Abo

Religionsunterricht in NRWÖkumene im Klassenzimmer

3 min
Ein Lehrer unterrichtet in einem Klassenzimmer.

(Symbolbild)

Die Beliebtheit des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts nimmt vier Jahre nach seiner Einführung weiter zu, trotzdem steckt die Religionslehre in NRW in der Krise. Landesregierung und Kirchenvertreter ziehen Bilanz.

Vier Jahre nach der Einführung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichtes in NRW ziehen Landesregierung und Kirchenvertreter eine positive Bilanz. „Dieser Unterricht ist gelebte Ökumene. Und er trägt dazu bei, dass sich Schülerinnen und Schüler intensiver mit ihrem eigenen Glauben auseinandersetzen und andere Glaubensrichtungen mehr akzeptieren“, sagte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Montag im Landtag.

Im Rahmen des konfessionell-kooperativen Unterrichts lernen evangelische und katholische Schülerinnen und Schüler der Primarstufe und der Sekundarstufe 1 seit dem Schuljahr 2018/19 in teilnehmenden Schulen gemeinsam. Sie lernen die Perspektiven beider Konfessionen kennen.

Beliebtheit an Schulen nimmt zu

Zum Start beteiligten sich 184 von rund 5500 Schulen in NRW. Bis zum Beginn des Schuljahres 2021/22 haben 275 Grundschulen und 261 Schulen der Sekundarstufe 1 diesen Religionsunterricht beantragt. Rund 110 000 Kinder und Jugendliche nehmen inzwischen daran teil.

Laut einer Studie der Universität Siegen funktioniert dieser Religionsunterricht „im Sinne seiner Ansprüche“, wie Prof. Ulrich Riegel erklärte. Er vermittele Wissen über die eigene und die andere Konfession, wecke Interessen und fördere die Toleranz gegenüber religiöser Vielfalt. „Das gemeinsame Nachdenken und Diskutieren bewahrt auch vor Fundamentalismus“, so der Leiter des Katholischen Büros NRW, Antonius Hamers. „Schülerinnen und Schüler schätzen es, wenn sie Lehrkräften begegnen, die für ihren Glauben einstehen“, sagte Oberkirchenrat Rüdiger Schuch vom Evangelischen Büro NRW.

Die langsam zunehmende Beliebtheit des konfessionell-kooperativen Unterrichts kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Religionsunterricht in NRW in einer Krise ist. Laut Ministerin Feller sank die Zahl der Schülerinnen und Schüler im katholischen Religionsunterricht zwischen 2012 und 2021 um rund 196 000, im evangelischen um etwa 183 000.

Laut Hamers ist der konfessionell-kooperative Unterricht eine Antwort auf eine religiös zunehmend vielfältigere Gesellschaft. Die Zusammenarbeit sei nötig, um den Religionsunterricht überhaupt langfristig weiter gewährleisten zu können. Über die Einbeziehung zum Beispiel auch muslimischer Kinder und Jugendlicher in ein solches Angebot äußerten sich die Kirchenvertreter jedoch vorsichtig. Grundvoraussetzung dafür sei ein etablierter muslimischer Religionsunterricht an einer Schule. Eine solche Zusammenarbeit sei derzeit wohl vor allem „projektbezogen“ denkbar.

Angeboten wird der konfessionell-kooperative Religionsunterricht innerhalb des NRW-Gebietes der Evangelischen Kirchen im Rheinland, in Westfalen und in Lippe sowie der (Erz-) Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn. Das Erzbistum Köln wird sich nach langer Prüfung erst ab dem Schuljahr 2023/24 beteiligen.

Fall Woelki treibt auch Protestanten um

Der Ärger vieler Kirchenmitglieder über den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der damit verbundene Vertrauensverlust trifft auch die evangelische Kirche. „In und um Köln verzeichnen auch wir Kirchenaustritte, die doppelt so hoch sind wie an anderen Stellen“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, der „Rheinischen Post“. „Da wird die evangelische Kirche in Mithaftung genommen.“

Latzel sagte weiter: „Wir brauchen wieder Vertrauen der Menschen in unsere Institutionen und die handelnden Personen.“ Es sei aber nicht die Aufgabe der Protestanten, die Fragen der katholischen Seite zu lösen: „Da wird das Erzbistum eigene Lösungen finden müssen.“ Woelki steht wegen seines Umgangs mit dem Missbrauchsskandal in der Kritik, gegen ihn wird zudem wegen Falschaussage ermittelt.