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Drohne trifft KinderklinikErneut schwere Angriffe auf Charkiw – vier Menschen getötet

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Ukraine, Charkiw: Das Bild zeigt die Zerstörung nach einem russischen Raketenangriff. (Archivbild)

Ukraine, Charkiw: Das Bild zeigt die Zerstörung nach einem russischen Raketenangriff. (Archivbild)

In einer eisigen Winternacht treffen russische Attacken erneut die Städte Charkiw und Kiew. Auch eine ukrainische Kinderklinik gerät unter Beschuss.

Ein russischer Angriff am Stadtrand von Charkiw hat nach ukrainischen Angaben vier Menschen das Leben gekostet. Sechs weitere wurden verletzt, wie der Gouverneur der Region, Oleh Synehubow, am Dienstagmorgen (13. Januar) mitteilte. Zunächst war von zwei Todesopfern die Rede gewesen, später bestätigte die Regionalverwaltung die höhere Zahl.

Auch innerhalb der Stadt Charkiw blieb es nicht ruhig. Bürgermeister Igor Terechow berichtete von einem weiteren Angriff, bei dem eine russische Langstreckendrohne eine medizinische Einrichtung für Kinder traf. Das Gebäude geriet in Brand, verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Vorwurf des Doppelschlags gegen Rettungskräfte

Aus anderen Teilen des Landes wurden ebenfalls neue Attacken gemeldet. In der südöstlichen Region Saporischschja waren Explosionen zu hören, wie Gouverneur Iwan Fedorow erklärte. In Kiew rief der Leiter der Militärverwaltung, Timur Tkatschenko, die Bevölkerung angesichts laufender Angriffe mit ballistischen Raketen zu besonderer Vorsicht auf.

Ukrainische Feuerwehrkräfte arbeiten an der schwerbeschädigten Niederlassung des Postunternehmens Nova Poshta nach einem Luftangriff in einem Dorf außerhalb von Charkiw.

Ukrainische Feuerwehrkräfte arbeiten an der schwerbeschädigten Niederlassung des Postunternehmens Nova Poshta nach einem Luftangriff in einem Dorf außerhalb von Charkiw.

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurde die Ukraine in der Nacht erneut mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen – neben Charkiw auch Kiew, Odessa und weitere Städte. In einem Vorort von Charkiw wurde ein Logistikzentrum des Postunternehmens Nowa Poschta zerstört. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem sogenannten „Doppelschlag“: Erst sei das Gebäude beschossen worden, anschließend hätten Drohnen gezielt Feuerwehrleute und Rettungskräfte angegriffen.

Notabschaltungen bei Strom und Heizung im Winter

In der Hauptstadt Kiew musste nach dem Angriff erneut an vielen Stellen notfallmäßig der Strom abgeschaltet werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. In den größten Städten der Ukraine müssen derzeit bei strengem Frost Millionen Menschen ohne Strom, Heizung oder Wasser ausharren, weil russische Angriffe die Versorgungsnetze gezielt ausgeschaltet haben.

Ihrerseits griff die ukrainische Armee in der Nacht mehrere Orte in Russland mit Drohnen an. Die Behörden des südrussischen Gebiets Rostow bestätigten einen Treffer auf ein Industrieunternehmen in der Stadt Taganrog. Dabei handelte es sich nach Berichten russischer Telegramkanäle um ein Werk, in dem Flugzeuge repariert und Drohnenteile hergestellt werden.

Zuletzt hatte der russische Einsatz der atomwaffenfähigen Mittelstreckenrakete Oreschnik für Empörung in der Ukraine und im Westen gesorgt. Washington sprach von einer „gefährlichen und unerklärlichen Eskalation“ inmitten diplomatischer Bemühungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine. Der Angriff in der Nacht zum Freitag war der zweite bekannte Einsatz einer Rakete dieses Typs in der Ukraine. (dpa/afp/sbo)