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Drohnenvorfall in LeipzigBundesanwaltschaft ermittelt – Kritik an Kanzler Merz aus Köln

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Neben dieser ukrainischen Frachtmaschine vom Typ Antonow AN-124 wurde in Leipzig eine Drohne mit Sprengsatz gefunden. (Archivbild)

Neben dieser ukrainischen Frachtmaschine vom Typ Antonow AN-124 wurde in Leipzig eine Drohne mit Sprengsatz gefunden. (Archivbild)

Der Drohnenvorfall in Leipzig sorgt weiter für Aufsehen – FDP und Grüne haben Russland im Verdacht. Auch Kritik am Kanzler wird laut.

Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, teilte die Karlsruher Behörde mit.

Es lägen zudem zureichende Anhaltspunkte vor, dass am Abend des 4. August auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle mittels einer Drohne eine Explosion verursacht werden sollte, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Flughafengesellschaft dementiert Bericht über Munition

An der Drohne waren demnach professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht worden. Eine Frachtmaschine, die wegen des Vorfalls durchstarten musste, kollidierte zudem in der Luft mit einem Gegenstand, mutmaßlich einer weiteren Drohne. „Damit ist die Tat geeignet, die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen“, teilte die Behörde zudem mit. 

Die Leipziger Flughafengesellschaft dementierte am Donnerstag derweil Berichte, wonach eines der ukrainischen Antonow-Flugzeuge in der Nähe der gefundenen Drohne mit Munition beladen gewesen sei.

Mitarbeiter bemerkte Drohne in Leipzig

„Die betreffenden Antonow-Flugzeuge waren zum Zeitpunkt des Vorfalls leer und damit ohne Fracht“, sagte Maret Montavon, Leiterin Kommunikation bei der Mitteldeutschen Flughafen AG, der „Leipziger Volkszeitung“. Das Bundesinnenministerium hatte zuvor bereits intern anderslautende Berichte dementiert.

Eine ukrainische Antonow parkt am Flughafen Leipzig/Halle hinter einem Zaun auf dem Flughafengelände. Nach dem Drohnenvorfall in der Nacht zum Mittwoch laufen die Ermittlungen.

Eine ukrainische Antonow parkt am Flughafen Leipzig/Halle hinter einem Zaun auf dem Flughafengelände. Nach dem Drohnenvorfall in der Nacht zum Mittwoch laufen die Ermittlungen.

Ein Mitarbeiter des Flughafens hatte die mit Sprengstoff bestückte Drohne in der Nacht zum Mittwoch auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ des Flughafens Leipzig/Halle bemerkt. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.

Kritik aus Köln an Kanzler Friedrich Merz

In der Politik werden unterdessen Rufe nach Konsequenzen laut. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hat etwa schwere Vorwürfe gegen Russland erhoben. „Es liegt nahe, dass es sich bei dem Drohnenangriff um russischen Staatsterrorismus handeln könnte“, sagte Dröge der Zeitung „Welt“. Sie kritisierte, dass diese naheliegende Vermutung von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nicht klar benannt werde.

Dröge forderte im sozialen Netzwerk Bluesky zudem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, umgehend den Nationalen Sicherheitsrat einzuberufen. „Die Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzif-Halle ist eine neue Dimension der hybriden Bedrohung“, schrieb die Kölner Politikerin dort und fügte hinzu: „Kanzler Merz muss die Lage ernst nehmen und den nationalen Sicherheitsrat einberufen – wann, wenn nicht jetzt!?“

„Deutschland sollte zumindest Artikel-4-Konsultationen anstrengen“

Bereits am Mittwoch hatte sich der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter geäußert. „Deutschland sollte zumindest Artikel-4-Konsultationen in der Nato anstrengen“, sagte Kiesewetter der „Augsburger Allgemeinen“. Artikel 4 des Nato-Vertrages regelt das Recht der Mitgliedstaaten auf Konsultationen, wenn nach Ansicht eines Landes die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit gefährdet ist.

Auch auf der Plattform X fand der CDU-Politiker deutliche Worte: „Verteidigung heute heißt Zivilschutz, Schutz kritischer Rohstoffe, Lieferkettensicherheit, Schutz kritischer Infrastruktur, militärische Fähigkeiten und vor allem Mindset“, schrieb Kiesewetter dort. „Wir müssen uns schon auch verteidigen wollen, nicht nur militärisch, denn sonst können wir es nicht.“

Drohne in Leipzig: „Alarmsignal, das niemand ignorieren darf“

„Der Vorfall am Flughafen Leipzig, der fast in einer Katastrophe geendet wäre, zeigt, dass Deutschland auf solche Bedrohungen nicht ausreichend vorbereitet ist“, erklärte am Donnerstag auch die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. „Ein Sprengsatz, offenbar per Drohne neben einem Flugzeug platziert, ist kein Einzelfall, sondern ein Alarmsignal, das niemand mehr ignorieren darf.“

Auch Strack-Zimmermann benannte Russland als möglichen Verantwortlichen für den Drohnenvorfall. „Wir erleben Ceuta, wir sehen die Drohne mit Sprengsatz auf dem Leipziger Flughafen, und es gibt Hinweise auf russische Einflusskampagnen bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland“, schrieb sie auf der Plattform X. „Die zeitliche Nähe dieser Ereignisse ist kein Zufall, Deutschland und Europa erleben handfeste sowie hybride Angriffe.“ 

Jahrelang hätten Innen- und Verteidigungsministerium über Zuständigkeiten gestritten, „während die Ausschreibungen für Drohnenabwehr an unseren Flughäfen liefen und liefen“, kritisierte Strack-Zimmermann und fügte hinzu: „Jetzt muss Innenminister Dobrindt liefern. Schnell. Wir haben keine Zeit mehr für Business as usual.“ (mit dpa/afp)