Wegwerfmode steht in der Kritik. Ein Gegenmodell ist der Kleidertausch - wie nun im Rheinauhafen.
Tauschen statt wegwerfenNeue Kleider mit gutem Gewissen

Alex (l.) und German sind fündig geworden beim Kleidertausch
Copyright: Nabil Hanano
„Circus Abigalli 2017“ steht in großen Buchstaben auf dem schwarzen Kapuzenpulli, den eine Besucherin aus dem Berg von Klamotten zieht, um ihn dann schnell wieder fallen zu lassen. „Oh Gott, wie schrecklich“, sagt sie noch und zieht schnell weiter an den nächsten Wühltisch. Wer hier die besten Teile ergattern will, muss geduldig sein und Durchhaltevermögen zeigen, denn beim Kleidertausch geht es vor allem um den Spaß am Suchen und Finden. Um zu finden, müssen sich die Schnäppchenjägerinnen und -jäger ein wenig durchwühlen – durch die Menschenmenge in der Halle und die Klamotten auf den Tischen. Der Andrang beim Kleidertausch im Rheinauhafen war am Sonntag groß.
Maximal 20 Teile dürfen mitgebracht werden
Wer den Kleiderschrank ausmisten möchte, darf maximal 20 Teile pro Person auf den Tischen verteilen. Kategorien wie Röcke und Kleider geben Orientierung im Gewühl. Wer sein neues Lieblingsteil gefunden hat, darf es einfach mitnehmen. Kein Eintritt, kein Kaufpreis. Lediglich die selbst gebackenen Kuchen und der frisch gebrühte Kaffee dürfen gegen eine Spende vor Ort genossen werden. German (24) ist mit seinen Freunden beim Kleidertausch und hat bereits eine Hose, die er nicht mehr anzieht, gegen einen Pulli und eine Krawatte getauscht. „Ich habe eh zu viele Klamotten, die ich nicht trage, und finde es super interessant hier etwas Cooles zu finden, anstatt einfach in einen Laden zu gehen.“

Die Veranstaltung ist beliebt und gut besucht.
Copyright: Nabil Hanano
Gründungsmitglied Laura Grocholl erinnert sich noch, dass im Gründungsjahr 2014 die Aktion noch so klein war, dass sie jedes Teil überprüfen konnte, um sicher zu gehen, dass keine zerschlissenen oder dreckigen Teile auf den Tischen landen. Inzwischen sind es nicht mehr 30 Leute, die sich durch die Secondhand-Waren wühlen, sondern locker 400. Ganz genau kann sie es nicht sagen, denn sie zählt die Besucherinnen und Besucher nicht. Auch sonst ist der Kleidertausch im Kunsthafen in der Bayenstraße 28 ehrenamtlich organisiert.
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Idee zog immer mehr Interessierte an
Der Raum wird den Frauen, die sich noch aus Studientagen kennen, kostenfrei zur Verfügung gestellt. Anfangs noch in kleinen Bars wie dem Trash Chic in Kalk oder dem Limes in Mülheim, zog die Idee immer mehr Interessierte an, und so zog das Projekt in den Kulturbunker in Mülheim um. Seit 2023 veranstalten die sieben Frauen den Kleidertausch in der Kunst- und Veranstaltungshalle Kunsthafen im Rhenania. „Die Idee kam damals auf, als wir mit Freundinnen privat unsere Klamotten getauscht haben und das Ganze größer gestalten wollten“, erzählt Grocholl. Das Ziel: Weniger Klamotten wegschmeißen und neue Leute kennenlernen.
Mitorganisatorin Manuela von Malotki erinnert sich an eine der für sie prägendsten Tauschobjekte: ein Hochzeitskleid. „Die Frau, die das Kleid anprobiert hatte, war so glücklich darüber, weil es ihr tatsächlich passte und sie sich kein neues leisten konnte.“ Überbleibsel werden gespendet Die Toiletten des Kunsthafens werden an diesem Tag zu Umkleiden umfunktioniert. Wer mit vollen Tüten unterm Arm die wuselige Veranstaltungshalle betritt, wird von einer der Veranstalterinnen persönlich begrüßt und eingewiesen. Während die einen noch wühlen, haben die anderen sich bereits neben ihre prall vollen Tüten gehockt, um den erfolgreichen Ausflug mit Kaffee und Kuchen ausklingen zu lassen. Die übrig gebliebene Kleidung wird am Ende des Tages ans Rote Kreuz gespendet. Insgesamt drei- bis viermal im Jahr planen die Freundinnen das Kleidertausch-Ereignis. Ein genaues Datum für das Frühjahr steht aber noch nicht fest
