Feuerwehrleute wissen bei den Alarmstichworten „P-Tür“ und „HIRD“ nie, was sie in der Notsituation erwartetAlarmstichworten.
Stichworten „P-Tür“ und „HIRD“Feuerwehreinsätze in Bornheim, über die kaum jemand spricht

Feuerwehrleute treffen am Einsatzort ein - zuerst sprechen sie sich auch mit dem Notarzt vor Ort ab - ein typischer "HIRD-Einsatz" Hilfeleistung Rettungsdienst.
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Es sind Einsätze, über die die Feuerwehr kaum öffentlich spricht. Alarmstichworte, wie „P-Tür“ – Person hinter Tür – oder „HIRD“ – Hilfeleistung Rettungsdienst.
Gemeldet wird „P-Tür“, wenn Menschen ihre Wohnung nicht mehr selbst öffnen können. Nach Stürzen, Unfällen oder medizinischen Notfällen. Manche sind bewusstlos. Manche schwer verletzt. Einige sogar tot. „Auch ein Verbrechen kann bei solchen Einsätzen nicht ausgeschlossen werden“, sagt der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bornheim, Ulrich Breuer.
Nur die Polizei darf die Wohung betreten
Die Feuerwehr wird alarmiert, um die Haus- oder Wohnungstüren zu öffnen. Nur sie hat die Gerätschaften und das Know-how. Immer mit an ihrer Seite ist allerdings die Polizei. Denn in eine Wohnung dürfen die Feuerwehrleute nur, wenn aufgrund von Rauch und Feuer das Leben der Menschen hinter der Tür offensichtlich in Gefahr ist. Ansonsten darf zunächst nur die Polizei die Wohnung betreten – um die Lage zu erkunden. Aus Erfahrung beschleicht die Einsatzkräfte der Feuerwehr beim Stichwort „P-Tür“ oft ein komisches Gefühl – heutzutage mehr als noch vor 20 oder 30 Jahren.
Als Breuer im Alter von 18 Jahren 1984 Mitglied der aktiven Freiwilligen Feuerwehr in Bornheim wurde, waren Einsätze wie P-Tür ziemlich selten. „Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass früher älteren Menschen noch im Familienverbund lebten – und nur selten alleine“, sagt er. Doch der demografische Wandel sei längst auch in den ländlichen Regionen – auch im Stadtgebiet – angekommen. Seit etwa 25 Jahren beobachte er eine kontinuierliche Zunahme der Alarmierungen „P-Tür – Person hinter Tür“.

Seit mehr vier Jahrzehnte ist Ulrich Breuer bei der Feuerwehr in der Einheit Walberberg - lange auch schon als Sprecher der kompletten Wehr in Bornheim - aktiv.
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„Manchmal informieren uns Anwohner die sagen, dass sie ihre Nachbarin schon seit ein paar Tagen, möglicherweise auch Wochen nicht gesehen haben“, erklärt er. Mitunter seien auch unangenehme Gerüche aus der Wohnung wahrnehmbar. Es käme auch vor, dass Angehörige von Außerhalb die Polizei bitten nachzusehen, weil sie ihre Mutter, den Vater oder Großtante einfach nicht mehr erreichen können.
Zunehmend alarmiere aber auch der Pflegedienst die Feuerwehr, weil sie vor verschlossener Türe stehen und ihr Patient die Tür nicht aufmacht. Ein Segen sieht Breuer im sogenannten häuslichen Notruf-Knopf, den alleinstehende Menschen stets am Körper tragen sollen, um ihn im Ernstfall drücken zu können. „Dann ist die Hilfe oft auch in Begleitung der Feuerwehr schnell unterwegs.“
„Wir hatten aber auch schon Einsätze, bei denen die Menschen nach einem Sturz oder Schwächeanfall viele Stunden und sogar Tage auf sich gestellt im Haus auf dem Boden lagen, unfähig, sich zu bewegen oder auf sich aufmerksam zu machen, und nur durch Zufall gefunden wurden“, erklärt Breuer.

Für den Transport des verletzten aus dem Flurfenster des Obergeschosses wird die Drehleiter in Stellung gebracht.
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Zu Beginn der Coronapandemie schien es auch richtig in Mode gekommen zu sein, den Kohlegrill im Zimmer anzufeuern, obwohl die Gefahr einer Kohlenmonoxid-Vergiftung bei solchen Aktionen sehr groß ist. „Bei allen Alarmierungen P-Tür müssen deswegen die Einsatzkräfte alle auch ein Kohlemonoxid-Warngerät tragen“, berichtet Breuer. Gut erinnert sich der 59-Jährige auch noch an den älteren Herrn, der einfach auf seinem Sofa eingeschlafen und nicht mehr wach geworden war. „P-Tür“ könne aber auch auf einen Suizid hindeuten.
Alleine im vergangenen Jahr wurde die Freiwillige Feuerwehr Bornheim durchschnittlich mindestens einmal pro Woche gerufen. Insgesamt gab es 55 „P-Tür Einsätze“. Dazu kamen im Jahre 2025 weitere 40 „HIRD“ Rettungseinsätze. „Dabei handelt es sich meist um Einsätze, bei denen der Rettungsdienst und/oder der Notarzt die Feuerwehr zur Unterstützung holt – so wie zuletzt in einem Mehrfamilienhaus im Stadtgebiet, wo ein Bewohner aufgrund der Diagnose des Notarztes nur waagerecht aus dem Haus transportiert werden dürfte. „In diesem Fall haben wir den Patienten liegend über unsere Drehleiter aus dem Fenster im Obergeschoss geholt“, erklärt Breuer.
Auch bei besonders schweren Menschen brauchen die Rettungskräfte oft die Manpower der Feuerwehr. „Zu zweit bekommen die Rettungskräfte ja keinen Menschen getragen, der 200 Kilogramm und mehr wiegt“, erklärt er. Die Feuerwehr habe für übergewichtige Patienten spezielle Rettungstücher mit sechs und mit acht Haltegriffen. Im Team mit mehreren Wehrleuten sei der Transport auf jeden Fall einfacher.
Darüber hinaus hat die Feuerwehr auch die Gerätschaften, um im Notfall sogar die Öffnungen von Fenstern und Türen zu vergrößern. Unvergessen bleibt dem erfahrenen Feuerwehrmann ein Einsatz, bei dem die Kameraden sogar den Mittelsteg aus einem Panoramafenster herausnehmen mussten, weil der Patient mit der Trage einfach nicht durch die Wohnungstür passte. „Doch solche Einsätze bleiben auch bei uns hier im Stadtgebiet trotz des demografischen Wandels eher die Ausnahme“, sagt Breuer.
