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ExpertenanalyseMuseum Ludwig überzeugt mit herausragender Sammlung und starken Akzenten

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Außenansicht des Museum Ludwig

Immer noch ein faszinierendes Stück Architektur: das Museum Ludwig.

Wo steht das Museum Ludwig im Vergleich zu anderen Häusern, in Deutschland oder auch international? Einer Experten-Runde betrachtet den Jubilar von außen.

Den Dreh- und Angelpunkt für die Arbeit des Museum Ludwig stellt seine herausragende Sammlung dar. „Von den Beständen her ist es eines der überragenden europäischen Museen“, sagt Stefan Trinks, Kulturredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung “ (FAZ).

Das Ludwig habe es zudem „auch immer geschafft, seine Sammlung zu aktualisieren, also immer up to date zu bleiben und sich nicht auf dieser tollen Pop Art auszuruhen“, ergänzt Elke Buhr, Chefredakteurin des Kunst- und Kultur-Magazin „Monopol“. „Es wird sehr sorgfältig auf die Leerstellen dieser natürlich in Europa fundierten Sammlung geschaut und zugesehen, dass auch übersehene Positionen, auch von außerhalb des westlichen Kanons hinzukommen.“ Das zeige sich unter anderem am diesjährigen Gewinner des Wolfgang-Hahn-Preises: „Liu Wan ist mittlerweile ein Künstler, den man in der Sammlung haben muss.“

Zentrale Lage

Stefan Trinks sieht aber auch: „Durch andere Häuser - das Guggenheim Bilbao oder Museen in Fernost, China oder auch Hongkong - ist es etwas in den Hintergrund getreten. Aber seine zentrale Lage mit dem Blick auf den Dom ist etwas, was kein anderes Museum der Welt in dieser Weise hat.“

Das Gebäude ist für die Experten etwas in die Jahre gekommen. „Es war konzipiert als Antwort auf das Centre Pompidou mit diesen niedrigschwelligen, fließenden Übergängen der Etagen. Doch es ist kein Geheimnis, dass der Bau Tücken hat, was jetzt nicht einmal den Architekten Busmann und Haberer zuzuschreiben ist“, so Stefan Trinks. „Es hat nicht diesen Schauwert wie zum Beispiel das National Museum in Qatar von Jean Nouvel oder das Guggenheim Bilbao von Frank Gehry.“ Auch im Innern sieht er Probleme: „Die große Geste fehlt – und das bringt für die Hängung großer Ausstellungen wirklich auch seine Probleme mit sich.“

Überraschendes Innenleben

Ann-Katrin Günzel, Chefredakteurin des „Kunstforum International“, findet das leicht Verwinkelte „eigentlich ganz schön: Man betritt immer wieder neue, überraschende Räume. Ich mag auch diese Durchblicke, auf den Dom, auf den Rhein, diese Fensternischen. Das hat eine große Offenheit.“

Ann-Katrin Günzel kam Mitte der 1990er Jahre als Studentin nach Köln, lernte in Übungskursen Peter Ludwig auch noch persönlich kennen. Seine Forderung nach einem eigenen Haus war für sie „eine Machtdemonstration, die ich überraschend fand“.

Flagschiff mit gutem Kapitän

Im Laufe der Zeit erlebte sie auch, wie die Kunstszene sich in Köln verändert hat. Doch durch „die Abwanderung von Galerien, das fehlende Geld“ sei die Rolle des Museum Ludwig größer geworden als eine Art Flaggschiff der modernen und zeitgenössischen Kunst.

Und, da sind sich alle drei einig: Mit Yilmaz Dziewior hat dieses Flaggschiff einen exzellenten Kapitän. „Natürlich, so jemand wie Kasper König wird nur einmal im Jahrhundert geboren“, sagt Stefan Trinks. „Dziewior behauptet sich - im Rahmen eines überschaubaren Budgets - da sehr gut und prägt das Haus mit eigenen Ideen, versieht es mit einem eigenen Stempel.“

Exzellentes Netzwerk

Er sei gut vernetzt und an den entscheidenden Jurys und Kommissionen beteiligt, „und das ist gut für das Museum und für Köln“, findet Stefan Trinks.   So habe Dziewior als Mitglied der Findungskommission mitentschieden, dass Naomi Beckwith, die Chefkuratorin des New Yorker Guggenheim-Museums, die künstlerische Leiterin der nächsten documenta wird - und damit auch einen vielversprechenden Kontakt gelegt: Das Guggenheim ist für Trinks „eine Kaderschmiede der aktuellen Kunstdiskussion.“

Und Ann-Katrin Günzel ergänzt: „Ich mag seine Haltung zu sagen: Ich will etwas Besonderes machen. Das ist auch ein stabiles Dagegenhalten gegen Trends.“

Populär genug?

Für Trinks dürfte es „manchmal gerne etwas populärer sein“ und nennt Düsseldorf und Hamburg als Beispiele, aber auch Dziewiors Warhol-Schau. „Diese Blockbuster sind Positionen, die man sowieso schon kennt. Und reicht es vielleicht nicht auch, Chagall in Düsseldorf zu sehen. Dann muss es nicht auch noch in Köln gezeigt werden“, gibt Ann-Katrin Günzel zu bedenken.

Und: „So jemand wie Francis Alÿs ist nicht Chagall, aber es war eine Ausstellung, die extrem zugänglich war für Kinder, aber auch für Leute, die sich mit zeitgenössischer Kunst gar nicht auskennen“, findet Elke Buhr.

„Aber die Yayoi-Kusama-Ausstellung im Jubiläumsjahr ist“, so Stefan Trinks, „natürlich ein Volltreffer.“