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Kleinbuslinie im VorgebirgeBornheimer „Berghüpfer“ fährt Höhenlagen komplett an

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Waldorf, ein Haltepunkt des Berghüpfers.

Der Bornheimer "Berghüpfer" hat sich als Erfolgsmodell erwiesen.

Die Anwohner in den Höhenlagen der Vorgebirgsorte können sich freuen: Die 2019 eingeführte Kleinbuslinie 745, der „Bornheimer Berghüpfer“, erweist sich als Erfolgsmodell und wird voraussichtlich zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 weiterentwickelt und ausgebaut.

Dann werden dann die Höhenlagen von Walberberg bis Roisdorf durchgehend bedient. Bislang war die Kleinbuslinie nur in Waldorf, Merten und Walberberg unterwegs. Das verkündete am Dienstagabend Marcus Schaefer vom Verkehrsamt des Rhein-Sieg-Kreises im Mobilitäts- und Verkehrsentwicklungsausschuss. Änderungen wird es auch auf den Fahrten der Linie 817 zwischen Tannenbusch und Rheinbach geben.

Leer gehen hingegen wieder die drei Bornheimer Rheinorte Widdig, Uedorf und Hersel aus. Eine Buslinie, die die drei Rheinorte vergleichbar dem „Berghüpfer“ miteinander verbindet, hält der Kreis als Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) weiterhin nicht für erforderlich. Auch eine direkte Verbindung von den Rheinorten, speziell von Widdig aus nach Sechtem über Wesseling, wird es auf lange Sicht ebenfalls nicht geben.

Der „Berghüpfer“

 Drei Jahre nach Einführung der Kleinbuslinie 745 („Bornheimer Berghüpfer“) bewertete der Kreis das Projekt. Wegen der Corona-Pandemie zwei Jahre später als ursprünglich geplant: „Das Ergebnis ist als sehr, sehr gut zu bewerten“, fasste Marcus Schaefer zusammen. Pro Betriebstag – der Bus fährt montags bis freitags – konnten im Schnitt 158 Fahrgäste gezählt werden. Dies entspreche bei 15 fahrplanmäßigen Fahrten im Schnitt 10,5 Reisenden. Der „Berghüpfer“ wird künftig an die Stadtbahnhaltestelle Brühl-Schwadorf angebunden, da diesen Haltepunkt viele Pendler nutzen, um im Zehn-Minuten-Takt mit der Linie 18 Richtung Köln zu fahren.

Der Haltepunkt Walberberg wird nicht mehr angefahren, da es nach Auswertungen des Kreises für die Walberberg attraktiver sei, ab Schwadorf zu fahren, da es dort bessere Einstiegsmöglichkeiten gibt. Die Hanglagen in Walberberg werden durch einen Zweirichtungsverkehr verbessert, erstmals werden die oberen Lagen in Üllekoven und Bisdorf mit einbezogen sowie die Ortschaft Brenig mit ihren bereits barrierefrei ausgebauten Haltestellen innerhalb des Ortes. Erschlossen werden künftig Teile der Königstraße und des Siefendfeldchens.

Erstmals angebunden werden auch die Roisdorfer Höhenlagen (Oberdorf mit Bereich Donnerstein) und mit dem Bundesbahnhof Roisdorf verbunden, wo eine neue Endhaltestelle eingerichtet wird. Die Fahrzeit zwischen Schwadorf und Bahnhof Roisdorf beträgt insgesamt 57 Minuten. Der Betrieb kann mit drei Kleinbussen organisiert werden. Durch Änderungen auf der Linie 817 wird gleichzeitig ein Fahrzeug freigesetzt, was einen rechnerischen Mehrbedarf von einem Fahrzeug und zwei Fahrern entspricht.

Die Linie 17:

 Die sogenannten kurzlaufenden Fahrten der Linie 817 zwischen Tannenbusch und Brenig verkehren künftig als Linie 745 mit einem Kleinbus alle 60 Minuten zwischen Roisdorf Bahnhof und Brenig Sportplatz über den erweiterten Linienweg des „Berghüpfers“. Die langlaufenden Fahrten der Linie 817 (Standardbus, Tannenbusch bis Rheinbach) fahren nicht mehr durch Brenig, sondern über die L 182 (Rankenberg). Wie bislang auch fährt die Linie während der Hauptverkehrszeit halbstündlich.

