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Industrie in Bad MünstereifelBei Peter Greven wird Dampf bald aus grünem Strom erzeugt

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Ein Blick über das Betriebsgelände von Peter Greven in Iversheim.

Das Unternehmen Peter Greven in Iversheim will bis 2035 Klimaneutralität erreicht haben.

Das Unternehmen Peter Greven in Iversheim strebt eine Klimaneutralität bis 2035 an. Ein 19,4-Millionen-Euro-Projekt wurde nun bewilligt.

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das bis Ende 2028 das Unternehmen Peter Greven am Stammsitz in Iversheim beschäftigen wird. Der Dampf, der auf vielfältige Weise im Betrieb eingesetzt wird, soll in Zukunft nicht mehr aus Erdgas, sondern zu einem großen Anteil aus selbst erzeugter erneuerbarer Energie und netzdienlich bezogenem Grünstrom hergestellt werden.

19,4 Millionen Euro nimmt das Chemiewerk in Iversheim dafür in die Hand. Mit einem Anteil von 30 Prozent – das entspricht 5,82 Millionen Euro – fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Vorhaben, das von der Firma selbst als „bisher größtes nachhaltigkeitsorientiertes Umbauprojekt am Stammsitz in Bad Münstereifel“ beschrieben wird.

Die Dampferzeugung als Hebel für die Dekarbonisierung

Dieser Paradigmenwechsel bei der Dampferzeugung hat mit der Klimastrategie der Gesellschaft zu tun. In der wurden Ziele definiert und wie man diese erreichen kann. Bis 2030 sollen die standortbezogenen CO2-Emissionen in Vergleich zum Basisjahr 2019 um 46 Prozent reduziert werden. Fünf Jahre später soll das Unternehmen klimaneutral produzieren.

„Und der größte Hebel für die Dekarbonisierung ist die Dampferzeugung“, beschreibt es Carsten Rader, Geschäftsführer Technologie. Mit dem Projekt entspreche man außerdem dem geplanten Reduktionspfad.

Der Strom kommt von zwei Photovoltaik-Anlagen

Machbarkeitsstudien zur alternativen Dampferzeugung wurden erstellt, diverse Möglichkeiten wurden bewertet. Die Lösung ist eine Power-to-Heat-Anlage, also ein elektrischer Hochleistungserhitzer, der in Kombination mit einem thermischen Hochtemperatur-Energiespeicher mit nachgelagertem Dampferzeuger die Wärme elektrisch erzeugt. Der Strom selbst soll als Grünstrom aus zwei Photovoltaik-Anlagen kommen: eine befindet sich auf dem Firmengelände, eine zweite entsteht mit einem Partner in Richtung Eschweiler. Beide Anlagen werden direkt ans Werk angebunden.

Eine Frau und ein Mann, beide halten in den Händen einen Helm, stehen vor einem Dampfkessel.

Lena Alder und Carster Rader stehen vor dem Dampfkessel, der mit Erdgas gespeist wird.

Etwa 35 Prozent der benötigten Energie werden durch die PV-Anlagen erzeugt. Der Speicher ist für die Nutzung des PV-Stroms entscheidend, denn dadurch werden Energieaufnahme und Dampferzeugung zeitlich voneinander entkoppelt. Wenn der Strom aus den Anlagen für erneuerbare Energie nicht benötigt wird, kann der Speicher gefüllt und die Energie zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden. Wenn der Speicher leer ist, kommt der Strom für die Dampferzeugung aus dem Netz.

75 Prozent des Energiebedarfs von Greven entfallen auf den Dampf

Dampf zählt zu den wichtigsten Energieträgern in der chemischen Industrie und wird in unterschiedlichen Produktions- und Verfahrensschritten benötigt. „Wir brauchen ihn zur Wärmeerzeugung, in unterschiedlichen Prozessanlagen, in Tanklagern oder zum Beispiel, damit die Stearinsäure als Hauptrohstoff flüssig bleibt“, erklärt Lena Alder, Leiterin Umwelt- und Energiemanagement des Unternehmens.

Da Dampf multifunktionell einsetzbar ist und er auch in unterschiedlichen Druckstufen vorhanden sein muss, ist das Dampfnetz im Unternehmen sehr groß. Das vorhandene System wird beibehalten. Nur die Einspeisung erfolgt aus der Power-to-Heat-Anlage. 75 Prozent des Gesamtenergiebedarfs des Unternehmens entfallen auf die Dampferzeugung.

Jedes Speichermodul ist fast so groß wie ein Überseecontainer

Neben dem jetzigen Dampfkessel, der Energie aus Erdgas erzeugt und zumindest bis einschließlich der Übergangsphase bestehen bleiben wird, entsteht ein komplett neues Gebäude für die elektrische Dampferzeugung. Dafür muss das frühere Turmspaltgebäude weichen. 12,5 mal 18 Meter Grundfläche und zwölf Meter Höhe wird das neue Gebäude haben, das sowohl die Anlage als auch die Speicher beherbergen wird.

15 Speichermodule werden dort Platz finden. Ein jedes Modul hat ungefähr die Maße eines Überseecontainers. Insgesamt können 30 Megawattstunden gespeichert werden. Einfach „umzustöpseln“, ist nicht möglich: Innerhalb des Werks müssen nach Mitteilung der Firma diverse Anpassungen vorgenommen werden, etwa beim Hauptanschluss und der Mittelspannungsverteilung.

Auf lange Sicht verspricht sich das Unternehmen, die Energiekosten zu senken. Dies gilt besonders, wenn die Preise für CO2-Erzeugung so steigen sollten, wie prognostiziert wird. Eines der Hauptziele ist außerdem, wegzukommen von Instabilitäten auf dem Energiemarkt. „Der Fokus liegt aber auf Nachhaltigkeitsaspekten“, so Lena Alder.