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The Last Dinner Party in KölnEine rauschende Ballnacht im Palladium

3 min
Im weißen Hängerkleid und mit schwarzem Dreispitz: The Last Dinner Party-Sängerin Abigail Morris.

Im weißen Hängerkleid und mit schwarzem Dreispitz: The Last Dinner Party-Sängerin Abigail Morris. 

Die britische Band trat vor rund 3400 Fans auf. Songs der Band wie „Nothing Matters“ und „Sinner“ vereinen persönliche Erlebnisse und musikalische Einflüsse wie Queen und Amy Winehouse.

Als Jesus seine Jünger zum letzten Abendmahl versammelte, war die Stimmung deutlich getrübt. Verkündete doch der Erlöser bei dieser Gelegenheit, dass einer der Zwölf ihn verraten werde. Im Vergleich dazu – auf Englisch heißt das letzte Abendmahl „The Last Supper“ – stellt man sich die britische Band The Last Dinner Party edler und fröhlicher vor. Mit  Canapés und Champagner statt Brot und Wein, mit festlich gedeckter Tafel und jeder Menge guter Laune.

Tatsächlich ist das, was The Last Dinner Party Montag im Palladium bietet, eine rauschende Ballnacht. Mit viel Rüschen und Spitze, Ekstase und Schmerz, Sinn für Melodramatik und Theatralik. Zwei Stunden Programm mit mitreißenden Songs, barockem Glam-Pop-Art-Rock und blutigen Texten, die für rund 3400 Fans zum Genuss werden. Auch ohne Canapés und ohne Champagner.

Schon bevor das Debütalbum „Prelude to Ecstasy“ 2024 international durch die Decke ging, hatte die Single „Nothing Matters“ wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. Den Kern von The Last Dinner Party bilden Abigail Morris (Gesang), Emily Roberts (Lead-Gitarre, Querflöte) und Lizzie Mayland (Gitarre, Gesang) die sich in London beim Studium kennenlernten. Kurz danach stießen Georgia Davies (Bass) und Aurora Nishevci (Piano, Keyboard, Gesang) dazu.

Das, was die Band macht, ist zugleich zutiefst persönlich als auch ein In-Spuren-Gehen. Als Inspirationsquellen werden Florence + The Machine, David Bowie und Queen genannt, aber auch Amy Winehouse, Johnny Marr oder Grace Jones. Ihre Texte stammen teils, Wort für Wort, aus ihren Tagebüchern.

Tiefe und persönliche Themen auf der Bühne

Darin geht es etwa um Selbstbewusstsein und Selbstermächtigung, um Sprache und Sprachlosigkeit oder um Sünde und Schuldgefühle. In „Sinner“ thematisiert Lizzie Mayland ihre katholische Kindheit, in „Gjuha“ singt die im Kosovo geborene Aurora Nishevci auf Albanisch darüber, dass sie diese Sprache eigentlich gar nicht spricht. Im Song „Woman is a Tree“ sind sich alle fünf einig, dass die Frau der Baum ist und der Mann eine Ranke, die sich an einem der Äste festklammert. Den Satz „I am more than a girl, I am the seaside“ (Ich bin mehr als ein Mädchen, ich bin das Meer) aus „Sail Away“ hätte man schon als 16-Jährige kennen müssen, um ihn sich in riesigen Lettern auf die Zimmerwand zu pinseln.

Live wirkt das Bühnenbild wie ein Blick in eine Anderswelt. In der die 26-jährige Abigail Morris mit ihrer ausdrucksstarken Stimme als auch ihrer quirligen Art im weißen Hängerkleid und mit schwarzem Dreispitz im Mittelpunkt steht. Eine Elfe, die die „Black Pearl“ kommandieren, oder Wendy, die auch ohne Peter Pan fliegen könnte.

Ohne „Nothing Matters“ um 22.40 Uhr vor dem Zugabenteil geht es natürlich nicht. Ein grandioser Abend mit Wermutströpfchen. Hätte Morris nicht so oft gesagt, wie sehr sie sich freue und wie dankbar sie uns sei, wäre noch ein Stück mehr drin gewesen.