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Lebensretter nach ErbebenBornheimer Arzt flog kurzentschlossen nach Haiti

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Der Bornheimer Arzt Daniel Lankers auf Haiti 

Bornheim/Haiti – Mitte August bebte in Haiti die Erde: Tausende Menschen wurden getötet und Zehntausende verletzt. Schon kurze Zeit später war der Bornheimer Notarzt Daniel Lankers vor Ort, um den Menschen im Karibikstaat zu helfen. Zwei Wochen lang versorgte der 42-Jährige in einer mobilen Krankenstation Verletzte. Lankers arbeitet eigentlich als Notarzt in Erftstadt. In seiner Freizeit engagiert er sich bei der Rettungsorganisation ISAR. Lange hat er sich auf einen solchen Einsatz einem Krisengebiet und die medizinische Versorgung der Menschen dort vorbereitet. Nun trat der Ernstfall ein.

Haiti schwer getroffen

Lankers erzählt von den großen Herausforderungen, mit denen das 35-köpfige Team der Hilfsorganisation International Search and Rescue zu kämpfen hatte: Das Erdbeben vom 14. August habe das kleine Land in der Karibik schwer getroffen. Besonders in den ersten Wochen nach der Katastrophe habe es an medizinischer Versorgung gefehlt. Die Hilfsorganisation versuchte deswegen, so schnell wie möglich ein Rettungsteam nach Haiti zu schicken. Auch Lankers musste sich sehr spontan für den Einsatz entscheiden. Er habe sich nur kurz mit seiner Frau und seinen Kindern absprechen müssen. Dann stand der Flugtermin schon fest. Acht Tage nach dem Erdbeben waren die Helfer mit einer Notaufnahme auf der Insel Les Cayemites vor Ort.

Gefahr durch Kriminalität vor Ort

Dass der Einsatz alles andere als ungefährlich sein würde, war Lankers schon vor der Abreise bekannt. Wie gefährlich es wirklich war, erfuhr er erst später: Ein kurz vor ihm in Haiti angekommenes amerikanisches Hilfsteam ist, wie er hörte, von Kriminellen ausgeraubt worden, zwei Ärzte seien als Geiseln verschleppt worden.

Das schlecht ausgerüstete Gesundheitssystem des Landes sei durch die Menge an Verletzten völlig überfordert gewesen, so die Hilfsorganisation. Auf der Insel mit über 15 000 Einwohnern gibt es nach Lankers Informationen nur eine Krankenschwester. Seit 15 Jahren – so hätten ihm die Bewohner berichtet – habe kein Arzt mehr die Insel betreten.

Viele Leben gerettet

In den zwei Wochen seines Aufenthalts haben die Helfer mehr als 800 Menschen medizinisch versorgt, die seit dem Erdbeben keine andere medizinische Hilfe erhalten hatten – vielen von ihnen rettete der Einsatz das Leben. Lankers berichtet von Menschen mit schweren Knochenbrüchen, Verbrennungen oder entzündeten Wunden, die ohne die deutschen Ärzte nicht überlebt hätten. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm ein kleines Mädchen, das mit schweren Verbrennungen in die Notaufnahme gebracht wurde und nach mehreren Operationen über den Berg war. Auch die beiden Kinder, die in der Zeltklinik geboren wurden, haben sich ihm eingeprägt.

Trotz der dramatischen Umstände hat der 42-Jährige die Menschen in Haiti als sehr freundlich und zugewandt in Erinnerung. Viele seien zuerst skeptisch gegenüber der unerwarteten Hilfe aus Europa gewesen. Sie hätten den Deutschen aber bald ihr Herz geöffnet, erinnert sich der Notarzt.

Der Wunsch anderen zu helfen

Aber warum fühlte sich der Bornheimer dazu berufen, in der Katastrophe zu helfen? Wie viele seiner Kollegen auch habe er „schon immer den dringenden Wunsch“ verspürt, anderen zu helfen. In Haiti habe er das Gefühl gehabt, die Welt wirklich ein Stück verbessern zu können, indem er Leben rettet.

Bei seinem Einsatz ist dem zweifachen Vater auch klar geworden, was für ein Privileg es ist, in einem so reichen Land wie Deutschland leben zu dürfen. „Wenn hier etwas wirklich Schlimmes passiert, muss ich nur zum Telefon greifen und in zehn Minuten ist professionelle Hilfe da“, sagt Lankers nachdenklich. In vielen Teilen der Welt seien die Menschen in Katastrophenfällen aber auf sich gestellt. Der Notarzt aus Bornheim denkt auch darüber nach, was die Menschen in Deutschland tun können, um zu helfen. Für ihn am wichtigsten sei, dass Katastrophen irgendwo auf der Welt hierzulande nicht einfach totgeschwiegen würden. Nur wenn eine Katastrophe in der Öffentlichkeit besprochen werde, habe die Politik den Antrieb, etwas zu tun. Darüber hinaus könne jeder einzelne am besten helfen, indem er an eine Hilfsorganisation spendet.

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Mit den Menschen in Haiti steht der Arzt weiterhin in Kontakt: Über Whatsapp kann er der Krankenschwester der Insel medizinische Tipps geben. ISAR wird die Krankenstation der Insel weiter mit Medikamenten versorgen. Auch die Zelte der Organisation bleiben vor Ort und sollen den obdachlosen Erdbebenopfern „ein Dach über dem Kopf“ bieten.