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Kinderoper in Köln„Der Gesang der Zauberinsel“ verzückt auch Erwachsene

4 min
Pferdevogel Hippogryph (Ruth Häde) ist in der Kinderoper "Der Gesang der Zauberinsel" auf dem Mond.

In der Kinderoper "Der Gesang der Zauberinsel" trott der Pferdevogel Hippogryph (Ruth Häde) auf dem Mond auf. 

Die Kinderoper „Der Gesang der Zauberinsel“ von Marius Felix Lange ist eine kurzweilige Märchengeschichte über Verwandlung. Sie gibt auch Einblick in die Werkstatt des Komponisten.

Auf dem Mond findet sich am Ende alles wieder: Die Brille des Komponisten Roland Angeler (Demian Matushevskyi), der Plüschpanda seiner Tochter Angelika (Ye Eun Choi) und sogar der Verstand des Papas. In Marius Felix Langes Kinderoper „Der Gesang der Zauberinsel“. Oder: Wie der Rasende Roland wieder zu Verstand kam“ ist zuerst nichts, wie es sein soll, aber es klärt sich alles auf.

Die Opernmusik wird zunächst nicht fertig, obwohl die Probenarbeit schon in vollem Gange ist. Wie gerufen erweist sich der Paketbote als Gesangstalent, das für die Hauptrolle des Mirza (Insik Choi) nicht besser besetzt werden könnte. Mirza singt so betörend, dass nicht nur Angelika auf ihn aufmerksam wird, sondern auch die Zauberin Alcina (Xueli Zhou).

Alter Sagenstoff von Ritter Roland

 Mit ihrer magischen Musik zieht sie ihn auf die Zauberinsel im Indischen Ozean, doch die Liebe währt nur kurz. Schon ist Mirza in Myrthenmirza verwunschen, einen Baum, der auf der Insel unter vielen Leidensgenossen in Form von Steinen, Bächen, Blumen oder Fabelwesen landet. Hat Alcina jemanden satt, wird er eben verwandelt. Sie ist eine klassische Figur, die schon im 16. Jahrhundert Ludovico Ariosto in seinem „Orlando furioso“ auftreten ließ. Die Geschichte der Zauberin Alcina wurde immer wieder neu erzählt, unter anderen von Georg Friedrich Händel. Hierzulande feierte der Stoff als „Rasender Roland“ Furore und knüpft an die Rolandssage an.

In der „Zauberinsel“ geht der Komponist und Librettist Lange das Wagnis ein, Ritterin Bradamante (Maike Raschke) in der gestelzten Strophenform der Stanzen formulieren zu lassen. Aber das klingt. Die Kinder mögen das, was auf der Bühne geschieht ganz offensichtlich, denn es herrscht höchste Konzentration im Staatenhaus, später gibt es tosenden Applaus. Die Geschichte ist zwar etwas kompliziert, aber hochspannend: Alcina lebt auf einer Insel und verwandelt Reisende in Tiere und Pflanzen. Einzig ihr Liebster Ruggiero (Armando Elizondo) hat bei ihr Bestand, allerdings ist er so ein eitler Pfau, dass er gut in das Panoptikum der Insel passt.

Tatsächlich ist auch er durch einen Zauberbann seines Verstands beraubt, so dass er seine Braut Bradamante nicht wiedererkennt, als sie vor ihm steht. Die Kinderoper ist eine deutsche Erstaufführung im Staatenhaus – die Uraufführung war vor drei Jahren in Salzburg. Originell ist, dass sie auch Einblick in die Stube eines Komponisten gibt, der auf der Zauberinsel den Stoff für ein veritables Stück erhält.

Spannend auch für Erwachsene

Lange, der auch das gelungene Libretto schrieb, zieht mit süffigen, teilweise atonalen Klängen in eine zauberhafte Geschichte hinein, die den Sagenstoff gekonnt in eine farbenreiche und kurzweilige Oper übersetzt. Es gibt keinen rechten Ohrwurm, keine berauschende Melodie, trotzdem ist die Musik frei und berückend. Beim Bühnenbild und den Kostümen leistet Jens Kilians einen ebenbürtigen Part. Brigitta Gillessen hat in ihrer kindgerechten Inszenierung den Bogen raus, große Lustigkeiten, die Kinder begeistern, nicht ausufern zu lassen. Auch Erwachsene, die am Tag bekanntlich viel seltener als Kindern lachen, gehen nach eineinviertel Stunde beschwingt aus dem Stück.

Das Gürzenich-Orchester unter Rainer Mühlbach spielt in schlanker Besetzung mit manchem sphärischen Instrument wie Harfe oder Xylofon. Als sich die erkältete Ritterin Bradamante mehrfach kräftig schnäuzt, übernimmt ein brillantes Horn die Töne.

Marius Felix Lange ist an der Kölner Kinderoper bekannt. 2011 hat das Haus „Schneewittchen“ auf die Bühne gebracht, 2005 „Das Opernschiff oder am Südpol denkt man, ist es heiß“. Der Schöpfer von Stücken wie „Der Zauberlehrling“ oder der Gruseloper „Das Gespenst von Canterville“ versteht es, feine Literatur allgemeinverständlich für ein junges Publikum herüber zu bringen, ohne anbiedernd zu sein.

Eine Figur zum Dahinschmelzen ist der Pferdevogel, der Hippogryph (Ruth Häde), der die Komponistentochter Angelika zusammen mit der tapferen Bradamante auf die Insel fliegt. Am Ende wird auch er in seine ursprüngliche Bestimmung als Prinz Astolfo zurückverwandelt.

Alcina wird indes nicht als Hexe zu ewiger Schmach verdonnert, sondern verwandelt sich ebenfalls. Sie ist die Ehefrau Annabelle des Komponisten Angeler und kehrt in das Haus gut gelaunt zurück. Der Paketbote Mirza, der Angelika so schön in den Schlaf sang, darf die Oper aus der Feder des Roland Angeler mitsingen und das Happy End wird auch damit nicht beeinträchtigt, dass der in einen Prinzen zurückverwandelte Pferdevogel immer noch an einer Blasenschwäche leidet.

Wieder am 2., 5., 7. 11. und 14. Dezember in Saal 3 des Staatenhauses.