Ein 25-Jähriger soll betrunken mit bis zu 100 km/h durch eine 30er-Zone in Rondorf gerast sein und zwei Fußgänger auf dem Gehweg erfasst haben. Ein 27-Jähriger starb, sein 22-jähriger Begleiter sitzt im Rollstuhl.
Drama in Rondorf25-Jähriger verursacht betrunken tödlichen Unfall in Köln

Der Angeklagte mit Verteidiger Martin Bücher (l.)
Copyright: Bernhard Krebs
Der Tod kam in Gestalt eines Mercedes CLK 230, der mit mehr als dem Doppelten der zulässigen Geschwindigkeit gerast kam und zwei Fußgänger (22 und 27) auf dem Gehweg erfasste. Am Steuer des 210 PS-starken Unfallfahrzeugs: Ein alkoholisierter 25-Jähriger. Während der 27-jährige Fußgänger noch am Unfalltag in einem Krankenhaus an seinen Schädelverletzungen verstarb, leidet der bei dem Unfall schwer verletzte 22-jährige Fußgänger bis heute unter den schlimmen Folgen und sitzt derzeit in einem Rollstuhl.
Am Mittwoch stand der Fahrer des Unfallwagens wegen gleich mehrerer Vorwürfe vor einer Schöffenabteilung des Amtsgerichts. Die Anklage der Staatsanwaltschaft legt ihm ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen zur Erzielung der Höchstgeschwindigkeit, fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung sowie vorsätzliches Fahren unter Alkoholeinfluss zur Last.
Vier Liter Bier und drei Schnäpse
Am 17. August 2024 war der Mann mit dem Fahrzeug eines Freundes von einem feucht-fröhlichen Zusammensein in einer Tennishalle nach Hause gefahren. Insgesamt habe er bis zu vier Liter Bier und mindestens drei Kurze mit Kräuterlikör getrunken. Mit rund 1,5 Promille setzte er sich hinters Steuer und wollte nach Hause fahren. „Auf der Rückfahrt ist es sodann zu dem entsetzlichen Unfall gekommen, den ich bereue“, hieß es in einer von Verteidiger Martin Bücher für seinen Mandanten vorgetragenen Erklärung. Auf der Rodenkirchener Straße in Rondorf verlor der Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit in einer langgezogenen Linkskurve die Kontrolle, erfasste die beiden Fußgänger und knallte in eine Hauswand. Laut Anklage soll der 25-Jährige mit rund 100 Stundenkilometern durch die 30er-Zone gerast sein. Ein Unfallsachverständiger kam aber zu einer immer noch überhöhten, aber deutlich geringeren Geschwindigkeit von höchstens Tempo 70. Andernfalls wäre der Angeklagte schon früher aus der Linkskurve geflogen.
Alles zum Thema Amts- und Landgericht Köln
- Festnahme 20-Jähriger nach Brand in Haft - Mordkommission ermittelt
- Landgericht Pflegebedürftige Mutter erstickt: Haftstrafe für Ukrainerin
- Großfamilie vor Gericht Mitglieder sollen kriminelles Netzwerk unterhalten haben
- Drama in Rondorf 25-Jähriger verursacht betrunken tödlichen Unfall in Köln
- Cold Case aus Köln Mord an Seckin Caglar aus Poll wird ein Fall für „Aktenzeichen XY ungelöst“
- Prozess in Köln Angeklagter soll Mann vergewaltigt haben
- Unfall in Köln 64-Jähriger schuldig wegen fahrlässiger Tötung
Langes Warten auf Behandlungen
Der bis heute schwer verletzte Asylbewerber aus der Türkei war zum Unfallzeitpunkt gerade erst zwei Monate in Deutschland. Im Rollstuhl und mit einem Fixateur am rechten Bein, das im November zum wiederholten Mal operiert worden war, erschien er vor Gericht. Vor der Kollision, so der 22-Jährige, habe er ein lautes Geräusch gehört, als er auch schon von hinten erfasst worden sei. „Ich bin dann plötzlich auf dem Boden gelandet und habe Schmerzen gefühlt. Und ich habe gesehen, wie mein Freund blutüberströmt am Boden lag.“
Dass die Heilung seines offenen Trümmerbruchs nicht optimal verläuft, liege auch an seinem Status als Asylbewerber: „Er muss immer relativ lange warten bis Behandlungen genehmigt werden“, sagte seine Rechtsanwältin. Regelmäßige Behandlungen fänden nicht statt, die gebe es nur, wenn es akute Beschwerden gebe. Der 22-Jährige teilte mit, dass er seit dem Unfall bereits vier Suizidversuche unternommen habe. Der Grund laut einem psychologischen Gutachten: „Hilf- und Hoffnungslosigkeit“.
