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Lernen mit verbotener SoftwareWarum viele Lehrer am Programm Padlet festhalten

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Padlet im Einsatz

Viele Lehrer haben Padlet während der Pandemie kennengelernt und nutzen es auch weiterhin.  

Hannover/Düsseldorf – Für viele Schulen bedeutete die Pandemie einen Digitalisierungsschub – allerdings meist ohne zentrale Planung dahinter. Das führt zu Problemen, auch für Lehrer in Nordrhein-Westfalen.

Padlet ist für Schulen eigentlich tabu

Ein Beispiel: Padlet. Eine Lehrerin aus Norddeutschland erzählt, während der Pandemie hätten sie und ihre Kollegen das Online-Programm kennengelernt. Es dient dazu, Schüler mit Aufgaben zu versorgen. Auf den ersten Blick erinnert die Oberfläche an einen Stundenplan. Oben stehen die Tage, darunter Links, Videos, Arbeitsblätter und Hinweise auf Aufgaben in Schulbüchern. Übersichtlich, modern, ästhetisch, so wirkt dieses Programm, in das sich jeder Schüler über den Internet-Browser mit einem Passwort einloggen kann. Der Haken: Für die Schulen ist es eigentlich tabu. Denn die Padlet-Server stehen in den USA und sind damit nicht datenschutzkonform. Als öffentliche Einrichtung muss eine Schule jedoch datenschutzkonform arbeiten.

Bildungsministerien empfehlen Alternativen – doch die haben es in sich

Aus dem Bildungsministerium in Schleswig-Holstein heißt es, das Programm sei schwer bis gar nicht datenschutzkonform zu nutzen. Man setze daher auf die Landeslösung „Online-Pinnwand-SH“. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern empfehlen als Alternative das Programm „Task-Cards“.

Die norddeutsche Lehrerin hat versucht, sich in diese Alternative einzuarbeiten. „Aber es ist einfach total kompliziert. Ich verstehe es nicht.“ Auch die Ästhetik lässt zu wünschen übrig: Im Vergleich zu Padlet wirkt Task-Cards wie ein Programm aus dem vorigen Jahrtausend.

Mehr Pragmatismus in Behörden gefordert

Die Lehrerin hat beschlossen – wie viele ihrer Kollegen –, weiterhin Padlet zu nutzen. Der Serverstandort USA sei zwar nicht optimal. Aber die Gefahren hält sie für überschaubar. „Dann sollen die Betreiber doch wissen, dass die Kinder ein Buch auf Seite 22 bearbeitet haben“, sagt sie. Immerhin gebe es hier weder Nutzerprofile noch Werbung. Zudem ist die Software im Gegensatz zur Alternative der Ministerien kostenlos. An die große Glocke will die Lehrerin das aber nicht hängen – sie fürchtet arbeitsrechtliche Konsequenzen. Wie ihr geht es auch anderen Pädagogen, die Programme verwenden, die sie eigentlich nicht nutzen dürften. Die Lehrerin fordert daher mehr Pragmatismus von den Behörden: „Ich würde mir wünschen, dass uns das Land die Freiheit einräumt, das Programm zu nutzen. Analoge Wochenpläne schreibt heute kein Mensch mehr.“

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Die Länder bemühen sich indes, nachzusteuern und das Software-Wirrwarr, das sich während der Pandemie-Jahre entsponnen hat, zu ordnen. So sollen staatliche und private Anbieter, Medienberater und Datenschutzexperten die Schulen unterstützen.

Aus Nordrhein-Westfalen heißt es, es gebe länderübergreifende Diskussionen zu Programmen wie Padlet, bislang aber keinen einheitlichen Stand. Paradox mutet indes an, dass etwa das Land Niedersachsen noch Unterrichtsmaterial anbietet, in dem Padlet eine Rolle spielt. Die Erklärung des Landes: „Hier entscheiden Erwachsene, ob sie die Anwendung einsetzen.“