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Familienbetrieb seit 1947Brodesser in Weiß konzentriert sich auf Bestattungen und Nachhaltigkeit

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Die Würde zurückzugeben, ist ein wichtiges Anliegen.

Die Würde zurückzugeben, ist ein wichtiges Anliegen.

In dritter Generation führt Michael Brodesser sein Bestattungsunternehmen – das jahrzehntelang primär eine Schreinerei war.

„Früher wurde weniger gestorben“, sagt Michael Brodesser, der in dritter Generation das Bestattungsunternehmen der Familie führt. Zumindest hatten die Brodessers anfangs weniger mit Bestattungen zu tun. Denn der 1947 gegründete Betrieb startete als Schreinerei.

Der Bestatter ist kein geschützter Beruf. „Du kannst Dir ein Schild an die Tür hängen und Bestatter werden.“ So gründete Großvater Johann Brodesser das Unternehmen, obwohl er eigentlich Tischler war. Die ein, zwei Bestattungen pro Jahr wurden „mitgemacht“, während seine Frau einen Farben- und Bastelladen betreute.

Vom Schreiner zum Bestatter

Vater Friedhelm Brodesser hat ebenfalls hauptsächlich als Schreiner gearbeitet. Vor sechs Jahren ging er (offiziell) in Rente. Zu seiner Zeit übernahm er zehn bis 15 Bestattungen pro Jahr. Über viele Jahre liefen Bestattungen, der Laden und die Tischlerei parallel, bis in dritter Generation Michael Brodesser einstieg. Nach einer Lehre zum Papierkaufmann und dem Abschluss an der FH Köln als Betriebswirt, übernahm er das Ruder und fokussierte die stetig höher werdende Auftragslage auf das Bestattungsunternehmen.

Der Bastelladen wurde als Verlustgeschäft geschlossen, die Schreinerei wurde an die Mitarbeiter abgegeben. 2010, als der Bestattermeister als Titel bei der IHK angeboten wurde, absolvierte er in Düsseldorf den Abschluss. Heute hat der Betrieb 16 Mitarbeitende, die Schreinerei wird weiterhin als unabhängiges Unternehmen geführt. Mittlerweile gehört seine zu einer von sieben Firmen im Umkreis bis Leverkusen, die sich zusammengeschlossen haben, um rund 1000 Bestattungen pro Jahr bewältigen zu können. Bei Brodesser sind es im Schnitt zehn pro Woche.

Warum er sich auf die Bestattungen konzentrierte, kann der 50-Jährige klar beantworten: „Da kam unser Helfersyndrom am besten zum Tragen.“ Mitgefühl zeigt er immer, aber kein Mitleid. Brodesser vergleicht sein Angebot für Bestattungen mit dem des Vollsortimenters bei Supermärkten: Er bietet alles an. 

Trauerbegleitung als Teil des Berufs

„Ich möchte den Angehörigen zu 100 Prozent helfen und es ist uns eine Ehre, dem Verstorbenen noch einmal die Würde zurückzugeben.“ Ein Helfer in der Not sei er. Wenn eine Frau von ihrem verstorbenen Mann keinen Abschied findet, soll sie im Überführungswagen mitfahren, und alle Schritte mitbestimmen. „Wer bin ich, die letzten Wünsche auszuschlagen?“ Jeder könne grundsätzlich immer und überall dabei sein. „Wir haben keine Geheimnisse, im Gegenteil. Wir wollen, dass die Angehörigen mitgestalten. Wenn Angehörige eine Beisetzung gleichsetzen mit einer schönen Erinnerung, dann haben wir alles richtig gemacht.“

„Unser Anspruch ist, Menschen, die einen schweren Verlust erlitten haben, beizubringen, damit umzugehen.“ Das sei dann schwierig, wenn etwa Kinder vor ihren Eltern sterben oder Fälle, in denen das Jugendamt eingeschaltet werden muss.

Die Herausforderung in seinem Beruf sieht Brodesser, ein Freiheitsmensch, aber in der Bürokratie. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei schwierig. Zu viele Vorschriften, zu viel Papierkram, sagt er. Seit Corona werden Terminvereinbarungen erwartet, um einen Verstorbenen zu melden. „Gestern wusste ich doch nicht, dass er verstorben ist.“

Er erzählt von einem Fall, als ein tot geborenes Baby nicht im Grab der Großeltern beigesetzt werden durfte. Es galt schon als voll. Muss dann wirklich ein weiteres Grab, entfernt von den Großeltern, die absolutistische Lösung sein? Warum ist in Rheinland-Pfalz eine Rheinbestattung möglich, hier nicht? Für ihn ist das Irrsinn. „Die Freiheit endet dort, wo ich in die Freiheit eines anderen eingreife. Aber wo ist der Schaden für die Öffentlichkeit?“

Brodesser will Regeln für Friedhöfe in Köln ändern

Es ist ein Grund, warum er auch in die Politik gegangen sei: um etwas zu ändern. Er vertritt derzeit die FDP/KSG-Fraktion im Ausschuss für Klima, Umwelt und Grün des Stadtrates als sachkundiger Einwohner, der Ausschuss, der auch über die städtische Friedhofssatzung entscheidet. Brodesser will auch Menschen mit weniger Geld ein angemessenes Grab ermöglichen. 5000 Euro kann eine Beerdigung kosten, davon sind Dreiviertel aber städtische Gebühren.

Und er kritisiert: „Es gibt zwei Länder auf der Welt, wo es eine Friedhofspflicht für Urnen gibt. Deutschland und Polen.“ Für ihn ist das Gesetz von „anno pief“. Brodesser will Friedhöfe attraktiv für die Zukunft gestalten. Ein Friedhof ist für ihn ein Ort der Begegnung und des Lebens. Yogakurs, Trauergruppe, Selbsthilfegruppe, Joggen (natürlich nicht durch eine Trauergemeinde) – für ihn ist das alles vorstellbar.

Positives Beispiel ist für ihn das Kolumbarium auf dem Friedhof Weiß. Ein Treffpunkt für das Dorf. Weiß ist seine Liebe, seine Heimat. Das Dorf ist die erweiterte Familie, in die er sich einbringt, den Weihnachtsmarkt organisiert und das Kartoffelfest unterstützt. Nachlässe, die ihm überlassen werden, setzt er ein, um zu helfen. Für mindestens fünf Jahre wird aktuell die Kinderkrebsforschung an der Uniklinik finanziell unterstützt.

Kölner Bestatter wird umweltfreundlicher

Derzeit stellt er den Betrieb auf erneuerbare Energien um. In die Särge kommen keine Kunststoffartikel (die Biodecken lässt er anfertigen), sie werden nicht lackiert, sondern geölt. Aktuell sind Holzurnen gefragt, weil sie eine schöne Optik haben. Auch beliebt sind Urnen, die Köln-Motive im Airbrush-Stil zieren. Dazu Kleinsturnen für Zuhause. Sie sind so groß wie ein kleiner Teelichthalter, in Form eines Herzens oder Sterns. Neu sind Tierurnen. Wenn vor 20 Jahren rund 80 Prozent Erdbestattungen und 20 Prozent Urnenbestattungen stattfanden, ist das heute genau andersherum.

Sein Fuhrpark, mit fünf Überführungswagen und dem „1974er Schätzchen“, einer alten Mercedes E-Klasse, wird zukünftig um das erste vollelektrische Auto ergänzt, das er gerade selbst umbauen lässt. Denn Überführungswagen von der Stange gibt es nicht. „Ich möchte die Welt an die Kinder ordentlich übergeben.“