Abo

„Hysterie ist wie ein Gift“Wie geht es nach der Absage mit der Lit.Cologne weiter?

3 min
Neuer Inhalt

Die überwiegende Zahl unserer Künstlerinnen und Künstler können sich Honorarverzicht oder Benefizveranstaltungen vorstellen.

Köln – Am Montagnachmittag war das Team von lit.Cologne-Geschäftsführer Rainer Osnowski noch optimistisch, „doch dann fing unserer Zuversicht an zu bröckeln“. Die Absage der Hörbuchpreis-Gala des Westdeutschen Rundfunks sickerte durch, „und dann ist unser zuvor ganz ruhiges Email-Postfach geradezu explodiert. Es gab immer mehr besorgte Stimmen“.

Schon nachts sei ihm klar geworden, „dass diese Hysterie um das Virus wie ein Gift in uns alle hineintropft“. Dann habe es am frühen Morgen weitere Absagen gegeben, entweder aus Altersgründen oder aufgrund der Reisewarnung für NRW.

Verunsicherung in der Gesellschaft war ausschlaggebend für die Entscheidung

Außerdem habe die Empfehlung des Schulministeriums, Klassenausflüge auszusetzen „zum Ausfall von 20 000 jugendlichen Besuchern der lit.Cologne geführt – und das alles zusammen mit dem Rat, die 1000-Besucher-Grenze nicht allzu wörtlich zu nehmen, sondern alle nicht unbedingt lebensnotwendigen Veranstaltungen abzusagen, hat zu unserer Entscheidung geführt“. „Aufgrund der Verunsicherung in der Gesellschaft wollten wir jetzt auch kein zerfleddertes Festival mit wenn überhaupt bestenfalls 50, 60 Veranstaltungen zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Allerdings gibt es auch Hoffnungszeichen: „Die überwiegende Zahl unserer Künstlerinnen und Künstler ist derart auf unserer Seite, dass sie sich Honorarverzicht oder Benefizveranstaltungen vorstellen können, vor allem aber als erstes sagen, dass sie alles versuchen, um Verschiebungen ihrer jetzt abgesagten Veranstaltungen zu ermöglichen.

Karten sollen aus Solidarität behalten werden

Man hoffe, möglichst viele Lesungen in die Zeit von Juni bis Herbst zu verlegen, „und wir bitten unsere Kunden um Geduld, was die Informationen um die Tickets, und alles, was damit zusammenhängt, betrifft, bis wir dazu weitere Informationen geben können“. Momentan sei die Frage der Rückerstattung von Tickets „völlig ungeklärt“. Das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern gelte als höhere Gewalt, und wenn die Stadt dies auf kleinere Termine ausdehne gelte das gleiche. In diesen Fällen besteht ohnehin kein Erstattungsanspruch.

„Darüber hinaus gibt Anzeichen für die Idee einer Initiative von lit.Cologne-Freunden und -Weggefährten, die Besucher zu bitten, aus Solidarität mit dem Corona-geschädigten Festival ihre Karten zu behalten.“ Unabhängig davon sei man nun nach 20 Jahren ohne öffentliche Förderung mit Stadt und Land im Gespräch über mögliche Hilfsfonds.

Wie steht es um die Zukunft des Festivals?

Wie sieht er die Zukunft des Festivals? „Das hängt von den nächsten Tagen und Wochen ab. Wenn es bei einem Schulterklopfen und der Aussage ,das ist aber traurig‘ bleibt, dann wird es aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich sein, das Festival auch 2021 durchzuführen. Wenn unsere Gespräche aber erfolgreich verlaufen, wird es mit Sicherheit im nächsten Jahr stattfinden.“

Osnowski bekräftigt, dass in dieses Jubiläumsfestival noch mehr Arbeit geflossen sei als in die 19. Ausgabe. Hat er nun auch noch die Aufgabe, sein Team wieder aufzurichten? „Das ist wie bei erfolgreichen Fußballvereinen. Da haut man sich bei Siegen natürlich auf die Schulter, aber das wahre Gesicht zeigt sich – wie ja auch bei Beziehungen -  erst in der Krise. Und in unserem jetzigen Team ziehen wirklich alle an einem Strang, alle sind positiv gestimmt, dass wir es hinkriegen. Ich habe das Gefühl, dass wir aus dieser Krise gestärkt hervorgehen, und wenn wir die jetzt überstehen, kann uns auch nichts mehr passieren.“