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Interview

Sarah Engels beim ESC
„So nah dran zu sein, fühlt sich verrückt und gar nicht richtig real an“

4 min
Sarah Engels ist gebürtige Kölnerin und aktuell im Musical „Moulin Rouge“ zu sehen.

Sarah Engels ist gebürtige Kölnerin und aktuell im Musical „Moulin Rouge“ zu sehen. 

Am Samstag entscheidet sich, ob die 33-Jährige für Deutschland antritt. Und noch zwei weitere Namen aus Köln nehmen am „Deutschen Finale“ teil. 

Die Vorfreude steigt: Am kommenden Samstag entscheidet sich beim „Deutschen Finale“, wer Deutschland bei der 70. Jubiläumsausgabe des Eurovision Song Contest (ESC) im Mai in Wien vertreten wird. Von den neun Künstlern, die zur Wahl stehen, trägt Sarah Engels den bekanntesten Namen. 2011 wurde die gebürtige Kölnerin Zweite bei „Deutschland sucht den Superstar“. Anschließend startete sie eine recht erfolgreiche Karriere als Sängerin und Schauspielerin, bis Mitte Juli ist sie noch bei „Moulin Rouge!“ im Musical Dome zu sehen. Wir sprachen mit der 33-Jährigen über die Erfüllung eines Lebenstraums, die richtige Balance im Leben und den Blick auf eine fantastische Reise.

Wie laufen die Vorbereitungen auf dieses Highlight in Ihrer Laufbahn?

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir arbeiten intensiv an der Performance, an jedem Detail der Show und natürlich auch stimmlich, damit am Ende alles perfekt ineinandergreift. Gleichzeitig versuche ich, mir trotz des Trubels immer wieder bewusste Momente zu nehmen, um bei mir zu bleiben. Es ist wahrscheinlich das wichtigste Musikereignis meiner bisherigen Karriere – und genau deshalb gebe ich mit meinem ganzen Team jeden Tag 100 Prozent.

Was steckt hinter dem Song „Fire“? Welche Emotionen und Geschichten verbinden Sie damit?

„Fire“ ist für mich mehr als nur ein Song – es ist ein Statement. Er steht für den Moment, in dem man sich entscheidet, Zweifel und Ängste nicht länger das eigene Leben bestimmen zu lassen. Es gab Phasen, in denen ich selbst lernen musste, wieder an mich zu glauben und für mich einzustehen. Genau aus diesem Gefühl heraus ist „Fire“ entstanden.

Der Song erzählt davon, seine innere Stärke wiederzufinden und sich nicht klein machen zu lassen. Wenn sich Menschen – besonders Frauen – darin wiederfinden und daraus Mut schöpfen können, dann hat „Fire“ genau das erreicht, was ich mir wünsche. Es ist eine sehr persönliche Geschichte, in der sich viele Frauen wiederfinden können – dieses Gefühl, manchmal nicht genug zu sein, und trotzdem immer wieder aufzustehen.

Wie verbringen Sie diese aufregende Zeit aktuell? Was hat Sie zuletzt bewegt, und was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

So kurz vor der großen Show bestehen die Tage eigentlich nur noch aus Proben und Vorbereitung, aber gleichzeitig spüre ich eine große Dankbarkeit und Vorfreude. Ich genieße diesen Weg gerade sehr bewusst.

Wenn ich auf die letzten Jahre im Showgeschäft zurückblicke, sehe ich vor allem meine Entwicklung – mit Höhen, Herausforderungen und ganz viel Wachstum. Ich habe unglaublich viel gelernt, über die Musik, über das Business, aber vor allem über mich selbst. Für die kommenden Jahre wünsche ich mir, weiterhin authentisch meinen Weg zu gehen, Musik zu machen, die etwas bedeutet, und Projekte umzusetzen, die sich für mich richtig anfühlen. Und natürlich wünsche ich mir und meinen Liebsten, gesund zu bleiben und diese fantastische Reise mit den Menschen teilen zu dürfen, die mich begleiten.

Haben Sie Ihren Musikstil verändert, oder möchten Sie nun sogar eine neue Rolle einnehmen?

Ich würde nicht sagen, dass ich meinen Musikstil komplett verändert habe – eher, dass ich freier geworden bin und meine Musik genau wie ich gewachsen und reifer geworden ist. Heute mache ich das, worauf ich wirklich Lust habe und was ich in dem Moment spüre und ausdrücken möchte. Ob auf Deutsch oder Englisch, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist mir, dass es sich ehrlich anfühlt und meine Emotionen widerspiegelt. Ich möchte mich nicht in eine Rolle drängen lassen, sondern einfach authentisch Musik machen.

Mit der ESC-Bewerbung haben Sie sich einen Traum erfüllt – seit wann begleitet Sie dieser?

Ich verfolge den ESC eigentlich schon immer – auch schon als Kind. Und eigentlich habe ich mir da auch schon gedacht: „Wow, wie cool wäre es, mal selbst dabei zu sein.“ Das schien aber alles immer unglaublich weit weg. Jetzt so nah dran zu sein, fühlt sich verrückt und gar nicht richtig real an.

ESC, Proben, Moulin Rouge, Familie und Kinder: Wie schafft man es, all diese Aufgaben unter einen Hut zu bekommen?

Ganz ehrlich: Es ist ein Balanceakt – und nicht jeder Tag ist perfekt. Aber ich habe das große Glück, einen Partner und ein Umfeld an meiner Seite zu haben, die mich unglaublich unterstützen. Ohne diesen Rückhalt wäre das alles nicht möglich. Für mich ist es wichtig, bewusst Prioritäten zu setzen und die Zeit, die ich mit meiner Familie habe, wirklich intensiv zu nutzen. Am Ende geht es nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern darum, mit Liebe und Leidenschaft bei dem zu sein, was man gerade tut.

Was gibt Ihnen Kraft für diese vielen Herausforderungen? Und inwieweit sind Sie in den letzten Jahren gereift?

Kraft gibt mir vor allem meine Familie. Meine Kinder erden mich unglaublich und erinnern mich jeden Tag daran, was wirklich zählt. In den letzten Jahren bin ich definitiv gereift. Ich bin ruhiger geworden, klarer in meinen Entscheidungen und weiß heute viel besser, wer ich bin und wofür ich stehe. Ich lasse mich nicht mehr so schnell verunsichern und höre stärker auf meine eigene Intuition.


Eurovision Song Contest – Das Deutsche Finale 2026“ am Samstag, 28. Februar, um 20:15 Uhr live in der ARD und in der ARD Mediathek.