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Kölner Museum Neue Ausstellung im RJM stellt die Frage „Was ist die Liebe?“ 

Die Ausstellung „LOVE" mit einer Bilderwand im Rautenstrauch-Joest-Museum.

Die Ausstellung  "LOVE" im Rautenstrauch-Joest-Museum beleuchtet und hinterfragt  Beziehungen. 

Das Rautenstrauch-Joest-Museum hinterfragt in seiner neuen Ausstellung „Love“ tradierte Beziehungsmuster und ruft zum Diskurs in der Kissenlandschaft auf.

Man wagte sich im Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) schon seit langem an ein äußerst diffiziles Thema: Was ist Liebe? Und wenn ein ethnologisches Museum solche Fragen stellt, wird’s noch einmal schwieriger. Wie schon unlängst bei der Documenta schien es auch hier am besten, auf die Gesellschaft selbst zu setzen.

„Liebe, ein vielschichtiges, wandelbares und beeinflussbares Konzept“, ließ das Kuratorenteam um Direktorin Nanette Snoep in seiner Begründung vernehmen und versuchte eine Werkstatt einzurichten „die so fluide ist wie die Liebe selbst. Nicht wir – das Werkstatt-Kollektiv – entscheiden, was die Liebe ist, sondern die Besucherinnen und Besucher selbst – DU entscheidest, was Liebe ist.“

Interaktiver Neuansatz

Und damit ist der Ball im aktuell soziologischen Feld angekommen. „Die unterschiedlichsten Menschen der Kölner Stadtgesellschaft, Kunstschaffende und Aktivistinnen sind gefragt“, so die Kuratoren. Selbstbewusst weisen sie auf den interaktiven Neuansatz musealer Vermittlung hin: „Es ist alles sehr prozesshaft. Das ist aber heute so üblich, eben mit den Menschen zu arbeiten und nicht mehr über sie zu sprechen, sondern gemeinsam Interpretationen zu verhandeln.“

Mit von der Partie ist Timm Therre vom Amt für Integration und Vielfalt, dem es um den Kernbegriff der „Menschlichkeit“ geht. Angeschlossen haben sich der Museumsdienst, die „iJuLa“, das intersektionale Jugendlabor im Veedel, das Integrationshaus Kalk und das Jugendfreizeitwerk Köln. Doch wie sieht es zurzeit aus: Noch sieht man wenig – weder im vorgesehenen Präsentationsraum „House of“, einer Art „Wohnzimmer“ im zweiten Stock, oder in der darunter liegenden „Küche“, einem eher persönlich intimen Raum.

Und weil alles erst anfängt, kostet es auch im Dezember noch keinen Eintritt. „Aber danach kommt es dann“, sagt Nanette Snoep. Sie verweist auf ein Drei-Mal-Ticket, denn bei einem oder zweien dieser Zeitschnitte kann es doch nicht bleiben. Den letzten Schliff bekommt aber schon jetzt eine phänomenale Kissenlandschaft, in der man es sich wie im „Wohnzimmer“ gemütlich machen kann, um ein Video der Haitianerin Barbara Prezeau- Stephenson zu sehen.

Der Fokus wird auf tradierte Rollen von Frauen mit dem „Cinderella-Syndrom“ fokussiert, in das Frauen flüchten, um dem Druck der patriarchalen Welt auszuweichen. In variabler Modularchitektur haben die Designer Mirko Podkowik, Kai Hausmann und Milan Knell von der Werkstatt Global Running Water in zweieinhalb Wochen diese Wohlfühlarchitektur erstellt.

Gesellschaft wird hinterfragt

Für Kleingruppen bis hin zu größeren Teilnehmerkreisen ist sie geeignet und Nannette Snoep freut sich schon auf Themenabende zu „queeren Perspektiven“ oder zur „Dekolonisation“ und zu weiteren „Gegenentwürfen“ zur „Normalität unserer Gesellschaft“.

Wer sich jetzt schon über die Liebe, Kolonialismus und & Co schlaumachen will, wird an einem Büchertisch fündig und natürlich beziehen sich die Kunstschaffenden auch auf altehrwürdige Stücke wie die Keramiken der südamerikanischen Moche-Kultur. Auf das weitere „Riesenprogramm“ darf man gespannt sein.

Es beginnt schon am morgigen Samstag, 14 Uhr, mit einer Amulett-Kreation zum Thema Liebe von Lucia Egena. Am Donnerstag, 19. Januar, 19 Uhr, liest Mohamed Amjahid, der einen „ungetrübten Blick in die Schlafzimmer Nordafrikas werfen“ will. Die Finissage soll am 10. April mit einem großen Fest und der Präsentation der Ergebnisse stattfinden. Ob wir dann wissen werden, was Liebe ist?

Bis 10. April, Di bis So, 10 – 18 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr, Cäcilienstr. 29-33.