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Festnahme in EssenHinweise auf weitere Anschläge auf Synagogen im Ruhrgebiet

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18.11.2022, Nordrhein-Westfalen, Essen: Einschusslöcher sind auf einer verglasten Tür zu sehen. Sie wurden am Rabbinerhaus bei der Alten Synagoge in Essen entdeckt.

 Essen: Einschusslöcher sind auf einer verglasten Tür zu sehen. Sie wurden am Rabbinerhaus bei der Alten Synagoge in Essen entdeckt.

Nach den Schüssen auf eine Synagoge in Essen ist nun ein mutmaßlicher Täter festgenommen worden. Neben Essen gibt es zwei weitere Tatorte im Ruhrgebiet. Dabei stellt sich auch eine heikle Frage: Ist der Iran involviert?

Die Schüsse auf die Alte Synagoge in Essen am Abend des 17. November 2022 waren möglicherweise Teil einer Reihe von ausgeführten oder geplanten Anschlägen auf jüdische Einrichtungen im Ruhrgebiet. Neben Essen gibt es zwei weitere Tatorte: Bochum und Dortmund.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Freitag im Innenausschuss, dass an drei Orten ermittelt werde und dass in Dortmund in der Nacht zum 18. November ein Mann festgenommen wurde, der im Verdacht stehe, zu Straftaten gegen Synagogen angestiftet zu haben.

„Insgesamt bearbeiten wir Sachverhalte mit Bezug zu jüdischen Objekten an drei unterschiedlichen Örtlichkeiten im Ruhrgebiet. Eine Festnahme gab es bereits“, erklärte der Minister.

Bei Festgenommenem handelt es sich um einen Deutsch-Iraner

Der Festgenommene ist nach Auskunft des Generalstaatsanwaltes in Düsseldorf ein 35-jähriger Deutsch-Iraner. Ob er etwas mit den Schüssen auf die Alte Synagoge in Essen zu tun hat, ist unklar, so der Generalstaatsanwalt. Der Mann sei aber „dringend verdächtig“, Mitte November versucht zu haben, einen anderen Zeugen, der ebenfalls einen iranischen und einen deutschen Pass hat, als Mittäter für einen Brandanschlag auf die Synagoge in Dortmund zu gewinnen. Der Zeuge lehnte dies ab und ging zur Polizei. Der Anschlag wurde nicht ausgeführt.

Der 35-Jährige, der in U-Haft sitzt, wird darüber hinaus verdächtigt, am Abend des 17. November einen Molotowcocktail auf die Hildegardis-Schule in Bochum geschleudert zu haben, die an die Bochumer Synagoge grenzt.

Inzwischen kursiert in Ermittlerkreisen ein Verdacht, der die Straftaten gegen Synagogen im Ruhrgebiet auf eine andere, politisch heikle Ebene heben könnte: Nach Informationen dieser Zeitung schließen die Sicherheitsbehörden derzeit eine staatliche Einflussnahme durch den Iran auf die antisemitisch motivierten Straftaten im Ruhrgebiet nicht aus.

Gibt es eine Verbindung in den Iran

Der Zeuge, der sich nicht für einen Anschlag auf die Dortmunder Synagoge verleiten ließ, soll den Ermittlern gesagt haben, dass sich der 35-jährige Anstifter mit guten Kontakten in den Iran gebrüstet und ihm eine sichere Flucht in dieses Land in Aussicht gestellt haben soll. Ob es sich um Prahlerei des Anstifters handelt, oder ob es diesen staatlichen Hintergrund gibt, ist im Moment Spekulation. Im nichtöffentlichen Teil des Innenausschusses soll aber nach Informationen dieser Redaktion auch über eine mögliche Beteiligung des iranischen Geheimdienstes geredet worden sein.

Tatsache ist, dass zur Aufklärung dieser antisemitisch motivierten Taten das „ganz große Besteck“ genutzt wird, wie Minister Reul sagte. Der Generalbundesanwalt lässt sich laufend über den Stand informieren. Die Zentralstelle Terrorismusverfolgung NRW bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ist in die Ermittlungen involviert, ebenso das Landeskriminalamt und mehr als 100 Polizeibeamte in Essen und Dortmund.