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Bad MünstereifelBeim Scheunenkonzert in Witscheiderhof herrscht Wohnzimmerathmosphäre

3 min
Drei Musikerinnen stehen beim Auftritt vor einer aus Holzbrettern gezimmerten Wand.

Mel D (Mitte) und ihre beiden Mitmusikerinnen spielten in Witscheiderhof eine Mischung aus Alternative und Indie.

Mel D und ihre Band lockten 160 Besucher in die alte Scheune von Waltraud Stening in Witscheiderhof.

In der alten Scheune von Waltraud Stening in Witscheiderhof gastierte jetzt die Schweizer Singer-Songwriterin Mel D. 160 Besucher und Besucherinnen kamen zum gut einstündigen Konzert. Das Trio aus Gitarristin und Sängerin Mel D alias Melanie Danuser, Bassistin und Sängerin Maria Barzola Balmer und Schlagzeugerin und Sängerin Laura Schäfer führte das Publikum auf eine musikalische Reise zwischen Indie und Alternative, angereichert mit jazzigen und souligen Elementen.

Das macht eine stilistische Festlegung schwierig, doch darauf kommt es Mel D nicht an. Sie macht bewusst Musik zwischen bekannten Genres. Das klingt mal zart und leichtfüßig, mal mitreißend und tief. In Stenings Scheune präsentierte sie vor allem ihr 2025 erschienenes Debütalbum „Young Bones“, das als Konzeptalbum gegen eine sichtlich aus den Fugen geratene Welt komponiert ist.

Mel D appelliert darin etwa in „Bring the Witches Back“, aufeinander zu achten und „ein bisschen Magie in die Welt zu bringen“. „Soft“ sehnt sich mit soulig schwebender Melancholie nach dem Gegenüber. Im unbeschwert-verspielten „We Win“ fragt Mel D hoffnungsvoll nach Verbundenheit.

Kate Bush, PJ Harvey und Sophie Hunger als Vorbild

Mel D gilt als eine der vielversprechendsten Singer-Songwriterinnen der Schweiz. Nach Anfängen im Elektro-Pop fand die Musikerin mit Gitarre und Stimme zu ihrem ganz eigenen musikalischen Ausdruck. Zu ihren musikalischen Vorbildern zählen Kate Bush, PJ Harvey oder auch Sophie Hunger.

Der Auftritt war das 26. in der Reihe der Scheunenkonzerte, die Waltraud Stening bisher veranstaltet hat. Vier bis fünf seien es pro Jahr, so die Organisatorin. Angefangen hatte alles 2015 mit einem spontanen Open-Air-Konzert in Bad Münstereifel – genauer: mit einem Konzert, das nicht in der vorgesehenen Schlechtwetteradresse stattfand, sondern eben bei guter Witterung draußen. „Die Alternative wäre ein Friseursalon gewesen. Das gefiel uns dann so gut, dass wir bis 2020 eben im Friseursalon Konzerte veranstaltet haben“, so Stening.

Scheune sollte zunächst nur als Corona-Ausweichquartier dienen

In der Corona-Zeit hätte das Musikangebot, das im Wesentlichen aus Folk- und Blues-Konzerten besteht, eigentlich ausfallen sollen. Also habe man – um ausreichend Sicherheitsabstand für die Besucher garantieren zu können – beschlossen, aus dem kleinen Friseursalon in die große alte Scheune, deren weite Tore sich öffnen lassen, am Rand von Witscheiderhof auszuweichen. Die urige Atmosphäre in einem Raum, „der garantiert keine graden Seiten hat“, so Stening, kam aber auf Anhieb bei Publikum wie Musikern so gut an, dass man einfach blieb.

Die Konzerte sind offiziell Veranstaltungen der Bürgerstiftung Bad Münstereifel, die von der Sport- und Kulturstiftung der Kreissparkasse Euskirchen finanziell unterstützt werden. Eintritt und Getränke sind frei, es wird um Spenden gebeten.

Mit ihrem unkonventionellen Konzertangebot hat Waltraud Stening eine treue Fangemeinde gefunden. „Die Hälfte der Besucher war schon öfter hier, so ist es immer“, sagte Stening am Rande der jüngsten Auflage zufrieden. Sie gehört mit ihren Scheunenkonzerten zum kleinen Kreis derjenigen, die ihrem Publikum immer das etwas andere Kulturerlebnis versprechen.