschlechtersensible Medizin, zusammen mit einer von Endometriose betroffenen Patientin. Diese Krankheit zeige ebenfalls, wie wenig die Beschwerden von Frauen ernst genommen würden und wie wenig weibliche Erkrankungen noch erforscht seien. Dann dauere es lange, bis die Diagnose gestellt und geholfen werde.

Aber geht es bei geschlechtersensibler Medizin nur um Frauengesundheit? Hinney verneint dies und weist darauf hin, dass auch typisch weibliche Krankheiten wie Brustkrebs bei Männern selten vorkommen könnten und dann zu spät entdeckt und behandelt würden. „Männer haben das Gefühl, das Thema geht sie nichts an, aber es betrifft alle“, sagt sie.

Wissenschaft auf Tour

Anke Hinney ist vom Konzept und der Reichweite der Ausstellung überzeugt: „Mit dem Schiff bringt man die Wissenschaft zu den Leuten statt umgekehrt, und kann sie an verschiedenen Orten zugänglich machen. Man muss nicht irgendwohinfahren, sondern kann abwarten, bis das Schiff in der Nähe ankert, und dann kann man sich das kostenlos anschauen, das ist schon eine tolle Möglichkeit. Es sind auch längst nicht nur Schulklassen hier.“ So hätte sie heute auch eine Frau angesprochen, die selbst Krankenpflegerin gewesen sei und einen nicht erkannten Herzinfarkt bei einer Frau miterlebt hätte.