Der Start in den September wird mit dem Ferienende für die SWB zur Bewährungsprobe. Es fehlen weiter Ersatzfahrzeuge.
Ziel nicht erreichtBonn strauchelt in Stadtbahn-Krise – Einschränkungen und Ausfälle

Die Stadtwerke Bonn mussten 60 von 75 Stadtbahnen wegen Sicherheitsbedenken aus dem Verkehr ziehen.
Copyright: Stadtwerke Bonn
In der Bonner Stadtbahn-Krise ist am Montag (31. August) der Freigabeprozess für ein zweites Fahrzeug der fünften B-Wagen-Serie angelaufen. Das teilten die Stadtwerke Bonn (SWB) mit. Am Freitag war nach den wochenlangen Prüfungen bereits die erste Bahn wieder für den Betrieb freigegeben worden.
Das von den SWB angestrebte Ziel, täglich zwei Fahrzeuge freizugeben, wird derzeit allerdings noch nicht erreicht. Nach Angaben des Unternehmens müssen die Abläufe weiter optimiert und die externen Prüfer in den Prozess eingetaktet werden.
Prüfungen dauern bis zu zwölf Stunden pro Bahn
In der Werkstatt werden die Wagen mit zerstörungsfreien Verfahren untersucht. Dazu gehören Ultraschallprüfungen und die Magnetpulverprüfung. Diese Arbeiten dauern pro Bahn bis zu sechs Stunden, teilte ein Pressesprecher des Unternehmens mit. Anschließend folgen die Kontrollen und die Freigabe durch die Betriebsleitung, die weitere vier bis sechs Stunden pro Fahrzeug in Anspruch nehmen.
Am Wochenende wurde keine Bahn freigegeben. Als Grund nennen die SWB, dass beteiligte Firmen das Sonntagsarbeitsverbot einhalten müssen.
Die Bonner Stadtbahnflotte war am 20. Juli weitgehend aus dem Verkehr gezogen worden. Bei Prüfungen der Radsatzwellen war der Verdacht auf frühzeitige Materialermüdung aufgekommen. Von insgesamt 75 Bonner Stadtbahnen wurden 60 vorübergehend stillgelegt. Zwischenzeitlich half die KVB mit geliehenen Fahrzeugen aus; diese Bahnen sind inzwischen wieder nach Köln zurückgekehrt.
Linie 66: Umstieg in Ramersdorf
Ab Mittwoch, 2. September, setzen die SWB vom Bonner Hauptbahnhof aus Busse in Richtung Ramersdorf ein, so das Unternehmen weiter. Die Ersatzbusse fahren am Bussteig D1 mit der Kennung „BE 68“ ab. Wer weiter in Richtung Königswinter und Bad Honnef möchte, muss in Ramersdorf in den nächsten Bahnersatzverkehr mit der Kennung „BE 66“ umsteigen.
Ein durchgängiger Ersatzbusverkehr vom Hauptbahnhof bis Bad Honnef ist wegen der Verkehrslage auf der Südbrücke nicht vorgesehen. In Ramersdorf soll Service-Personal der SWB die Fahrgäste beim Umstieg unterstützen.
Hintergrund für die Busse ins Siebengebirge ist die hohe Auslastung der Stadtbahnen in Richtung Siegburg und von dort weiter zum Hauptbahnhof. Hinzu kommt der dichte Verkehr rund um die Kennedybrücke, der einen durchgehenden Ersatzbusverkehr auf diesem Abschnitt nach Einschätzung der SWB nahezu unmöglich macht. Die Busse sollen dazu beitragen, dass zwischen Bonn und Siegburg Stadtbahnen in doppelter Stärke eingesetzt werden können.
Für die Ersatzbusse gelten die Haltestellen, die bereits beim Hochwasserverkehr angefahren wurden.
Fahrgäste können vom Hauptbahnhof aus auch die Linie 62 in Richtung Oberkassel Süd beziehungsweise Römlinghoven nutzen. In Ramersdorf besteht die Möglichkeit, in den Bahnersatzverkehr umzusteigen.
Linien 16 und 18 fahren wieder bis Köln
Die Bauarbeiten auf den Linien 16 und 18 wurden in der Nacht auf Dienstag (1. September) beendet. Damit konnte auch der dortige Bahnersatzverkehr eingestellt und auf den regulären Bahnbetrieb umgestellt werden.
Gemeinsam mit der KVB wollen die SWB ab Mittwoch so viele Bahnen einsetzen, dass bis auf eine Ausnahme alle Fahrten zwischen Bonn und Köln bedient werden können. Einen Teil der Fahrzeuge, die normalerweise im Kölner Stadtgebiet unterwegs sind, stellt die KVB zur Verfügung.
Linien 63, 67 und 68 fallen aus
Die Linien 63, 67 und 68 fahren ab Mittwoch bis auf Weiteres nicht. Als Ersatz für die Linie 63 sollen Fahrgäste die Fahrten der Linie 16 nutzen. Der Bahnersatzverkehr der Linie 66 ersetzt zwischen dem Bonner Hauptbahnhof und Ramersdorf den Linienweg der Linie 68.
Die SWB wollen am Dienstagnachmittag über den weiteren Stand informieren.
Entwicklung entscheidet über den September-Fahrplan
Wie stabil sich der Bonner Stadtbahnverkehr im September entwickelt, hängt maßgeblich davon ab, wie viele der stillgelegten Fahrzeuge die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) nach den Prüfungen wieder freigibt. Die SWB hatten zuletzt erklärt, die Voraussetzungen für eine sichere und schrittweise Wiederinbetriebnahme mit hoher Priorität zu schaffen.
Der Start in den September bleibt damit für die SWB eine Bewährungsprobe: Mit dem Ende der Ferien steigt das Fahrgastaufkommen erfahrungsgemäß wieder, gleichzeitig soll der Verkehr auf den Linien 16 und 18 nach Abschluss der Bauarbeiten wieder bis Köln rollen. Ob die schrittweise Freigabe der Bonner Wagen schnell genug vorankommt, wird für das Angebot in den kommenden Wochen entscheidend sein.
