Abo

Dreifache CherDas bietet die „Cher-Show“ in der Kölner Motorworld

4 min
The Cher Show: Gleich drei Sängerinnen verkörpern die Ikone auf der Bühne: (v.l.) Hannah Leser, Sophie Berner und Pamina Lenn.

The Cher Show: Gleich drei Sängerinnen verkörpern die Ikone auf der Bühne: (v.l.) Hannah Leser, Sophie Berner und Pamina Lenn.

„Die Cher-Show“ gastiert ab 20. Januar in der Kölner Motorworld – das Musical spiegelt Höhen und Tiefen im Leben der Sängerin wider.

Mag der große Musical-Boom hierzulande auch Vergangenheit sein und das vermeintliche Musiktheater für alle längst nicht mehr alle Generationen in die Shows locken: „Jukebox-Musicals“, die eine Biografie entlang der großen Hits eines Stars nacherzählen, haben immer noch gute Chancen, die Häuser zumindest soweit zu füllen, dass sich eine Produktion rechnet. Und nicht am Ende eine Bilanz zu hinterlassen, die zwar gute Kritiken, aber unterm Strich dann doch rote Zahlen aufweist…

Ticketpreise bis zu 135 Euro

Nur konsequent also, wenn ein Veranstalter wie Show-Slot (showslot.com), der im Jahr sieben bis neun Eigenproduktionen auf Tour durch den deutschsprachigen Raum schickt, in seiner neuen Produktion auf einen Popkultur-Superstar wie Cher setzt. Schließlich müssen die Kosten am Ende wieder eingespielt werden, die Hallen und Theater auf der nun anstehenden, mehrmonatigen Tour von Wien bis Köln gefüllt werden: Kein ganz einfaches Unterfangen bei Ticketpreisen bis zu 135 Euro – da kann es schon hilfreich sein, wenn das Publikum Songs wie „I got you babe“ oder „If I could turn back time“ mitsummen und -singen kann. Und braucht dann auch nicht unbedingt die große, imposant ausgestattete Bühne, was naturgemäß bei einem Dutzend verschiedener Spielorte ohnehin kaum zu realisieren ist.

Europa-Premiere in der Wiener Stadthalle

So setzt „Die Cher Show“, die jüngst in der Wiener Stadthalle ihre Europa-Premiere feierte und ab dem 20. Januar dann für eine Woche in der Kölner Motorworld gastiert, denn auch vor allem auf die Hits und Musik der Pop-Ikone und hat die Protagonistin gleich dreifach besetzt: zum einen als „Babe Cher“ (Pamina Lenn) jene Teenagerin, die einst ihrem ersten Mann Sonny Bono verfiel; dann als „Lady“ (Hannah Leser), die in den 70er-Jahren Hollywood aufwirbelte, und schließlich als der heutige Star (Sophie Berner) mit schwarzer Lederjacke, Netzstrumpfhose und wallenden Locken, der scheinbar niemals altert. Was zum einen drei wirklich gute Sängerinnen – Berner ist den Kölner als Satine im Musical „Moulin Rouge!“ noch in bester Erinnerung – auf die Bühne bringt, zum anderen aber auch diese Hommage an die 60-jährige Karriere der Titelfigur nicht gänzlich des Lebensalltags enthebt. Denn das Trio diskutiert durchaus pointiert Lebens-, Karriere- und Liebhaberfragen: „Männer sind keine Notwendigkeit, sie sind ein Luxus wie ein leckeres Dessert.“ Kann frau so sehen – immerhin hat die Sängerin, Schauspielerin und Unternehmerin diesen Streifzug durch die Hochs und Tiefs ihres eigenen Lebens seinerzeit für den Broadway abgesegnet.

Im ersten Drittel schleppt sich die Geschichte dahin

Allein: Im ersten Drittel des Abends schleppt sich die Geschichte ziemlich dahin, nicht zuletzt, da in der deutschen Übersetzung der Dialoge Witz und Humor reichlich platt ausgefallen sind. Und spätestens in den Momenten macht sich dann auch die karge Bühne mit ihrer halbrunden, allein von zahllosen Cher-Schriftzügen bestückte LED-Wand bemerkbar, wenn eben selbst das Auge keine attraktive Ablenkung mehr bekommt… bleibt allein die ebenso schmissig arrangierte wie herrlich tanzbare Musik der Künstlerin, die von der Live-Band tatsächlich packend intoniert und von dem Cher-Trio gekonnt aufgenommen wird. Zur Pause hin finden die deutschen Texte ein anderes Niveau, und im zweiten Teil des Abends wird auch der Blick auf die Protagonistin samt den Spotlights auf einzelne Lebensabschnitte vom Haarspray-Werbesport im Teleshopping bis zur Beziehung zu ihrer Mutter differenzierter und bewegender.

Frauenpower-Message immer wieder spürbar

Und die Inszenierung kommt tatsächlich jener Idee näher, die die Protagonistin einst vor der Broadway-Premiere formulierte, als Cher sich wünschte, das Musical soll „mein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen widerspiegeln“. Samt der Frauenpower-Message, die hier natürlich immer wieder spürbar ist. Und die es zweifellos auch braucht in einem hart umkämpften Genre, das kommerziell längst nicht immer mehr funktioniert… Und so ist es denn auch zweifellos ein kluger Schachzug, für die Kostüme auf den Cher-Vertrauten Bob Mackie zurückzugreifen, den „Kaiser der Kristalle“, der hier einmal mehr beeindruckende Bühnenoutfits mit Pailletten und Federn geschaffen hat. Ob dies am Ende reicht, um das Publikum von gestern für das Leben der bald 80-jährigen Cherilyn Sarkisian zu begeistern, werden die Verkaufszahlen der kommenden Wochen zeigen.

Vom 20. bis 25. Januar, Motorworld, Butzweilerstr. 35−39, Köln. Infos zu Zeiten und Eintrittskarten im Internet unter showslot.com