NRW-Check mit ForsaDiese Probleme belasten die Bürger in NRW am meisten

Nur 26 Prozent der Befragten halten die Abschaffung der Maskenpflicht in NRW Anfang November für richtig.
Copyright: picture alliance/dpa
Köln – Corona, Corona, Corona. Und nochmals Corona. Nichts beschäftigt die Menschen in NRW derzeit annähernd so, wie die seit fast schon zwei Jahren andauernde Pandemie. Die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführte repräsentative Befragung für 38 NRW-Zeitungen belegt dies eindrucksvoll. Auf die Frage, „Was sind zur Zeit die drei größten Probleme im Land Nordrhein-Westfalen?“ nannten 87 Prozent dieses Thema in diversen Abwandlungen. Mehrfachnennungen waren möglich.
Und dieser Befund gilt mit geringen Abweichungen unabhängig vom Alter, von der Größe des Wohnortes oder der Parteipräferenz. Lediglich im Münsterland und in Ost-Westfalen lagen die Werte mit insgesamt 80 Prozent etwas darunter. Und auffällig ist, dass die Anhänger der AfD und Menschen, die keine Parteipräferenz angaben, mit 22 bzw. 20 Prozent besonders häufig speziell die Corona-Beschränkungen als größtes Problem nannten (CDU-Anhänger 6%, SPD 4%. Grüne 7%, FDP 5%, Linke 6%).
Corona-Beschränkungen
Die jedoch können vielen gar nicht hart genug sein. Insgesamt 63 Prozent (CDU 69%, SPD 79%,Grüne 74%, FDP 58%, Linke 68%, AfD 20%, Sonstige 34%) plädieren für schärfere Maßnahmen, weitere 18 Prozent halten die derzeitigen für angemessen. Lediglich AfD-Anhängern (67%) und Sonstige (44%) gehen die aktuellen Beschränkungen mehrheitlich zu weit. Auch hier unterscheiden sich die Angaben kaum in den großen Städten und den kleinen Gemeinden.
Regional fallen die Eifel und das Münsterland etwas aus dem Rahmen, wo „nur“ 54% bzw. 52% Verschärfungen der Regeln fordern, und 26% bzw. 17% die aktuellen für zu weitgehend halten. Ältere Menschen über 60 (74%) plädieren stärker als andere Altersgruppen für eine Verschärfung (Maßnahmen gehen zu weit nur 4%).
Das könnte Sie auch interessieren:
Knapp Zweidrittel (63%) befürworten sogar bei weiter steigenden Infektionszahlen einen bundesweiten Lockdown wie zum vergangenen Jahresende – hier auch vor allem die über 60-Jährigen (71%) und am wenigsten AfD-Anhänger (36%), Sonstige und FDP-Bekenner (50%). Menschen in Großstädten über 500 000 Einwohnern (58%) weniger als in Orten unter 20 000 Einwohner (69%).
Auffallend ist, dass Arbeiter bei den Antworten meist auf deutlich niedrigere Zustimmungsraten kommen als Angestellte oder Beamte, z.B. stimmen einem Lockdown hier nur 48 Prozent zu, 41% sind dagegen (Angestellte 61 zu 34, Beamte 67:32). Ähnlich gilt für die Diskussion um die Impfpflicht (Arbeiter Ja 61%, Nein 33%, Angestellte 69 zu 27, Beamte 79 zu 20). Insgesamt sprechen sich in NRW 73% der Frauen und Männer über 18 Jahren für eine Impfpflicht aus – mit weitgehend ähnlich hohen Werten in den Regionen sowie Groß- und Kleinstädten, die über 60-Jährigen mehr (87%), und quer durch die Parteienlandschaft mit Ausnahme der AfD (nur 22%, Sonstige 57%)
Doch welche Probleme bewegen die NRW-Bürger sonst noch? Nach Corona kommt lange nichts. An zweiter Stelle folgen mit jeweils 14 Prozent die Bildung und der Verkehr, mit 13 Prozent der Klima- und Umweltschutz, mit zwölf Prozent der Ärger über Politiker, mit neun Prozent die Wirtschaft und nur acht Prozent bewegt das Thema Migration und Flüchtlinge besonders.
Kohleausstieg
Die 38 NRW-Tageszeitungen haben Forsa zudem speziell bei dem für das Land an Rhein und Ruhr wichtigen Thema Kohleausstieg/Energiewende nachfragen lassen. Überraschenderweise halten 58 Prozent der Bürger im Land einen von 2038 auf 2030 vorgezogenen vollständigen Ausstieg aus der Kohleenergie, wie es die Ampelkoalition im Bund anstrebt, persönlich für richtig.
