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Corona in NRW„Quarantäne-Chaos“ nervt Schüler, Eltern und Lehrer

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Schüler macht einen Test

Köln: Eine Schülerin macht vor Unterrichtsbeginn in der Katharina Henoth-Gesamtschule einen Corona-Antigen-Schnelltest. 

Düsseldorf – Der Streit um die Quarantäne in Schulen spitzt sich in NRW zu. Jochen Ott, Schulexperte der SPD-Landtagsfraktion, sprach am Dienstag von einem „Quarantäne-Chaos“, weil entgegen den Landes-Vorgaben oft ganze Klassen und nicht nur Sitznachbarn eines Infizierten lange Zeit isoliert werden müssten. Die SPD fordert eine Vereinfachung der Regeln: Im Fall einer Corona-Infektion sollte die ganze Klasse in Quarantäne, aber nur für fünf und nicht für 14 Tage. Nach fünf Tagen könnten sich Betroffene per PCR-Test „freitesten“, so Ott. Laut NRW-Schulministerium waren zum Stichtag 26. August mindestens 30000 Schüler in Quarantäne (1,6 Prozent). Die Landesregierung wartet auf bundeseinheitliche Quarantäne-Regeln.

Unzumutbare Situation

„Diese Situation ist für Kinder und Eltern unzumutbar. Es kann nicht sein, dass sich Reiserückkehrer nach fünf Tagen freitesten lassen können und Kinder zwei Wochen in Isolation ausharren müssen“, sagte die NRW-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Anja Weber, dieser Redaktion. Das Gesundheitsamt Dortmund greift zu drastischen Mitteln: Es sei „nicht mehr leistbar“, Sitzpläne zu kontrollieren, um Kontaktpersonen eines positiv getesteten Schülers zu identifizieren, heißt es einer Mail an eine Gesamtschule, die unserer Zeitung vorliegt. Schülerinnen und Schüler, die in der Nähe eines Infizierten gesessen hätten, würden „momentan nicht mehr durch das Gesundheitsamt benachrichtigt bzw. unter Quarantäne gestellt. Diese Aufgabe müssen nun die Schulen selbst übernehmen.“

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Die Chefin des Philologenverbands NRW, Sabine Mistler, zeigte sich darüber „schockiert“; sie sieht in Fragen der Quarantäne die Ämter „in der Pflicht“. „Wir Lehrer können das gar nicht leisten.“

Andreas Bartsch vom Lehrerverband NRW beklagte gegenüber der „Rheinischen Post“, dass faktisch ab einem Inzidenzwert von 50 nur noch ganze Klassen in Quarantäne geschickt würden. Die Landeselternschaft der Gymnasien fürchtet „Distanzunterricht durch die Hintertür“, beide plädieren für „Quarantäne mit Augenmaß“, vor allem für Möglichkeit, sich aus der Quarantäne frei testen zu lassen. Auch Eltern von Kita-Kindern halten die Regeln für „nicht verhältnismäßig“.