Die neue Route hängt damit zusammen, dass es innerörtlich immer wieder zu Störungen und Verspätungen kam, etwa durch falsch abgestellte Autos in den engen Straßen. Mit dieser Änderung fällt auch die direkte Fahrmöglichkeit mit der Linie 817 Richtung Schwimmbad und Europaschule weg. Diese wird aber durch ein zusätzliches Haltestellenpaar am Kreisverkehr Königstraße/Siefenfeldchen kompensiert, das von der Linie 745 bedient wird. Schwimmbad und Europaschule sind von dort aus zu Fuß innerhalb von 500 Metern zu erreichen. Über die Linie 753 werden die Schulen weiterhin erreichbar bleiben.

Mehrkosten von rund 225 000 Euro

Durch die genannten Änderungen der Linien 745 und 817 ergeben sich pro Jahr 80 000 Mehrkilometer, was Mehrkosten von rund 225 000 Euro jährlich ausmacht. Für die Stadt Bornheim bedeutet das pro Jahr zusätzliche Kosten von anteilig 125 000 Euro. Trippelsdorf: Auf Kritik stieß die fehlende Anbindung von Trippelsdorf. Laut Schaefer sei nach genauer Prüfung eine Anbindung nicht „zielführend“, da die Linie über den Holzweg geführt werden müsste, über einen nicht ausgebautem Wirtschaftsweg im Außenbereich ohne Fahrgastpotenzial. Um diesen Bereich zu erreichen wäre ein Mehraufwand von 700 Metern notwendig und die Fahrzeit würde sich um vier Minuten verlängern. Trippelsdorfer Bürger könnten die angrenzenden Haltestellen Vincenzstraße und Bachstraße nutzen.

Dies kritisierte Josef Müller (UWG/Forum), der deswegen auch als einziger gegen das Konzept der neuen Linienführung stimmte. Vor allem für ältere Bürger sei es beschwerlich, die genannten Haltestellen zu erreichen. Thomas Schmitz (SPD) sprach von einer „suboptimalen Verkehrsführung.“ Laut Schaefer könne dies aber in einer möglichen dritten Ausbaustufe geändert werden.

Die Rheinorte:

Die CDU-Politiker der Rheinorte kritisierten den Kreis, der wiederholt keinen Bedarf sehe, die drei Orte durch eine Buslinie anzubinden und stattdessen auf die guten ÖPNV-Anbindungen mit der Straßenbahnlinie 16 und dem Anruf-Sammel-Taxi (AST) verweist: „Die sich mittlerweile in Richtung Verweigerung bewegende Haltung der Verwaltung wird zum schieren Hohen, wenn man liest, dass der Arbeitskreis ÖPNV im Juni die sicherlich sinnvolle Verlängerung des ,Berghüpfers' diskutiert hat und diese mit Sachverhalten untermauert, die durch die Vertreter der Rheinorte in den vergangenen acht Jahren als Argumente für eine notwendige Buslinie durch Widdig, Uedorf und Hersel eingebracht wurden.“

Ein Bus durch die Rheinorte würde es vor allem für ältere Bürger erleichtern, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte oder Apotheken zu erreichen oder Freizeit- und Kulturangeboten nachzugehen. Kritisiert wurde auch, dass es keine direkte Busverbindung zwischen den Rheinorten und dem Bornheimer Rathaus, ins Vorgebirge oder zur Mondorfer Fähre in Graurheindorf geben werde.

Grundsätzlich begrüßten die Vertreter aller Fraktionen sowie der fraktionslose Daniel Schumacher die Weiterentwicklung des vorgestellten Konzeptes ebenso wie vertiefende Abstimmungen zwischen Bornheim und Wesseling bezüglich einer möglichen regulären Buslinie zwischen Sechtem und den Rheinorten. Hinsichtlich der Rheinorte gelte es, Erkenntnisse des Kreises zu einem möglichen „On-Demand-Verfahren“ abzuwarten. Derzeit läuft eine Testphase in Neukirchen-Seelscheid.