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Anstehende FachtagungDiskussion zur Wehrpflicht in Bornheim-Walberg

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Die Jugendakademie in Bornheim-Walberberg

Bei einer Fachtagung in Walberberg geht es am 31. Oktober um Wehrdienst und Verweigerung. Am 08. November wird im Erzählcafé zum Austausch eingeladen.

Das Thema polarisiert: „Wehrpflicht – oder Verweigern – eine Gewissensfrage“, heißt der Titel der Fachtagung die am 31. Oktober in der Jugendakademie in Bornheim-Walberberg stattfindet. Eingeladen sind interessierte Menschen, Fachkräfte aber auch Multiplikatoren.

„Aktuell werden ja alle jungen Leute - Frauen und Männer - angeschrieben und gefragt, ob sie zur Bundeswehr wollen“, beschreibt der Leiter der Jugendakademie Rüdiger Sweere die Lage. Jungs müssten antworten, Mädchen nicht. „Aber der Trend zeigt uns, dass wir möglicherweise schon bald davon ausgehen müssen, dass man von dem aktuellen Aussetzen der Wehrpflicht wieder absehen könnte – dass die Wehrpflicht zurückkommt“, erklärt er.

Und mit Blick auf die Jugend – unter anderem auf junge Leute mit einer Zugwanderungsgeschichte und gläubige und religiöse Menschen könnte die Frage zu einer richtigen Gewissensfrage werden - Wehrdienst zu leisten oder zu verweigern. Um so mehr freute sich der Leiter der Jugendakademie über den Vorstoß von Professor Doktor Josef Freise von der katholischen Hochschule NRW in Köln und dem Brühler Theologen Swen (Werner) Höbsch. Beide engagieren sich in der Christlich Muslimischen Friedensinitiative Deutschland (CMFD) – und gemeinsam haben sie auch den Impuls zum Fachtag gegeben, der dann in Kooperation mit der Jugendakademie, dem Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln und Coexister Germany e. V. und dem CMFD auf die Beine gestellt und organisiert wurde.

Programm der Fachtagung

Inzwischen stehen auch die einzelnen Programmpunkte fest. So werden sich zur Einführung am Vormittag Professor Doktor Milad Karimi vom Zentrum für islamische Theologie an der Universität in Münster der Gewissensentscheidung „Wehrdienst oder verweigern“ aus muslimischer Perspektive widmen. Aus christlicher Sicht wird Josef Friese das Thema erläutern. Bei mehreren Workshops geht es am Nachmittag dann thematisch in die Tiefe. „Dabei werden unter anderem auch religionspädagogische Aspekte der Gewissensbildung beleuchtet“, erklärt Sweere. Die beiden Referenten Eva Willkomm und Ullrich Hahn erläutern zudem, wie „Kriegsdienstverweigerung“ ganz praktisch auf den Weg gebracht werden kann. Auch über die seelsorgliche Beratung und Begleitung von christlichen und muslimischen Soldaten wird referiert. Ein deutsch-israelischer Kriegsdienstverweigerer bringt zusätzlich seine persönliche jüdische Perspektive ein.

Der Fachtag beginnt um 10 Uhr und endet nach einer großen Abschlussrunde gegen 17 Uhr. Inklusive Mittagsessen kostet die Teilnahme 10 Euro. „Uns ist es wichtig verschiedene Ansichten zum Thema zusammen zu bringen, um die Teilnehmer gut und rundherum zu informieren, damit sie sich eine persönliche Meinung bilden können“, erklärt Sweere. In seiner Jugend war der Wehr- oder Ersatzdienst im Übrigen noch Pflicht. „Ich wusste, dass die Wehrpflicht oder der Ersatzdienst kommt“, erinnert sich Sweere. Früh habe er sich deswegen auch in seiner Jugendgruppe zu diesem Thema austauschen können. „Wir haben diskutiert und debattiert und haben uns trotz unterschiedlichen Meinungen akzeptiert und respektiert“, berichtet er.

Austausch im Erzählcafé

Und lebhafte und generationsübergreifende Gespräche wünscht er sich auch am Sonntag, 8. November, wenn genau eine Woche nach dem Fachtag zwischen 15 Uhr und 17.30 Uhr über die aktuelle Wehrpflichtdebatte - „Wehrpflicht reaktivieren? Kriegstüchtig werden? Eine allgemeine Dienstpflicht für alle? Oder nichts von alledem“ - auch im Erzählcafé der Jugendakademie in Walberberg Wingert 6 bei Kaffee und Kuchen diskutiert wird. Natürlich wird dann auch Sweere dabei sein. „Die Diskussion über Wehrdienst und mögliche Verpflichtungen für junge Menschen ist ja wirklich aktueller denn je“, betont er.

