Kein Problem mit der Exotenschublade

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SANKT AUGUSTIN. Blicke fasst er als Kompliment auf, und die Frage: „Woher können Sie denn so gut Deutsch?“ als freundliches Interesse an seiner Person. Nana-Yaw Bimpong-Buta ist ein gefragter Mann: Wer einen smarten Schwarzafrikaner sucht für Werbespots, TV-Shows oder Filme, der findet den 24-Jährigen aus Sankt Augustin-Hangelar in der Exotenkartei der Castingfirmen. „Es ist doch ein Vorteil, anders auszusehen“, sagt der Medizinstudent, und seine Mutter nickt. „Wir denken positiv und sind dankbar, dass wir hier leben dürfen“, sagt Philomina Ewurabena Bimpong-Buta, Arzt- und Hausfrau aus Ghana, die selbst schon vor der Kamera stand: „Ich war die Mutter von Mary in der Lindenstraße.“

Basketball und Klavier, MTV und Doktorarbeit: Der strahlende Schlacks ist ein Super-Aushängeschild der Spaßgeneration. Nana-Yaw Bimpong-Buta, Abi-Note 1,0, scheint alles spielend zu schaffen. Selbstbewusstsein paart sich mit Harmoniebedürfnis („Ich streite mich nicht“), Neugierde lässt Zaghaftigkeit keinen Raum. Als der Anruf kam vom WDR, ob der junge Mann nicht antreten wolle beim Wissensquiz über Nordrhein-Westfalen, sagte er spontan ja. Dass gebürtige Bonner, der seit 22 Jahren mit seinen Eltern im Reihenhaus in Hangelar wohnt, gestern Abend nicht siegte im Wettstreit mit seinen drei Mitbewerbern, tangiert ihn nicht. „Es hat Spaß gemacht. Und Zweiter zu sein ist doch gut.“

Die Mama, die Gemütlichkeit ausstrahlt und Scharfsinn, die neben Fanti auch Englisch und Französisch spricht und natürlich Deutsch, ist mächtig stolz auf Nana und seine Brüder, 26 und 22 Jahre alt. Alle leben noch Zuhause, alle haben zum Abitur von den Eltern eine Reise nach Ghana geschenkt bekommen. „Ganz allein“, sagt die 47-Jährige, „ohne uns.“ Sie seien verändert wiedergekommen, hätten viel mehr geschätzt, „was sie hier haben“. „Wenn man krank ist, zum Arzt gehen zu können, in einer Apotheke Medikamente zu bekommen, das ist doch ein Segen“, sagt der angehende Arzt, der seine Doktorarbeit in Epileptologie geschrieben hat über ein Thema aus der Neuro-Chemie. Ob er in die Fußstapfen seines Vaters treten wird, der als Neurologe und Psychiater in Han- gelar praktiziert, weiß er noch nicht. Sportmediziner oder Kinderarzt, das könnte er sich auch vorstellen. Im Frühjahr wird er in Ghana arbeiten und sicherlich in Zukunft immer mal wieder, um zu helfen. Er sei in Deutschland Zuhause, sagt Bimpong-Batu, der den deutschen Pass hat, „und auch dort.“ Und er klopft sich auf sein Herz.

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