Kommentar zum WeltglücksberichtWelche Zutat fehlt den Deutschen zum Glück?

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Finnland, Kouvola: Ein Hund beobachtet, wie zwei jungen Frauen von einem Steg in den Vuohijärvi-See springen.

Finnland, Kouvola: Ein Hund beobachtet, wie zwei jungen Frauen von einem Steg in den Vuohijärvi-See springen. Finnland ist abermals am glücklichsten - Deutschland rutscht ab.

Im aktuellen Weltglücksbericht ist Deutschland auf Platz 24 abgerutscht. Ist die Unzufriedenheit in der deutschen DNA angelegt?

 Als eines der reichsten Länder der Erde sollte Deutschland alle Zutaten dafür mitbringen, dass die Menschen, die hier leben, glücklich und zufrieden sind – sollte man meinen. Auf immer mehr trifft das aber offensichtlich nicht zu. Im aktuellen Weltglücksbericht ist Deutschland auf Platz 24 abgerutscht. Ist die Unzufriedenheit in der deutschen DNA angelegt?

Natürlich ist es nicht leicht, in Zeiten multipler Krisen die Zuversicht zu behalten – zumal, wenn vielerorts gleichzeitig der soziale Zusammenhalt schwindet und gesellschaftliche Gruppen einander nur noch in Abgrenzung und Konflikt begegnen. Was Gemeinschaft fördert, scheint in den Hintergrund zu treten. Stattdessen: Vereinzelung allerorten. Dank der sozialen Plattformen schauen immer mehr Leute anderen Menschen beim Leben zu und haben das Gefühl, zu kurz zu kommen. Und die Ansprüche an den Staat, doch bitte für das Wohlergehen des Einzelnen zu sorgen, wachsen. Doch diese Erwartung wird zwangsläufig enttäuscht.

Knapper und unbezahlbarer Wohnraum, teure Lebenshaltung, marode Infrastruktur und eine kriselnde Wirtschaft – gefühlt geht alles den Bach runter und Existenzkampf ist an der Tagesordnung. Die Angst vor dem Abstieg ist inzwischen auch in der Mittelschicht angekommen. Nicht ohne Grund verpuppen sich Menschen zunehmend ins Private – doch auch die neue Innerlichkeit macht die Welt nicht automatisch bunt, oft mündet sie in triste Einsamkeit, aus der auch Konsum nur kurzfristig ein Entrinnen vorgaukelt. Das alles klingt Ihnen zu düster? Dann kochen und essen Sie doch mal wieder gemeinsam mit Freunden, laden Sie Gleichgesinnte zum Spieleabend ein oder treiben Sie Sport in der Gruppe. Das tut gut – und die ausgeschütteten Glückshormone wirken vielleicht nicht bis zum nächsten Weltglücksreport nach, aber doch ziemlich lange.

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