Es war schon mal leerer in der Kölner Innenstadt als an diesem Mittwochnachmittag. Aber von fröhlicher Normalität und Shopping-Laune weit und breit auch keine Spur: Sehr verhalten läuft die „Wiedereröffnung“ an.
Es ist der erste Tag, an dem auch andere Geschäfte als die für den „täglichen Bedarf“ öffnen dürfen. Nach Terminabsprache und mit negativem Covid-Test beziehungsweise Impfung oder Genesung. Und tatsächlich bilden sich an einigen wenigen Geschäften auch kleinere Schlangen, doch bei den meisten gilt: Mehr Personal als Kundschaft im Laden. Die Terminabsprache kann bei fast allen auch direkt vor Ort gemacht werden, die meisten haben eigene QR-Codes, über die eine Buchung in Sekundenschnelle möglich ist.
Mit unermüdlicher Freundlichkeit
Mit unermüdlicher Freundlichkeit erklären die Mitarbeiter potenziellen Kunden das Prozedere: Anmelden, Test oder Impfpass vorzeigen und dann erst in den Laden gehen. Sofern der nicht ausgelastet ist, was aber so gut wie nie vorkommt. Viele Geschäfte haben heute gar nicht erst aufgemacht, ein gutes Drittel liegt noch im Dunkeln.

Ein bisschen was geht, auch wenn längst nicht alle Läden offen haben und bei vielen gähnende Leere herrscht.
Copyright: Thomas Banneyer
Hoffnungsvoll wendet sich ein älteres Ehepaar an die Einlasskontrolle eines Textil-Hauses, sie wollen etwas besorgen für die kleine Enkelin. Die Senioren bekommen so viel Aufmerksamkeit wie wohl selten zuvor beim Einkaufen, noch während sie die Formalitäten am Eingang erledigen, steht auch schon jemand bereit, um sie in den Laden zu begleiten – offensichtlich ist man froh um jeden Kunden, der sich aus der Deckung wagt. Mancherorts werden potenzielle Kunden sogar vom Geschäft aus angesprochen. Die Testzentren in der Innenstadt – mittlerweile gibt es einige – sind ebenfalls nirgendwo ausgelastet.
Die Regeln werden eingehalten
Polizei und Ordnungsamt drehen unentwegt ihre Runden, sehen aber nirgendwo Grund zum Einschreiten. Maskenverweigerer sieht man an diesem Nachmittag so gut wie nirgendwo und Ladendiebstahl kann man unter so scharfer Bewachung auch ganz schnell vergessen. Dann eben ein kleiner Plausch unter Kollegen, tut auch mal ganz gut.

Click & meet in Köln
Copyright: Thomas Banneyer
Am späteren Nachmittag füllt sich die Innenstadt etwas mehr, viele schauen nach der Arbeit mal schnell in die Stadt. Auch die Ehrenstraße sieht wieder mehr nach Einkaufsstraße aus als in den letzten Wochen. Aber viele kommen mehr aus Neugier als aus echtem Kaufinteresse. Was man immer wieder hört: Wenigstens irgendwo ein Kaffee, das müsste doch drin sein...
Das könnte Sie auch interessieren:
„Muss sich alles erst wieder einspielen“, meint ein Süßwaren-Verkäufer, der die ganze Zeit über offen gehalten hat. Er ist froh, dass andere nun ebenfalls wieder öffnen dürfen, macht sich aber auch wenig Illusionen über die vergangenen Wochen und Monate so gut wie ohne Publikum: „Das holen wir nicht mehr rein“, sagt er. „Und viele andere wohl auch nicht.“



