Kardinal Degenhardt leitete das Erzbistum Paderborn von 1974 bis zu seinem Tod 2002. Bereits zuvor hatte es Vorwürfe gegeben.
Bericht vor neuer StudieFrüherer Paderborner Erzbischof soll selbst Jungen missbraucht haben

Der Paderborner Dom im gotischen Baustil. (Symbolbild)
Copyright: Bernd Thissen/dpa
Der Missbrauchsskandal im Erzbistum Paderborn weitet sich offenbar aus. Der frühere Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt soll in seiner Amtszeit (1974–2002) minderjährige Jungen selbst sexuell missbraucht haben, das meldet der WDR am Donnerstag (12. März) noch vor der Veröffentlichung einer Studie der Universität Paderborn.
Mitglieder eines kirchlichen Pädophilen-Netzwerks sollen sich demnach gegenseitig Minderjährige zugeführt haben, berichtet der WDR mit Bezug auf Informationen der Paderborner Betroffenenvertretung. Mit einem Fahrdienst seien die Kinder zu den Geistlichen nach Hause gebracht worden, hieß es weiter.
Erzbistum Paderborn: Kirchenhistoriker stellen Studie vor
Degenhardt leitete das Erzbistum Paderborn von 1974 bis zu seinem Tod 2002. Ein Jahr zuvor wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben. Bereits im vergangenen Herbst hatte es Vorwürfe gegen Degenhardt gegeben. Laut Erzdiözese Paderborn fanden sich damals jedoch keine konkreten Hinweise.

Der frühere Kardinal und Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt im Jahr 2001. (Archivbild)
Copyright: picture-alliance / dpa/dpaweb
Zwei Kirchenhistorikerinnen der Universität Paderborn stellen am Donnerstag ihre Studie zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn vor. Sechs Jahre lang haben sie das Phänomen untersucht. Die vom Erzbistum geförderte Aufarbeitungsstudie beleuchtet den Zeitraum von 1941 bis 2002, also die Amtszeiten der früheren Erzbischöfe und Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt.
Erzbistum Paderborn kennt Inhalt von Studie noch nicht
Die Wissenschaftlerinnen Nicole Priesching und Christine Hartig zählten in einer bereits 2021 veröffentlichten Zwischenbilanz 160 Beschuldigte; sie gingen von sehr viel mehr Betroffenen aus. Jaeger und Degenhardt hätten beschuldigte Geistliche geschützt und kaum Fürsorge für Betroffene erkennen lassen.
Ob die aktuelle Studie neue Erkenntnisse zu den Vorwürfen gegen die früheren Erzbischöfe enthält, ist bislang offen. Wegen der Sensibilität des Themas würden sämtliche Ergebnisse erst am Donnerstagnachmittag präsentiert, teilte ein Uni-Sprecher mit. Das Erzbistum erklärte auf Anfrage, die Studienergebnisse erst zusammen mit der öffentlichen Präsentation zu erhalten. (das/kna)
