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Streit um VerkehrsführungMülheimer Brücke für Autos bald nur noch einspurig?

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Radfahrer auf der Mülheimer Brücke.

Radfahrer auf der Mülheimer Brücke.

Soll die Mülheimer Brücke für Autos dauerhaft einspurig werden? Verkehrsdezernent Ascan Egerer will Platz für breite Radstreifen schaffen und lässt die Folgen nun in einem teuren Gutachten prüfen.

Wird die Mülheimer Brücke in Zukunft für Autofahrer nur noch einspurig befahrbar sein? Verkehrsdezernent Ascan Egerer will die jeweils rechte Autospur in einen 2,50 Meter breiten Radfahrstreifen umwandeln und ein Gutachten beauftragen, das die Auswirkungen dieser Maßnahme auf den Verkehr untersuchen soll. Während der 2018 begonnenen Generalsanierung wurde der Autoverkehr auf der Brücke stark eingeschränkt, seit Juli 2025 steht wieder je eine Kfz-Spur pro Fahrtrichtung zur Verfügung.

Geht es nach Egerer, soll das dauerhaft so bleiben. Er hält eine Umverteilung der Verkehrsfläche zugunsten des Rad- und Fußverkehrs für geboten und verweist auf steigende Nutzerzahlen. Habe man 2019 noch rund 4500 Radfahrende pro Tag auf der Brücke erfasst, seien es 2023 bereits rund 6000 Fahrten pro Tag gewesen und im Frühjahr 2025 in der Spitze 7000. Durch die geplante Stärkung der Fahrradverbindung zwischen Mülheim und Nippes sei zu erwarten, dass die Nutzung der Brücke weiter zunehme und auf mehr als 10.000 Radfahrer pro Tag ansteigen könne.

Sanierung soll Ende März 2028 abgeschlossen sein

Nun soll untersucht werden, wie sich eine Umverteilung der Verkehrsflächen bis zum Jahr 2035 auswirken würde. Zunächst will das Verkehrsdezernat mit eigenem Personal die großflächigen Verlagerungen im Kfz-Verkehr bei ein- oder zweispuriger Kfz-Führung auf der Brücke simulieren. Darauf aufbauend, soll ein Gutachter die zu erwartenden Verkehrsverlagerungen im Umfeld der Brücke für acht verschiedene Szenarien untersuchen und bewerten. Dafür stünden bei der Stadt „die technischen und personellen Ressourcen nicht zur Verfügung, sodass die Vergabe an ein externes Ingenieurbüro zwingend ist“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Verkehrsausschuss. Er soll für das Gutachten 110.000 Euro freigeben. Es soll im zweiten Quartal 2026 ausgeschrieben werden und ein Jahr später fertig sein. Auf dieser Basis soll die Politik Ende 2027 entscheiden, welche Verkehrsführung umgesetzt wird. Die Sanierung soll Ende März 2028 abgeschlossen sein.

Damit die Stadt die Fördergelder nicht zurückzahlen muss, darf sie die Brücke baulich nicht verändern. 61 Millionen Euro hat die Bezirksregierung bereits an die Stadt ausgezahlt, die Kosten der Sanierung sind mittlerweile auf rund 500 Millionen Euro explodiert. Nur wenn das Verkehrsgutachten „eine Verbesserung für alle Verkehrsarten“ ergebe, so die Stadt, wäre die Neuaufteilung der Verkehrsfläche zu Gunsten des Rad- und Fußverkehrs förderverträglich. Sollte sich diese jedoch „entgegen der Prognosen nicht auszahlen“, sei eine Rückkehr zur vorherigen Flächenaufteilung mit je zwei Kfz-Spuren pro Fahrtrichtung „mit geringem Aufwand möglich“.

CDU-Fraktion lehnt Egerers Pläne ab

Egerer hatte bereits im April 2024 die Umwandlung von Kfz-Spuren in Radstreifen gefordert. Zusätzlich sollen Radfahrer auch den bisherigen Fuß- und Radweg am Rande der Brücke nutzen dürfen, der im Zuge der Sanierung verbreitert und an den Engstellen entschärft wurde.

Die CDU-Fraktion lehnt seine Pläne weiterhin ab. Ihr Verkehrsexperte Stefan Götz betont:„Was hier vorgeschlagen wird, ist kein ausgewogener Beitrag zu moderner Mobilität, sondern ideologiegetriebene Verkehrspolitik, die künstliche Engstellen erzeugt.“ Die Mülheimer Brücke werde „dringend gebraucht und zwar leistungsfähig und zweispurig“, sagte Götz mit Blick auf bevorstehende Baumaßnahmen an der Zoobrücke und der Rodenkirchener Brücke. Das sei, „insbesondere auch für Handwerks- und Wirtschaftsverkehre“ wichtig. Ablehnung kommt auch von der FDP/KSG-Fraktion. „Die Idee, eine der wichtigsten Rheinquerungen Kölns einspurig zu machen, ist vollkommen kontraproduktiv und führt zum erheblichen Rückstau. Wer dort bewusst Kapazitäten für Autos abbaut, verschärft die Verkehrssituation nicht nur auf der Brücke selbst, sondern auch im gesamten umliegenden Straßennetz“, so Harriet Krüger.

Im Verkehrsausschuss zeichnet sich eine Mehrheit ab

Dagegen signalisiert die SPD Zustimmung. Verkehrsexperte Lukas Lorenz: „Wir begrüßen, dass die Verwaltung nun ein belastbares Gutachten zur Spurumwidmung auf der Mülheimer Brücke vorlegen will. Genau diese sachliche Grundlage hat die SPD-Ratsfraktion seit langem eingefordert. Unser Anspruch war immer klar: Entscheidungen über so zentrale Verkehrsachsen dürfen nicht dogmatisch, sondern müssen auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten getroffen werden.“

Die Grünen erklärten auf Anfrage, man werde der Vorlage zustimmen. Auch die Linke und Volt sind dafür. Damit zeichnet sich im 13-köpfigen Verkehrsausschuss eine klare Mehrheit für die Erstellung des Gutachtens ab. Was dabei herauskommen wird und ob es in Zukunft eine oder zwei Kfz-Spuren pro Fahrtrichtung auf der Mülheimer Brücke geben wird, ist vorerst offen.