Im Erzählcafé werden die Gäste bei freiem Eintritt mit zwei unterschiedlichen Perspektiven ins Gespräch kommen: Jakob Leupold aus Brühl, Bezirksschülersprecher im Rhein-Erft-Kreis und politisch engagiert, bringt die Sicht einer jungen Generation ein, die die frühere Wehrpflicht nur noch aus Erzählungen kennt und sich heute mit den möglichen Folgen neuer Verpflichtungen auseinandersetzen muss. Martin Singe aus Bonn, seit den 1980er-Jahren in der Friedensbewegung engagiert, Kriegsdienstverweigerer und langjähriger Mitarbeiter bei Pax Christi, berät hingegen heute Menschen, die den Kriegsdienst verweigern möchten oder Fragen dazu haben. Moderiert wird der Nachmittag von Eva-Maria Antz und Peter Wattler-Kugler von der Jugendakademie Walberberg e. V. Ziel ist ein offener Austausch der Erfahrungen aus unterschiedlichen Generationen zusammenbringt, Fragen zulässt und zur eigenen Meinungsbildung anregt.

Anmeldungen zum Fachtag per E-Mail: sweere@jugendakademie.de

Der Leiter der Jugendakademie Rüdiger Sweere im Erzählcafé in der Jugendakademie

Die Wehrpflicht für Männer ist im Grundgesetz verankert (Artikel 12a) und galt in Deutschland seit der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1956 bis zu ihrer Aussetzung zum 1. Juli 2011. Sie verpflichtete Männer nach Vollendung des 18. Lebensjahres zu einem Grundwehrdienst, der zuletzt sechs Monate dauerte. Wer den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen ablehnte, konnte nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes verweigern und stattdessen Zivildienst leisten, der 1961 eingeführt worden war. Mit der Aussetzung entfielen Grundwehrdienst und Zivildienst, die Wehrpflicht wurde jedoch nicht abgeschafft, sondern lediglich ausgesetzt.

Wehrdienstmodernisierungsgesetz

Seit dem 1. Januar 2026 gilt das neue Wehrdienstmodernisierungsgesetz. Es sieht vor, dass junge Menschen ab dem Geburtsjahrgang 2008 einen Fragebogen zu Interesse und Eignung für den Wehrdienst erhalten. Für Männer ist die Beantwortung dieses Fragebogens verpflichtend, für Frauen ist sie freiwillig. Der Wehrdienst soll zunächst auf Freiwilligkeit beruhen und durch attraktive Angebote gewonnen werden. Reicht die Zahl der Freiwilligen nicht aus, kann der Bundestag durch Gesetz einen Bedarfsfall feststellen, in dem der Wehrdienst verpflichtend angeordnet werden kann. Erst dann käme es zu einer Einberufung und zu einer Musterung für alle betroffenen Männer.

Wer aus Gewissensgründen den Kriegsdienst mit der Waffe ablehnt, hat weiterhin das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 findet keine Gewissensprüfung mehr statt. Über Anträge auf Kriegsdienstverweigerung entscheidet das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Die Debatte um die Wehrpflicht wird vor dem Hintergrund der veränderten Sicherheitslage in Europa seit einigen Jahren intensiv geführt. Befürworter einer Rückkehr zur Wehrpflicht verweisen auf den Personalbedarf der Bundeswehr und auf den Wunsch nach einer breiteren gesellschaftlichen Verankerung der Verteidigung. Kritiker halten dagegen, dass die Bundeswehr vor allem durch bessere Ausstattung, Ausbildung und Arbeitsbedingungen attraktiver werden müsse, und sehen in einer Dienstpflicht einen tiefen Eingriff in die persönliche Freiheit. Zudem wird diskutiert, ob eine allgemeine Dienstpflicht auch soziale, ökologische oder zivile Tätigkeiten umfassen sollte, die nicht im militärischen Bereich liegen.

Die Frage, wie Gewissensfreiheit in einem künftigen System gewahrt werden kann, gehört deshalb zu den zentralen Punkten der aktuellen Auseinandersetzung und wird auch auf dem Fachtag und im Erzählcafé ausführlich aufgegriffen. Die Frage der Wehrgerechtigkeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn in der Zeit der Wehrpflicht wurde nur ein bestimmter Teil der Jahrgänge tatsächlich eingezogen, während andere ihren Dienst gar nicht leisten mussten.

Auch die Gleichberechtigung ist ein wichtiges Thema: Während Männer bislang allein betroffen sind, wird nun darüber intensiv debattiert, ob und wie Frauen in eine mögliche Dienstpflicht einbezogen werden sollten. Außerdem geht es um die Anerkennung sozialer Dienste im Zivildienst sowie zur Unterstützung junger Menschen bei ihrer eigenen Wahl. (mkl)