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Nur noch einspurig?SPD will Gutachten um Mülheimer Brücke erweitern lassen

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Köln, RSK, Demo Fahrräder Mülheimer Brücke

Radfahrer auf der Mülheimer Brücke

Die Zukunft der Mülheimer Brücke spaltet Köln: Soll sie nach der Sanierung einspurig für Autos bleiben und Platz für Radstreifen schaffen, oder zur gewohnten zweispurigen Verkehrsführung zurückkehren?

Soll die Mülheimer Brücke für Autos künftig einspurig werden oder zweispurig bleiben wie vor der Sanierung? Vor einer Entscheidung in dieser strittigen Frage will Verkehrsdezernent Ascan Egerer für 110.000 Euro ein Gutachten in Auftrag geben, um die Auswirkungen auf den Verkehr im Jahr 2035 zu untersuchen. Egerer favorisiert, die jeweils rechte Autospur in einen Radstreifen umzuwandeln.

Die SPD-Ratsfraktion hat beantragt, die Untersuchung zu erweitern. Neben den beiden Szenarien einspurige oder zweispurige Verkehrsführung pro Fahrtrichtung sollen noch zwei weitere Szenarien untersucht werden. Die Gutachter sollen ermitteln, wie sich der Autoverkehr unter der Bedingung entwickelt, dass die Severinsbrücke beziehungsweise die Zoobrücke sanierungsbedingt gesperrt werden.

Derweil erklärten Alexander Lünenbach, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Mülheim, und Norbert Fuchs, Vorsitzender des SPD-Stadtbezirks Mülheim: „Es ist schon irritierend, dass sich das Verkehrsdezernat scheinbar bereits auf die aus seiner Sicht beste Variante für die Mülheimer Brücke festgelegt hat, nun aber ein Gutachten gesondert in Auftrag geben möchte, um sich die eigene Meinung bestätigen zu lassen. Dies weckt Zweifel an der Ergebnisoffenheit, mit der die Verwaltung hier vorgeht.“ Eine entscheidende Frage werde ignoriert: „Wohin verteilt sich der Verkehr, wenn auf den anderen Brücken, welche in den kommenden Jahren saniert werden müssen, Sperrungen eingerichtet werden?“ Eine einspurige Brücke wäre stadtweit einzigartig.

Bürgerinitiative fordert einspurige Verkehrsführung

Wie berichtet, lehnen es die IHK Köln, die Handwerkskammer, die HGK, der ADAC sowie die CDU und die FDP/KSG vehement ab, auf der Mülheimer Brücke Autospuren zu Gunsten des Radverkehrs aufzugeben. Der Fahrrad-Club ADFC ist dafür. Kölns CDU-Chefin Serap Güler sagte: „Die Vorschläge des Verkehrsdezernenten sind ein Paradebeispiel für ideologiegetriebene Verkehrspolitik, die Realität und Alltag in Köln ignoriert. Wer die Mülheimer Brücke künstlich verengt, riskiert Verzögerungen, Mehrkosten und wirtschaftliche Schäden.“

Die Bürgerinitiative „Neue Mülheimer Brücke“ weist die Kritik an Egerer zurück. Sie fordert ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen und eine einspurige Verkehrsführung für Autos auf der Brücke. Die sei wegen der Bauarbeiten bereits Realität und habe sich bewährt. „Von Chaos keine Spur. Der Verkehr in den Hauptzeiten fließt sogar besser als vorher.“ Die Reduzierung habe die Belastung mit Lärm und Feinstaub im Zentrum von Mülheim verringert.   Bei vier Kfz-Spuren drohten unweigerlich Fahrverbote. (fu)