Nach 14 Jahren Bauzeit soll die Kölner Oper nun bald wiedereröffnen - Grund genug, einen Sonntagskrimi dort spielen zu lassen. Der Fall bietet Ermittlungen in beeindruckender Kulisse.
Krimi am Sonntag„Tatort“-Kommissare ermitteln in der Kölner Oper

Köln: Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) in einer Szene der Folge „Die Schöpfung“ der Krimireihe „Tatort“ (undatierte Filmszene).
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Mord in der Oper: Während der Proben für die Premiere von Joseph Haydns „Die Schöpfung“ wird die Leiche einer Frau gefunden. Die Mitarbeiterin der Requisite trägt ein Kleid aus dem Kostümfundus und ihr Körper wurde wie für eine öffentliche Aufbahrung drapiert. Die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) vermuten, dass der Täter zum Ensemble gehört. Das Erste zeigt die „Tatort“-Folge „Die Schöpfung“ am Sonntag (11. Januar) um 20.15 Uhr.
Das Thema Oper besitzt in Köln eine besondere Brisanz und hat der Stadt bundesweit immer wieder negative Schlagzeilen eingebracht. Denn die aus den 1950er Jahren stammende Oper und das Schauspielhaus werden seit 2012 saniert - und sollten ursprünglich bereits im Jahr 2015 wieder eröffnen. Doch stattdessen explodierten die Kosten und die Bauzeit verlängerte sich immer weiter - ein Debakel. Im September soll es nun endlich so weit sein: Nach 14 Jahren soll die Oper ihren Spielbetrieb im sanierten Haus wieder aufnehmen.
Opern-Baustelle als Drehort
Auf diesen realen Hintergrund wird im „Tatort“ immer wieder genüsslich Bezug genommen, zumal die Folge in der Kölner Opern-Baustelle und in der Interimsspielstätte in Köln-Deutz gedreht wurde. So gerät Opern-Intendant Darius Henning - wunderbar dargestellt von Stephan Grossmann - fast in Panik bei dem Gedanken, dass die polizeilichen Ermittlungen den Umzug ins sanierte Haus erneut verzögern könnten. „Auf ein paar Monate mehr kommt es jetzt auch nicht an“, tröstet ihn Schenk, der sich zum Erstaunen von Ballauf als Opern-Fan entpuppt.

Köln: Während der Proben für die Premiere von Joseph Haydns „Die Schöpfung“ wird die Leiche einer Frau gefunden.
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Bald geschieht ein weiterer Mord. Das Opfer Willi Köpcke - gespielt von Aljoscha Stadelmann („Harter Brocken“) - war nicht nur Opern-Schuhmacher, sondern hatte auch eine Metal-Oper geschrieben, die mit seinem Tod im Zusammenhang zu stehen scheint. Der erste Verdacht fällt auf Countertenor David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol), der allerdings spurlos verschwunden ist.
Inszenierung ist spannender als der Fall
Eine wertvolle Ansprechpartnerin für Ballauf und Schenk ist Eva Krüger (Katja Bürkle), die als stellvertretende Projektleiterin gewissermaßen das Herzstück der Kölner Oper ist und jeden dort kennt. Sie weiß auch von dem großen Druck, der auf den Ensemblemitgliedern lastet und dem so mancher nur mit Alkohol oder Drogen standhalten kann. Auch die junge Sängerin Valerie Schmitt (Hannah Schiller), die langsam in den Fokus der Ermittlungen rückt, greift häufig zur Flasche.
Regisseur Torsten C. Fischer (Drehbuch: Wolfgang Stauch) hat einen bildgewaltigen Film inszeniert, dem die kraftvolle Musik eine zusätzliche Dramatik verleiht. Dass der eigentliche Kriminalfall nicht unbedingt spannend ist, wird durch das beeindruckende „Drumherum“ gut aufgefangen.
Erinnerungen an jüngsten München-„Tatort“
TV-Zuschauer, die an Weihnachten die Münchner „Tatort“-Folge „Das Verlangen“ gesehen haben, dürften bei der Kölner Folge allerdings so manches Déjà-vu-Erlebnis haben: Denn auch Leitmayr und Batic ermittelten nach einem Mord in einem Theater. Wie ihre Kölner Kollegen liefen sie durch bunte Kostümreihen hindurch, in beiden Fällen belegen Wodkafläschchen den Alkoholkonsum von Ensemblemitgliedern - viele Bilder gleichen sich. Schade, dass thematisch so ähnliche Folgen im Abstand von nur zwei Wochen laufen.
