Ein Dokumentarfilm zeigt die Stationen, die Choreografin Gerda König und ihr Ensemble in den vergangenen 30 Jahren machten.
DokumentarfilmWie Gerda König für Diversität in die Welt hinaus geht

DIN A 13 tanzcompany
Copyright: Martin Miseré
„Nicht verstecken, sondern zeigen!“ Gleich einer Parole durchzieht diese Aufforderung das Werk der Choreografin Gerda König. Andrea Hoffmann, eine der Tänzerinnen der ersten Stunde im Ensemble von DIN A 13 tanzcompany, bezeichnet mit diesem Satz die Schwelle, auf der sich das Team um Gerda König seit drei Jahrzehnten bewegt. „Movement Unbound“ nennt sich der Dokumentarfilm, in dem Miriam Jakobs und Gerhard Schick zum 30-jährigen Jubiläum der Kölner Künstlergruppe noch einmal Stationen ihres Werdegangs Revue passieren lassen.
Sichtbarkeit nicht normierter Körper
Der Filmtitel ist auch so ein Motto, das eine Arbeit beschreibt, in der es um die „Sichtbarkeit nicht normierter Körper“ geht, wie es Gitta Roser, die enge künstlerische Begleiterin von Gerda König, formuliert. In schönen, klaren Bildern wird die experimentelle Ästhetik von DIN A 13 entfaltet.
Geradezu magisch wirken die Filmdokumente der ersten Produktionen Mitte der neunziger Jahre. Dass Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen auf der Bühne tanzten, rief damals sowohl Begeisterungsstürme als auch Empörung hervor.
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Heute ist die Truppe arriviert, hat viele Auszeichnungen für ihre Arbeit bekommen und besitzt einen internationalen Ruf. Gleichwohl sucht man den unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum auch außerhalb der Theater. Etwa mit der Aktion „MYspace SAFEspace NOspace“.
Mentale Hürden
Dazu tourte das Ensemble mit einem Container durch Kölner Vororte und performte unmittelbar auf der Straße. Der Film zeigt noch einmal die mentalen Hürden – von den körperlichen muss man gar nicht erst sprechen, wenn man die Bilder sieht – die es bei der Arbeit zu überwinden gilt. Kunstproduktion heißt hier immer: Wo sind meine Grenzen, und wie kann ich sie überwinden? Dazu gehören Themen wie Nacktheit oder etwa die Furcht, zu ertrinken, wie sie Gerda König bei einer Produktion im Wasser erlebt hat. Die Arbeit mit körperlich behinderten Menschen hat sich aber nie allein auf die rheinische Homebase beschränkt.
Interessantes Dokumentarmaterial zeigt das Wirken mit Betroffenen vor Ort in Afrika, Asien und Südamerika. Seit Beginn fragt DIN A 13 tanzcompany danach, wie offen unsere Gesellschaft wirklich ist: Wer erhält den Raum, sich zu zeigen, und wer wird an den Rand gedrängt? Das Beste an diesem Film sind jedoch die Aufnahmen von den Bühnenproduktionen, in denen die wilde, intelligente Ästhetik von DIN A 13 in ihrer ganzen Schönheit betrachtet werden kann. Die Premiere von „Movement Unbound“ ist am 15. Januar, 20 Uhr im Filmforum NRW im Museum Ludwig.
