Der Komplettumzug der Alanus Hochschule von Alfter nach Bad Honnef stößt auf ein geteiltes Echo.
AlanusKomplettumzug der Hochschule ist ein herber Verlust für Alfter und ein Gewinn für Bad Honnef

Kombination aus modern und historisch: Blick auf den Hochschul-Campus im Zentrum von Bad Honnef.
Copyright: Ralf Klodt
Nicht nur positiv oder zumindest auch zwiespältig sind die Reaktionen auf die Ankündigung der Alanus Hochschule ausgefallen, den Standort Alfter komplett aufzugeben und auf den Campus der Internationalen Hochschule (IU) nach Bad Honnef zu gehen.
„Nicht nur für Alfter eine katastrophale Entwicklung. Auch für den Westen von Bonn, wo beispielsweise in Dransdorf etliche Studierende der Alanus Hochschule während des Studiums wohnen“, kommentierte der Bonner Rolf Beu, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Regionalrat der Bezirksregierung Köln, den Komplettumzug.
Übernahme des Campus in Bad Honnef schon im Februar 2025 bekannt
Dass die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft den Campus in Bad Honnef übernimmt, war schon Mitte Februar 2025 verkündet worden, nachdem die IU erklärt hatte, bis 2028 nach Bonn zu gehen. Die Übergabe des Bad Honnefer Campus war, wie damals angekündigt, zum 1. Oktober 2025 vollzogen worden, teilte eine Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung gerade im Juni mit. Mitte Februar 2025 hatte es auf Nachfrage noch geheißen, der Standort Alfter bleibe erhalten.
Am Mittwoch teilte Alanus mit, dass sie ihren Hochschulbetrieb künftig am Campus Bad Honnef bündeln werde. „Dafür werden die bisherigen Standorte in Alfter schrittweise ab September 2027 nach Bad Honnef verlegt.“
Entscheidung ist Teil einer wirtschaftlichen und strategischen Weiterentwicklung
Die Entscheidung sei Teil einer strategischen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung der Hochschule. Sie trage dazu bei, „die langfristigen strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen der Hochschule zu stabilisieren und weiterzuentwickeln“. Für den Grünen Rolf Beu ist der Schritt „kein seriöses, wertschätzendes Verhalten der Hochschule gegenüber ihrem bisherigen Sitz After und auch gegenüber den eigenen Studierenden“.
Normalerweise seien Vorlaufzeiten von mindestens fünf Jahren zwischen Entscheidung und Umsetzung angezeigt. Beu: „Private Immobilienbesitzer mögen sich so verhalten, aber keine staatlich anerkannte Hochschule mit solchem Anspruch wie die Alanus.“
Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster erklärte: „Ich kann die unternehmerische Entscheidung der Alanus Hochschule, ihr Angebot zu bündeln und komplett nach Bad Honnef zu gehen, sehr gut verstehen. Synergien zu schaffen ist in wirtschaftlich schweren Zeiten das A und O für ein Unternehmen.“
Natürlich freue er sich für die Stadt Bad Honnef, die mit der Entscheidung des Weggangs der Internationalen Hochschule im letzten Jahr ähnliches erlebt habe. Für den Rhein-Sieg-Kreis sieht Schuster es positiv, dass die Alanus Hochschule in der Region bleibe. „Für die Gemeinde Alfter ist der Weggang der Alanus Hochschule natürlich ein herber Verlust“, so Schuster. Es gellte nun, gute Lösungen für die nachfolgende Nutzung des Areals zu entwickeln.
Grundwald spricht von Bekenntnis zum Wissenschaftstandort NRW
Der Landtagsabgeordnete Jonathan Grunwald, der auch Vorsitzender der CDU Bad Honnef ist, hatte schon am Mittwoch erklärt, die Entscheidung des Senats, die Standorte in Mannheim und Alfter mit rund 1500 Studentinnen und Studenten zukünftig in Bad Honnef zu bündeln, sei „ein starkes Bekenntnis für den Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen“.
Die Entscheidung sei auch für die Belebung der Innenstadt und die Bad Honnefer Wirtschaft von immenser Bedeutung, so Grunwald. Durch die Schauspielaufführungen und Kunstausstellungen „wird das kulturelle Angebot im Siebengebirge noch attraktiver und um eine bedeutende Facette reicher“.
Bad Honnefs Bürgermeister Philipp Herzog hatte in einer Pressemitteilung unter dem Titel „Entscheidung ist gefallen – Alanus Hochschule zieht nach Bad Honnef“ erklärt: „Die Fortsetzung der akademischen Bildung und auch die rund 1300 Studentinnen und Studenten, die hier verweilen, einkaufen, eventuell auch wohnen oder später arbeiten werden, bringen in unsere Stadtmitte die wichtigen Impulse einer Veränderung und eines Aufbruchs, die wir in den vergangenen Jahren trotz vieler guter Signale schlussendlich weiter schmerzlich vermisst haben.“
Bekanntlich leben in Bad Honnef im Landesvergleich überdurchschnittlich viele Menschen die älter als 65 Jahre sind, da tun junge Studierende der Stadt sicher gut.
Große Sorge vor Leerstand auf dem Campus in Bad Honnef
Im August 2023 hatte die Internationale Hochschule, die im Jahr 2000 als Internationale Fachhochschule Bad Honnef/Bonn mit Förderung im Rahmen des Bonn-Berlin-Ausgleichs in Bad Honnef gegründet worden war, überraschend ihren Wegzug nach Bonn angekündigt. Damals hieß es, am Campus Bad Honnef seien rund 700 Studierende eingeschrieben.
Die Sorge vor einem Leerstand des auf dem historischen Anno-Gelände gelegenen Campus, zu dem zwei Wohnheime und ein Verwaltungsgebäude mit Bibliothek gehören, war groß. Zeitweise wollte eine private Initiative dort eine Freiraum-Schule gründen. Rat und Verwaltung ließen zudem prüfen, ob das sanierungsbedürftige Siebengebirgsgymnasium auf den Campus ziehen könnte. Fazit: Es geht nicht.

