Neue Raketen- und Drohnenangriffe treffen mehrere Städte. Selenskyj fordert mehr Flugabwehr – und setzt auf Gegenangriffe.
„Ballistischer Terror“Neue Luftangriffe treffen Ukraine – Tote und Verletzte in mehreren Städten

Rettungskräfte versuchen, einen Brand in einem Postsortierzentrum in Saporischja zu löschen, nachdem dort eine russische Gleitbombe eingeschlagen ist.
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Russland hat die Ukraine in der Nacht erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen. Mehrere Städte wurden getroffen, es gab Tote, Verletzte und Brände. Während Moskau seine Luftangriffe fortsetzt, setzt Kiew verstärkt auf weitreichende Drohnenattacken gegen Ziele tief im russischen Hinterland.
In der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw wurde nach Angaben der Behörden eine 40 Jahre alte Frau getötet. Neun weitere Menschen wurden verletzt, darunter ein zehnjähriger Junge. Auch in der Hauptstadt Kiew schlugen russische Geschosse ein. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens drei Verletzten. Der Zivilschutz meldete Brände in mehreren Stadtteilen, unter anderem in einem Lagerhaus, einem vierstöckigen Gebäude und an elf Fahrzeugen.
Raketen und Drohnen treffen mehrere Regionen
Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj setzte Russland in der Nacht acht Raketen und Marschflugkörper sowie 136 Drohnen ein. Die ukrainische Luftwaffe sprach von sieben ballistischen Raketen, einem Marschflugkörper und 136 Drohnen. Nach ihren Angaben wurden fünf ballistische Raketen, der Marschflugkörper und 104 Drohnen abgefangen.

Ein Auto fährt in der ostukrainischen Region Charkiw auf einer Straße, die mit Schutznetzen gegen Drohnen überspannt ist. Die Aufnahme entstand während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
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Selenskyj warf Russland „ballistischen Terror“ vor. Allein in der vergangenen Woche habe Moskau fast 1700 Drohnen, mehr als 1630 Gleitbomben sowie 95 Raketen und Marschflugkörper eingesetzt, von denen mehr als die Hälfte ballistische Raketen gewesen seien. Er forderte die westlichen Partner erneut auf, zugesagte Flugabwehrsysteme und Abfangraketen schneller bereitzustellen. Jede Abfangrakete könne Menschenleben retten, wenn sie in der Ukraine sei und nicht in Lagern der Partnerstaaten.
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf Kiew und erklärte, Ziel seien Rüstungsbetriebe gewesen. Diese Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen.
Supermarkt getroffen – weitere zivile Opfer
Auch abseits der Hauptstadt wurden zivile Ziele getroffen. In Tschernihiw nördlich von Kiew schlug nach ukrainischen Angaben eine russische Drohne in einen Supermarkt ein. Mindestens zwei Menschen starben, darunter ein zehnjähriger Junge. Weitere 13 Menschen wurden verletzt.

Rettungskräfte tragen eine Leiche, die sie nach einem Drohnenangriff aus Russland unter den Trümmern eines Privathauses geborgen haben.
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Bereits zuvor hatten die Behörden aus Saporischschja mindestens drei Tote und fast 20 Verletzte nach russischen Angriffen gemeldet. Auch diese Angriffe trafen zivile Gebiete.
Kiew baut Drohnenkrieg aus, um Putin unter Druck zu setzen
Während Russland seine Luftangriffe intensiviert, baut die Ukraine ihre Gegenangriffe aus. Selenskyj erklärte nach einer Sitzung mit der Militärführung auf X, Ziel sei es, Russland mit Langstreckendrohnen unter Druck zu setzen und zu einer diplomatischen Lösung des Krieges zu bewegen.
Nach seinen Angaben erreichen ukrainische Drohnen inzwischen Ziele in einer Entfernung von mehr als 3000 Kilometern. In diesem Jahr seien bei mehr als 1000 Einsätzen Raffinerien, Rüstungsbetriebe und wichtige Bestandteile des russischen Logistiknetzes getroffen worden. Kiew will damit unter anderem die Treibstoffversorgung der russischen Streitkräfte erschweren.
Zuletzt griff die Ukraine unter anderem ein Logistikzentrum des Onlinehändlers Wildberries in Jekaterinburg sowie eine Erdölraffinerie in Tjumen an. Verletzte wurden dort nach russischen Angaben nicht gemeldet. Auch aus den Regionen Rostow und Belgorod wurden ukrainische Drohnenangriffe gemeldet.
Rumänien schießt Drohnen im eigenen Luftraum ab
Der Krieg wirkt sich auch auf Nachbarstaaten aus. Die rumänische Luftwaffe schoss am Wochenende erneut mehrere Drohnen ab, die in den rumänischen Luftraum eingedrungen waren. Bereits am Freitag hatte ein F-16-Kampfjet erstmals eine Drohne über rumänischem Staatsgebiet abgeschossen.
Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um Drohnen russischer Herkunft. Ministerpräsident Ilie Bolojan machte Moskau für die Verletzung des rumänischen Luftraums verantwortlich. Außenministerin Oana Toiu kündigte an, den russischen Botschafter einzubestellen.
Frieden zwischen Russland und Ukraine weiter außer Reichweite
An der Front gibt es weiterhin kaum größere Geländegewinne. Direkte Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew liegen derzeit auf Eis. Selenskyj geht davon aus, dass Nordkorea Russland mit weiteren Soldaten und schweren Waffen unterstützen wird.
Auch auf diplomatischer Ebene zeichnet sich keine schnelle Lösung ab. Vor einem geplanten Treffen zwischen Selenskyj und US-Präsident Donald Trump zeigte sich der Kreml zurückhaltend. Man werde mögliche neue Friedensvorschläge prüfen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Ob sie akzeptabel seien, hänge davon ab, „ob diese unseren Interessen entsprechen“. (dpa/red)
