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Yayoi KusamaRun auf die Sonderausstellung im Kölner Museum Ludwig

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Kusama-Ausstellung - Ludwig

Kusama-Ausstellung - Ludwig

Gut 40.000 Besucherinnen und Besucher sahen in den ersten zwei Wochen die Sonderausstellung.

Kurz vor 10 Uhr am Donnerstagmorgen. Menschentrauben vor den beiden Eingängen zum Museum Ludwig. Ihr Ziel: die Retrospektive mit den Werken von Yayoi Kusama. Die Ausstellung, mit der das Museum Ludwig seinen 50. Geburtstag feiert, ist im wahren Wortsinn ein Renner. In noch nicht mal zwei Wochen seit der Eröffnung haben schon rund 40.000 Menschen die bunten, eindringlichen und vielfältigen Installationen, Skulpturen und   Malereien aus rund 70 Jahren Schaffenszeit gesehen. „Die Kusama Ausstellung ist ein großartiger Erfolg“, freut sich Direktor Yilmaz Dziewior.

Kusama-Ausstellung - Ludwig

Kusama-Ausstellung - Ludwig

Kusama (97) ist eine der bekanntesten Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre ikonischen Punkte, ihre Kürbisskulpturen und ihre verspiegelten Infinity-Rooms sind zu einem Markenzeichen geworden. „Wir müssen Time-Slots für den Eintritt vergeben“, erklärt Museumssprecherin Anne Niermann. Nur so kann die enorme Nachfrage in den Griff bekommen werden. Wer online sein Ticket bucht – und das wird dringend empfohlen –, muss sich für eine bestimmte Eintrittszeit entscheiden. „Im Vorverkauf haben wir bereits rund 70.000 Tickets verkauft. Pro Slot verkaufen wir online 350 Tickets, rund 10 bis 20 Prozent verkaufen wir dann nochmal an der Kasse“, erklärt Niermann.

Generationenübergreifende Begeisterung

Etwa 400 Menschen strömen an diesem Morgen als erste ins Museum. Ein bunt gemischtes Publikum. Rentnerinnen und Rentner neben einer Gruppe ukrainischer Schülerinnen und Schüler, Studierende ebenso wie Familien oder Paare. Russische, englische und italienische Worte sind neben Deutsch zu hören, während die erste Besucherwelle des Tages an glänzenden Edelstahlkugeln vorbei über die Treppenstufen in das Untergeschoss schwappt.

„Je später der Tag, desto mehr verteilen sich die Besucher“, sagt Niermann. Und freut sich. Dass eine Ausstellung im Ludwig ein wahrer Besuchermagnet ist, ist länger her. Andy Warhol war 2020 zwar spektakulär, durch die Corona-Pandemie war ein normaler Ausstellungsbetrieb allerdings nicht möglich. Die Besucherzahl blieb knapp unter 30.000. Das ist nun anders.

Kusama-Ausstellung - Ludwig

Kusama-Ausstellung - Ludwig

„Ich bin schon zum dritten Mal in der Ausstellung. Dem Museum ist wirklich eine tolle Ausstellung gelungen“, sagt Gabi Schilling. Sie hat eine Jahreskarte für die Kölner Museen. Die Kosten von 90 Euro hat sie durch ihre drei Besuche schon fast raus. 19,80 Euro kostet der reguläre Eintritt in die Sonderausstellung. „Es lohnt sich auf jeden Fall“, sagt Ekatarina Schmer. Sie streift mit ihren   Kindern Michael (5) und Domitica (8) durch die farbenfrohe Punktewelt von Yayoi Kusama. Auffällig viele kleine Kinder sind an diesem Morgen mit ihren Eltern unterwegs. „Ich mag es, dass es so bunt ist“, sagt Domitica.

Um die Werke von Yayoi Kusama zu genießen, braucht es nicht unbedingt Hintergrundwissen. Sie sprechen für sich. Eine klare, eindringliche Sprache. Doch, wer weiß, welche inneren Qualen Kusama durchgemacht hat, kann noch weitaus mehr aus ihrer Formenwelt schöpfen. Kurator Stephan Diederich hat es geschafft, über die gesamte Wechselausstellungsfläche des Museum das Leben, Leiden und die Ausdruckskraft der Ausnahmekünstlerin spürbar werden zu lassen. Informationen, Filme und Zitate ergänzen unaufdringlich die Werke. „Mich fasziniert diese Frau in ihrer Vielschichtigkeit“, sagt Besucherin Gabi Schilling.

Kusama-Ausstellung - Ludwig

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Museumsdirektor Dziewior sieht neben der eindringlichen Schaffenskraft der Künstlerin einen weiteren Faktor für den Erfolg der Ausstellung: die sozialen Medien. „Kusamas Infinity Rooms sind sehr instagramable. Über diesen Weg verbreitet sich die Begeisterung der Besucherinnen und Besucher rasend schnell. Dazu kommt natürlich die Mundpropaganda und ein enormes Medienecho. Von der ,Sendung mit der Maus' bis ,ttt' war die Ausstellung in vielen Fernsehformaten zu sehen, in Print und Onlinemedien sowieso. Besonders gefreut hat uns das Lob des Direktors des Kusama Museums in Tokio, Akira Tatehata, der unsere Ausstellung als ,the best' bezeichnete“, sagt Dziewior.

T-Shirt für 98 Euro, Tasche für 22

Nebeneffekt und gleichzeitig Teil der enormen Popularität von Yayoi Kusama ist ein breites Angebot an Merchandising-Artikeln.   Vom T-Shirt (98 Euro) über den Kissenbezug (149 Euro) und den Porzellankürbis als Sammlerobjekt (369 Euro) bis zum Schlüsselanhänger als Kürbis (29,90 Euro) reicht das Angebot. Es wird in der Buchhandlung Walter König parallel zur Ausstellung verkauft. „Die Nachfrage ist riesig“, stellt Kristine Arnold, stellvertretende Leiterin der Buchhandlung, fest.

Kusama-Ausstellung - Ludwig

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Neben Artikeln, die aus dem japanischen Yayoi-Kusama-Store kommen, hat auch das Museum Ludwig einige lizenzierte Verkaufsartikel zur Sonderausstellung produzieren lassen. Sie reichen von einer limitierten Sonderedition von Kürbis-Drucken (2400 Euro) über ein Seidentuch (150 Euro), vier Postkarten (10 Euro) bis zum Beutel (22 Euro) und zum Plakat (18 Euro). Der Katalog kostet 38 Euro. „In den ersten zwei Wochen haben wir 500 Taschen, 500 Poster und 700 Postkartensets verkauft. So viel verkaufen wir sonst in der kompletten Laufzeit anderer Ausstellungen“, sagt Museumssprecherin Niermann. Ihre Prognose: „Wir werden etwa 13.000 Kataloge bis zum Ende der Ausstellung verkaufen, das sind vier Mal so viele wie bei anderen großen Sonderausstellungen.“

„Die Preise beim Merchandising sind übertrieben“, findet Kunstfreundin Schilling. Doch viele Menschen lassen sich offenbar dadurch nicht vom Kauf abhalten. „Gerade die Schlüsselanhänger sind der Renner“, sagt Arnold. Derzeit ist die Version in Gelb ausverkauft. Nur rote sind noch im Angebot. Es ist aber schon nachbestellt. Schließlich läuft die Ausstellung noch bis zum 2. August.