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„Napoleon Bon(nem) Aparte“Rösberger Volxtheater spielt mit dem Tyrannen

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Schauspieler in Kostümen des frühen 19. Jahrhunderts ziehen lange Unterhosen oder Hüfthalter - wie früher üblich beim Wäschewaschen.

Ob lange Unterhosen oder Hüfthalter - früher wurde die Wäsche noch gezogen - oft sogar zu zweit.

Bornheimer Theatermacher haben ihren eigenen Napoleon erschaffen, nennen ihn aber Michel. Im Vorgebirgsplatt liefert das Volxtheater seine Aufklärung zum Lauf der Geschichte.

Wer in den nächsten Tagen und Wochen zufällig am Blauen Haus in Sechtem vorbeikommt und dort abends eine laute Männerstimme hört, die voller Inbrunst die französische Nationalhymne singt – nicht wundern, das ist Christof Ernst. Im kurzen Nachtgewand mit blanken Beinen steht er auf einem Stuhl und probt – bis ihn seine Frau unterbricht und ihn daran erinnert, dass er nicht so laut singen solle. Ernst spielt mit in „Napoleon Bon(nem) Aparte“, der aktuellen Inszenierung des Rösberger Volxtheaters. Die Theatermacher schufen dafür sogar ihren eigenen Napoleon – einen Mann (gespielt von Christof Ernst), der eigentlich Michel heißt und nur hin und wieder in bestimmte Situationen so sehr getriggert wird, dass er denkt, er sei selbst dieser französische Herrscher, Genie und Tyrann, Befreier und Unterdrücker. Dabei war eigentlich geplant, dass Christof Ernst persönlich Kaiser Napoleon im Stück spielt. Doch einen solchen Kriegsführer habe er nicht darstellen wollen. „Deswegen haben wir Michel erfunden“, erklärt er den Trick.

Gleichwohl greift das Stück tief in die Zeit um 1804, als Napoleon Bonaparte in Bonn war. Ob er dabei auch einen Abstecher ins Vorgebirge gemacht hat, ist nicht belegt, aber möglich. Diese Möglichkeit hat sich auch das Rösberger Volxstheater-Team um Christof Ernst, Maria Hirsch und Martin Schumacher zu Eigen gemacht. Wer die Theatermacher kennt, der weiß, dass sie die Geschichte ihrer Heimat schon einige Male umgeschrieben haben. Auch diesmal haben sie wieder viele historisch belegte Begebenheiten mit ihren eigenen Ideen kombiniert und vermischt. Entstanden ist also wieder ein Unikat von Theaterstück. Alle Szenen wurden längst auch schon von Maria Hirsch und Martin Schumacher in original vorgebirgisches Platt übersetzt.

Wenn aus dem Freihitsbaum der Maibaum wird

Die Story: Weil die Leute redeten, musste Michel Paris verlassen. Sein Neffe persönlich holt ihn und seine Frau in der französischen Hauptstadt ab und schafft sie ins Vorgebirge. Dort versucht Michel, sich in die Gesellschaft zu integrieren und die Bornheimer Mentalität kennen und lieben zu lernen. Tatsächlich schlägt das Stück sogar eine Brücke ins 21. Jahrhundert – ins Hier und Jetzt und stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass Integration gelingen kann und dass es eine Bereicherung ist, Fremde aufzunehmen.

An Integration waren die französischen Besatzer dereinst nicht interessiert. Sie hatten so einiges im Namen ihres Kaisers im Rheinland geändert. So musste nach einer Verordnung des französischen Herrschers jedes Dorf einen Freiheitsbaum aufstellen – der in Bornheim dann jedoch mit bunten Bändern geschmückt und um den herum getanzt wurde. „Das war die Erfindung des Maibaums“, berichtet Christof Ernst, als er jetzt zusammen mit den Autoren, Schauspielern und der Regisseurin Lisa-Marie Seidel ein bisschen über die neue Inszenierung verriet.

Auf dem Plakat hält jemand in Napoleon-Kleidung typisch die Hände hinter den Rücken, doch mit Lauchstangen darin.

Das Stück spielt zum Großteil in Bornheim auf einem mittelalterlichen Marktplatz - das Plakat ist jetzt auch gedruckt und hängt schon in vielen Geschäften aus.

Auch religiöse Darstellungen in der Öffentlichkeit wurden damals verboten. „Das war dann die Erfindung des Karnevalszugs“, schmunzelt Ernst. Ein großes Lob sprach der Theaterchef schon jetzt Rainer Jüssen aus, der das Volxtheater von Anfang an musikalisch begleitet hat und immer den richtigen Ton findet. Gute zweieinhalb Stunden dauert diesmal die lustige, bunte und quicklebendige Bühnenshow, die in Bornheim und in Köln spielt. Die Theatermacher haben die Bühnenbilder selbst gestaltet und ihre Kostüme entworfen. Sehr witzig ist das Plakat zum Stück: Bonaparte in seiner typischen Haltung mit Zweispitz, aber mit einer großen Porreestange in der Hand.

Premiere ist am 14. März 2026

„Napoleon Bon(nem) Aparte“ ist das zehnte Stück, dass das Rösberger Volxtheater seit seiner Gründung 2002 auf die Bühne bringt. Ein Erkennungszeichen war und ist dabei der Bezug zu ihrer Heimat, zur Region – wofür es 2019 mit dem Heimatpreis der Stadt Bornheim ausgezeichnet wurde. Der Eintrittspreis beträgt 16 Euro. Das Stück wird in der Kaiserhalle in Bornheim, Königstraße, gezeigt.

Premiere ist am Samstag, 14. März, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen: 15. März, 17 Uhr, 20. März, 20 Uhr, 21. März, 20 Uhr, und 22. März, 17 Uhr. Je nach Nachfrage gibt es am 20. März um 15 Uhr einen Zusatztermin. Der Vorverkauf der Karten findet am 7. Februar zwischen 15 und 17 Uhr in der Kaiserhalle und im „Haus am Turm“ in Rösberg statt. Außerdem können Karten per E-Mail geordert werden.