In Bonn vor GerichtIn Mehrfamilienhaus in Siegburg fast Finger abgetrennt

Der Eingang zum Bonner Landgericht
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Bonn/Siegburg – Eigentlich wollte der Besucher eines Mehrfamilienhauses aus Rücksicht den Knall einer schweren Brandschutztür verhindern. Dafür hielt der 63-Jährige, auf dem Weg zu seiner kränkelnden Tante in der dritten Etage, seine linke Hand zwischen Tür und Rahmen. Dadurch jedoch stoppte er den Schwung der Tür so unglücklich, dass die Kuppe des mittleren Fingers regelrecht abgetrennt wurde. Die Verletzung war schwerer als gedacht, die Heilung langwierig. Zurückgeblieben ist ein Taubheitsgefühl.
Der Vorfall vom 3. Februar 2020 landete zunächst vor dem Amtsgericht in Siegburg: 2500 Euro Schmerzensgeld forderte der 63-Jährige von der Hausverwaltung der Immobilie in der Siegburger Innenstadt. Eine Tür, die so gefährlich schnell und mit großer Wucht zufalle, sei unzumutbar.
Klage in erster Instanz abgewiesen
Dem Beklagten warf er Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vor. Die Hausverwaltung wehrte sich gegen den Vorwurf: Die Tür werde regelmäßig von einer Unterfirma gewartet. Im August 2019 sei sie zuletzt überprüft worden, eine Besonderheit sei den Technikern damals nicht aufgefallen.
Eine Hausmeisterin hatte als Zeugin eingeräumt, dass die Tür nicht völlig in Ordnung war, hielt das jedoch für nicht so wichtig. Dennoch wurde die Klage abgewiesen. Zu groß erschien das Verschulden des 63-Jährigen, der unvorsichtig gewesen sei.
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Der Kläger ging in Berufung. Im Gütetermin vor dem Bonner Landgericht kamen zwei Videos des Klägers in den Fokus. Das eine, nach dem Unfall gedreht, zeigt, mit welcher Gewalt die Brandschutztür zuschlägt, das zweite dieselbe Tür, nachdem sie repariert wurde und sanft und leise ins Schloss fällt.
Die 8. Zivilkammer stellte fest, die Hausmeisterin wäre durchaus verpflichtet gewesen, die defekte Tür anzuzeigen. Das müsse sich die Hausverwaltung zurechnen lassen.
Andererseits trage der Kläger eine Mitschuld. Die Kammer schlug einen Vergleich vor: Die Hausverwaltung zahlt dem Kläger 800 Euro. Die Parteien wollen darüber nachdenken.



