Am Bonner Landgericht startet das Verfahren gegen vier Männer wegen Freiheitsberaubung und Bedrohung holprig: Die Personalien sind lückenhaft.
Prozess in BonnVier Angeklagte sollen Opfer in Bornheimer Wohnung misshandelt haben

Verfahren am Bonner Landgericht startet holprig: Den vier Angeklagten wird Freiheitsberaubung und Bedrohung vorgeworfen.
Copyright: Thomas Banneyer/dpa
Viel holpriger hätte das Gerichtsverfahren kaum starten können: Noch vor Verlesung der Anklage versuchte die Vorsitzende Richterin der 3. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht, Claudia Gelber, Licht in die Personendaten der vier Angeklagten, eines Afghanen und drei Syrern, zu bringen, aber bei den Adressen und dem Personenstand war sie nur bedingt erfolgreich.
Dem Quartett im Alter von 23, 40, 41 und 42 Jahren wird von der Staatsanwaltschaft Freiheitsberaubung und Bedrohung vorgeworfen. Sie sollen einen Schuldner gefangen gehalten und misshandelt haben, um angeblich ausstehendes Geld aus Drogengeschäften einzutreiben.
Die fehlenden Adressen dürften zunächst von untergeordneter Bedeutung sein, denn drei der Angeklagten sitzen derzeit in Untersuchungs- beziehungsweise Strafhaft. Und auch die Frage, ob die Männer, die angaben nach islamischem Ritus verheiratet zu sein, nun nach deutschem Recht als ledig gelten, spielte erst einmal keine weitere Rolle. Die Richterin kritisierte aber, dass sie erst einmal umfangreiche Lücken bei den Personalien der Angeklagten schließen musste.
Alles zum Thema Amts- und Landgericht Bonn
- Prozess in Bonn Vier Angeklagte sollen Opfer in Bornheimer Wohnung misshandelt haben
- Sechseinhalb Jahre Haft Drogenkurier an Rastplatz bei Rheinbach mit 25 Kilogramm Kokain erwischt
- Prozess in Bonn Swisttaler Jugendliche muss zu mutmaßlichem Missbrauch aussagen
- Auswirkungen auf Patienten Warnstreiks an mehreren Unikliniken am Dienstag und Mittwoch
- Angeklagte bleibt Prozess fern 35-Jährige soll Wachtberger jahrelang gestalkt haben
- Diebstahl aus Schließfächern Bonner Golddiebstahl - Ermittler nennen Details
- Höher der Beute unklar Mehrere Schließfächer in Halle in Westfalen aufgebrochen
Opfer erscheint möglicherweise nicht als Zeuge vor Gericht
Ein größerer Stolperstein dürfte allerdings die Tatsache sein, dass das Opfer möglicherweise nicht als Zeuge vor Gericht erscheinen wird. Der Mann wird zwar als Nebenkläger von einer Kölner Kanzlei vertreten, die anwesende Anwältin wusste aber zur Verblüffung der Vorsitzenden Richterin nicht einmal zu sagen, ob ihr Kollege überhaupt Kontakt zu dem Mann hat.
Der Strafverteidiger eines der vier Angeklagten brachte daraufhin ein Gerücht zur Sprache, demgemäß sich das mutmaßliche Opfer bereits aus der Domstadt ins Ausland abgesetzt haben könnte. Der Mann werde wohl auch von der Kölner Staatsanwaltschaft gesucht.
Laut Anklage soll der 42-jährige Angeklagte das Opfer am 9. Juli 2024 in eine Wohnung in Bornheim gelockt haben. Vor Ort hätten die übrigen Angeklagten sowie mehrere weitere Beteiligte, über die nichts weiter bekannt ist, den Mann dann so lange misshandelt, bis er ihnen ein Geldversteck in seiner Kölner Wohnung offenbarte. Dazu sollen die Angeklagten ihr Opfer zunächst mit einer Prise Pfefferspray orientierungslos gemacht und zu Boden gebracht haben. Während einige der Nagreifer den Mann mit Tritten und Schlägen malträtierten, soll einer der Unbekannten ihm eine Tüte über den Kopf gezogen und mit Klebeband fixiert haben.
Nur der Hauptangeklagte machte Angaben zu seinem Lebenslauf
Nun drohten die Männer laut Anklage dem Kölner, er solle 8000 Euro Schulden aus Drogengeschäften zurückzahlen – sonst werde man ihn umbringen. In Todesangst offenbarte der Mann dann, so nimmt es die Anklage an, den Kidnappern ein Versteck in seiner Wohnung. Die Täter sollen sich sofort auf den Weg gemacht haben und vor Ort tatsächlich 5000 Euro gefunden haben. Die behielten sie für sich, genauso, wie ein Handy, eine Goldkette und etwas Bargeld, dass sie dem Mann bereits in der Bornheimer Wohnung abgenommen hatten.
Der Geschädigte soll bei dem Angriff diverse Verletzungen erlitten haben, er soll laut Anklage vier Tage in einem Krankenhaus verbracht haben. Am ersten Verhandlungstag äußerte sich noch keiner der Männer zu den Vorwürfen. Nur der von der Haft verschonte 40-jährige Hauptangeklagte machte Angaben zu seinem Lebenslauf. Für das Verfahren sind zunächst sieben Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird dementsprechend erst Ende Februar erwartet.
