Acht EinbrücheLandgericht Bonn verurteilt Obdachlosen zu drei Jahren Haft

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Bonn/Eitorf – Bei seinen Diebeszügen hatte der Angeklagte offenbar keinen genauen Plan: Wenn er Geld für Drogen brauchte, zog der Obdachlose los, streifte durch die Wohngebiete von Eitorf oder Siegburg, suchte nach gekippten Fenstern, nicht verschlossenen Kellereingängen oder offen stehenden Terrassentüren. Für gleich acht dieser Taten musste der Mann sich vor dem Bonner Landgericht verantworten.
Von Bewohnerin eines Altenheims ertappt
So spazierte er laut Anklage am späten Nachmittag des 28. Juli 2020 durch die offen stehende Terrassentür in die Parterrewohnung eines Siegburger Seniorenheims und zog 19 Euro aus einem Portemonnaie. Als die Bewohnerin, die in der Küche „ein Quietschen“ gehört hatte, erschien, soll er ihr den Mund zugehalten haben, damit sie nicht schreien konnte.
Die 83-Jährige jedoch wehrte sich, ihr gelang es, seine Hände wegzudrücken. Der Mann flüchtete nach einem letzten Griff in eine Schale: Darin lagen zwei Goldringe und eine Goldkette im Wert von 2000 Euro.
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Für die angeklagten Fälle verurteilte das Landgericht den 28-Jährigen zu drei Jahren Haft. Darüber hinaus wurde bei dem vielfach vorbestraften und seit seiner Kindheit drogensüchtigen Angeklagten die Unterbringung in eine Entzugsklinik angeordnet.
Angeklagter nimmt Medikamente gegen Psychose
Er leide, so hatte es der Gutachter erklärt, an einer drogenindizierten Psychose, die mittlerweile durch Medikamente habe stabilisiert werden können. In vier Einbruchsfällen blieb der Mann glücklos. So wie bei der Bewohnerin eines Eitorfer Seniorenstiftes, wo er am frühen Morgen den Weg durch ein geöffnetes Schlafzimmerfenster fand. Die 80-Jährige überraschte ihn.
Als er ihr stotternd erklärte, dass er in der Einrichtung arbeite, drohte sie ihm umgehend, die Polizei zu rufen, wenn er nicht sofort verschwinde. Das ließ sich der Angeklagte nicht zweimal sagen. In drei weiteren Fällen machte er Beute: Am 29. Juli 2020 konnte er sich durch ein gekipptes Kellerfenster den Schlüssel der Kellertür angeln, war eingedrungen und hatte eine Geldbörse mit 180 Euro sowie ein Pedelec im Wert von 3500 Euro mitgehen lassen.
Im September fand er mit zwei Mittätern im Flur eines Mehrfamilienhauses einen E-Scooter und zwei Pedelecs im Wert von insgesamt 3000 Euro, auf der Terrasse eines Zweifamilienhauses ein Tablet mit Ladekabel (200 Euro) und eine Schachtel Zigaretten.
Der 28-Jährige gestand im Prozess nicht nur seine Einbrüche, sondern auch weitere Straftaten: unter anderem sexuelle Beleidigungen, Widerstand gegen Polizeibeamte, Schwarzfahren oder auch Aufbrüche von Fahrrädern. Die Taten waren vor allem seiner Erkrankung geschuldet – und wurden im Hinblick auf den Prozess um die Einbrüche nicht weiter verfolgt.



