Stürmisches Geläut zum EndeMartin-Luther-Kirche in Walberberg entwidmet

Das Altarkreuz und rituelle Instrumente holten Geistliche und Presbyter aus der Kirche.
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Bornheim-Walberberg – Es war ein trauriges Ende. Langsam begleitet zunächst von den Orgelklängen der Kantorin Marion Köhler zogen die Pfarrerinnen und der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Brühl, Sandra Nehring, Renate Gerhard sowie Stefan Jansen-Haß, am Samstagabend nach dem Entwidmungsgottesdienst aus der Martin-Luther-Kirche. Symbolisch trugen sie das Abendmahlgeschirr, die Altardecke und die liturgischen Bücher nach draußen. Die Osterkerze hielt der Superintendent des Kirchenkreises Köln-Süd, Pfarrer Dr. Bernhard Seiger, in den Händen. Das große Altarkreuz trugen Mitglieder des Presbyteriums.
Traurig klangen auch die Melodien, die der Posaunenchor der evangelischen Kirche mit reichlich Abstand zueinander vor der Kirche spielte. Im nächsten Moment schloss Pfarrerin Sandra Nehring die Kirche samt Gemeindezentrum symbolisch ab. „Jetzt stehen wir hier draußen, die Tür hinter uns ist abgeschlossen“, sagte sie.
Gemeindemitglieder waren außer den Presbyteriumsmitgliedern allerdings keine gekommen. Um die wegen der Corona-Pandemie erforderlichen Kontaktbeschränkungen einzuhalten, wurde der Abschiedsgottesdienst live ins Internet übertragen. Zuschauer sahen den Glockenturm und hörten noch einmal ein stürmisches Geläut. Auch konnten sie so noch einen letzten Blick in ihre Kirche werfen. Hinter dem Altar an der Wand hingen sogar noch ihre Bitten und Wünsche, die sie in den vergangenen Wochen in die Kirche getragen und an einer Leine aufgereiht hatten.
Martin-Luther-Kirche für viele eine geistige Heimat
Für viele war und ist die Martin-Luther-Kirche geistige Heimat, der Ort, an dem ihre Kinder getauft und konfirmiert und Freundschaften fürs Leben geschlossen wurden. „Es ist ein Stück wie bei einer Beerdigung“, erklärte Dr. Bernhard Seiger nach dem offiziellen Teil. Man lasse ein Stück Leben los. Doch wie bei jeder Trauerfeier erinnere man sich und würdige die vielen Stationen des Lebens. „Und so entsteht heute hier eine Mischung zwischen Traurigkeit und Dankbarkeit für das reiche Leben, das hier stattfinden konnte, und das nun zu Ende ist“, erklärte er.
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Auch Pfarrerin Sandra Nehring war innerlich sehr bewegt. „Die Klänge des Posaunenchors verbunden mit dem Blick von hier oben in die Weite werden mich wohl noch lange begleiten“, sagte sie. „Ich bin traurig“, betone auch Pfarrerin Renate Gerhard. Viele schöne Gottesdienste und Feste hätten in der Martin-Luther-Kirche stattgefunden. „Ich mag aber auch diesen besonderen Raum hier mit dem achteckigen Leuchter“, betonte sie. Gerhard will die „wertvollen Kontakte“, die in der Martin-Luther-Kirche gewachsen seien, bewahren. Mehr als fünf Jahrzehnte habe die Gemeinde diese Kirche nutzen dürfen. „Dafür kann man nur dankbar sein“, findet sie. In diesem Zusammenhang sprach sie das Miteinander mit der katholischen Kirchengemeinde an. „Diese große Offenheit stimmt mich zuversichtlich“, so Gerhard.
Katholische Pfarrei bietet Raum für Feiern
In ökumenischer Verbundenheit hat die katholische Pfarrgemeinde den evangelischen Christen ihre Gastfreundschaft angeboten. So sollen künftig Familien- und Schulgottesdienste und sogar Hochzeiten der evangelischen Gemeinde in der katholischen Pfarrkirche St. Walburga gefeiert werden können. Zudem ist für die Zeit nach der Pandemie geplant, den Seniorenkreis und die Kamingespräche der evangelischen Gemeinde im katholische Pfarrheim im Haus im Garten weiterzuführen. In der Sakristei der katholischen Kirche wurde in einem Schrank Platz für das Abendmahlgeschirr und die liturgischen Bücher der evangelischen Gemeinde geschaffen. Sogar die drei Kirchenglocken aus dem evangelischen Kirchturm sollen in Walberberg bleiben. Sie werden in den Glockenturm der katholischen Pfarrkirche umziehen.
Bis zum Sommer hofft die evangelischen Kirchengemeinde Brühl, die Martin-Luther-Kirche vollends leer geräumt zu haben. Dann soll das Gebäudeensembles abgerissen und das Grundstück verkauft werden.



