Sie sind Treffpunkt und Ausflugsziel: die Wochenmärkte. Die Kölnische Rundschau stellt in loser Folge einzelne Märkte und besondere Angebote vor. Los geht es an der Apostelnkirche in der City. Dienstag und Freitag ist hier Markttag.
Wochenmärkte in KölnDas bietet der Markt an der Apostelnkirche

Hingucker und Treffpunkt: Der Markt an der Apostelnkirche im Zentrum hat viele Stammkunden.
Copyright: Meike Böschemeyer
Wenn Markttag ist, heißt es sehr früh aufstehen. Nathalie Baumann (29) ist dann schon um 3.30 Uhr im Familienbetrieb auf den Beinen, nimmt die Waren in Empfang und bereitet die Spezialitäten vor, die später im fahrbaren Geschäft unter freiem Himmel angeboten werden. Sie steuert den zehn Meter langen Truck wie jeden Freitag auf den idyllischen Platz vor der Apostelnkirche, baut ab sechs Uhr auf.
Frühaufsteherin Nathalie Baumann am Markt

„Wie hat's geschmeckt?“ Nathalie Baumann ist früh ins Familienunternehmen eingestiegen.
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Das Markenzeichen auf der schwarz-roten Wagenfront ist weithin sichtbar: ein goldener, röhrender Hirsch. „Gib jedem Tag die Chance, der leckerste zu werden“, steht am Transporter mit dem aufklappbaren Kühltresen. In den Auslagen liegen Spezialitäten von frischem Wild bis Freilandgeflügel aus artgerechter Haltung, zertifizierte Kikok-Hähnchen, mariniertes Grillgut. Von sieben bis 13 Uhr kommen die Kunden. Sie haben so einiges kulinarisch in Planung. „Habt Ihr noch ein Suppenhuhn? Und sechs Rouladen bitte“, ordert jemand am Stand, andere fragen nach Tipps für die Zubereitung der Entenbrustspieße und bestellen eine Lammkrone fürs Festessen.

Blumenkohl und Grünkohl gibt es in den Wintermonaten.
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Spezialitäten auf dem Marktstand von Baumann
„Wir bekommen immer ein Feedback, wie's geschmeckt hat“, sagt Nathalie Baumann, die wie zuvor ihr Vater jung ins 1958 vom Opa gegründete Familienunternehmen G. Baumann einstieg. Ihre Eltern Joachim und Sandra Baumann übernahmen den elterlichen Betrieb in Bergheim und kümmern sich mit dem Team rund um Management, Metzgerei und Verkauf.
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„Wie immer?“, fragt die 29-Jährige. Nonstop bis 13 Uhr heißt es mit Kollegin Claudia Klein bedienen, abwiegen, abrechnen und „der Nächste, bitte“. Die ausgebildete Mediengestalterin schätzt die Arbeit an der frischen Luft, die lockere Atmosphäre in den unterschiedlichsten Veedeln. Ob jünger oder älter, probierfreudig für Neues auf dem Speiseplan oder mit Vorliebe für Traditionskost: „Viele Kunden kommen regelmäßig. Man macht mal ein Späßchen, bekommt mit, wer in Urlaub fährt oder eine OP hatte, gibt Rezepttipps. Außerdem arbeite ich gern eng mit meiner Familie zusammen“, erklärt die 29-Jährige, die den Lkw-Führerschein bis zwölf Tonnen absolvierte, um den Koloss selbst zu fahren.
Kundenbindung durch persönliche Atmosphäre
Die Flotte mit vier Verkaufstrucks schwärmt dienstags bis samstags zu fast 20 Wochenmärkten in Köln sowie Bergheim und Pulheim (s. Info) aus - freitags auch zum Apostelnkloster. Das frisch erlegte Wild liefern Jäger aus der Eifel zu, Reh und Hirsch, Hase, Wildschwein und mehr. „Mehr Bio geht dabei nicht“, so Nathalie Baumann. Das Freilandgeflügel werde von westfälischen Höfen zum Bergheimer Betrieb gebracht, dort teilweise zu Wurst und anderen Produkten selbst verarbeitet. „Das Geflügel stammt aus kontrollierter Freilandhaltung, ist aber nicht biozertifiziert, das würde dann deutlich teurer.“
Veedels-Institutionen wie der Apostelnmarkt werden rege besucht. Insgesamt gibt es laut Stadt rund 60 Wochenmärkte an knapp 40 Standorten; hinzu kommen die Ökomärkte. Vom Markttrubel auf dem Wilhelmplatz in Nippes über den Chlodwigplatz und das Einkaufsidyll im Braunsfelder Stadtwald bis zu Standorten in Klettenberg, Riehl oder Rodenkirchen: Gefragt ist Regionales und Saisonales, Selbstgemachtes von Erzeugern, Frisches unverpackt, Gemüse und Obst, Fleisch und Fisch, Blumen, Käse und mehr. Gratis dazu gibt es Veedelscharme und Verzäll ab 7 Uhr früh; die Schließung des Südstadt-Großmarkts sorgt dabei oft für Diskussionen und stößt auf Kritik.
Die Vielfalt der Wochenmärkte in Köln
„Ich mag die südländische, persönlichere Atmosphäre auf den Märkten, man kann auch mal ein Schwätzchen halten, das ist schöner als im Laden“, sagt Mitarbeiterin Claudia Klein, gelernte Konditorin, und reicht Stammkundin Inge die Hähnchenschenkel. „Ich kaufe hier regelmäßig und gerne ein“, sagt die 59-jährige Kundin. „Viele sind Anwohner wie ich und verabreden sich auch mal hier auf einen Espresso“. Sie schätzt Frische und Qualität der Produkte und Klaaf an der Kaffeebud. „Und es stimmt nicht, dass es auf dem Markt generell teurer ist, wie manche meinen, einiges ist auch preiswerter, die Blumen zum Beispiel.
„Ein wenig mehr als im Supermarkt würden Suppenhuhn & Co. schon kosten“, räumt Nathalie Baumann ein. „Gute Herkunft und Geschmack zählen für ernährungsbewusste Kunden: Lieber weniger Fleisch essen, dafür besseres.“