Besonders viele befürworten dies mit 67 Prozent an der Rheinschiene, in der Eifel und im Sauerland stimmen nur 53 bzw. 52 Prozent zu. Klimaschutz und Energiewende sind Zukunftsthemen, so dass es nicht verwundert, dass vor allem jüngere Menschen, speziell die 18-29-Jährigen mit 70 Prozent zu den stärksten Befürwortern des schnellen Wandels gehören. Die geringste Zustimmung gibt es mit aber immerhin noch 50 Prozent bei 45-59-Jährigen. Deutliche Unterschiede sind bei den Anhängern der Parteien zu verzeichnen: Für den schnelleren Ausstieg plädieren bei der CDU 46%, SPD 68%, Grüne 92%, FDP56%, Linke 77%, AfD 17% Sonstige 65%.
Eine ganz andere Frage aber ist, ob die Befragten ein solches Vorhaben für realistisch halten. Knapp Zweidrittel (63%) sagen Nein. Und außer den Grün-geneigten Wählern (59% zu 38%) und noch in Maßen die Linken (46% zu 51%) glauben nur deutliche Minderheiten, dass ein Kohleausstieg in ganz Deutschland bis 2030 gelingen kann, am wenigsten die AfD-Sympathisanten (8% zu 86%).
Arbeitsplätze
Überwiegend optimistisch sind die Bürger, dass durch den gravierenden Strukturwandel sich die Verluste und Zugewinne an Arbeitsplätzen die Waage halten werden. Insgesamt sehen das 54% so, 29% fürchten, dass mehr Arbeitsplätze wegfallen, 10% glauben an ein Plus und 6% machten keine Angaben.
Allerdings hegen auch hier AfD-Anhänger mit Abstand die größten Befürchtungen hinsichtlich eines Arbeitsplatzabbaus (64%), 28% von Ihnen glauben, Arbeitsplatz-Abbau und -Aufbau halten sich die Waage. Bei der CDU ist das Verhältnis 35% (Abbau) zu 57% (hält sich die Waage), bei der SPD 20% zu 68%, bei der FDP 42% zu 49%, bei den Grünen fürchten nur 7% einen Abbau, 68 Prozent sehen ein Nullsummenspiel und 24% erhoffen sich mehr Arbeitsplätze.
An Letzteres glauben sowohl die Jungen als auch die Alten, sie hegen also in der Hinsicht auf einen möglichen Arbeitsplatzabbau kaum Sorgen. Bei den 18-29-Jährigen sind es 63% , bei den über 60-Jährigen 60% und nur die mittleren Jahrgänge, die 30-44-Jährigen (48%) sowie die 45-59-Jährigen (47%) zeigen sich pessimistischer.
Strukturwandel
Eine knappe relative Mehrheit von nur 23% traut allerdings keiner Partei zu, diesen Strukturwandel zu bewältigen. Die größte Lösungskompetenz wird bei diesem Thema noch der SPD (19%) zugemessen, vor Grünen und CDU (je 17%), der FDP (8%), der AfD (3%) und den Linken (1%). Die Jüngeren trauen hier eher den Grünen (25%), die Älteren der CDU (26%) und der SPD (25%).
Energiepreise
Der Umbau des Energiesektors treibt auch die Preise. Deswegen fragte Forsa, wie stark sich die jeweiligen Haushalte durch steigenden Kosten für Energie und Benzin belastet fühlen. Sehr stark sagten 21%, stark 37%, etwas 35%, so gut wie gar nicht 5%. Keine Angaben machten 2%.
Am deutlichsten fühlen sich hier die Bewohner kleinerer Städte unter 20 000 Einwohner betroffen (sehr stark 28%, stark 40%), die vor allem in ländlichen Regionen vergleichsweise häufig aufs Auto angewiesen sind. Die Einwohner der Großstädte (500 000 und mehr) schätzten die Lage anders ein (sehr stark 19%, stark 29%, etwas 48%, so gut wie gar nicht 3%). Erwartbarerweise fühlen sich sehr stark oder stark belastet die Bewohner von Eifel (59%), Bergischem Land (65%) und Sauer-/Siegerland (77%), wohingegen die Menschen am Rhein nur zu 50 Prozent eine große Belastung empfinden.
Vor allem in der Kategorie Heizen/Energie/Wasser müssen sich deswegen 23% der Bürger, die sich mindestens etwas durch teurere Preise belastet fühlen, einschränken. 19% nennen das Autofahren, 13% Freizeitaktivitäten, 11% Strom, allerdings macht ein knappes Drittel keine Angaben ( 31%). Die Altersgruppen unterscheiden sich in ihren Angaben nur unwesentlich; überraschend eher, dass Städter und Bewohner kleinerer Gemeinden sich vor allem beim Heizen, weniger beim Autofahren beschränken wollen. Bemerkenswert: Ganze 45% gaben an, dass sie sich bisher nicht einschränken müssen bzw. sie konnten keine konkreten Einschränkungen nennen. 5% sagten, sie müssten sich in allen Bereichen einschränken.

