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KabarettMit „Gehaltfreier Kommunikation“ startet Saison im Theater 1 in Bad Münstereifel

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Zwei Schauspielerinnen bilden auf der Bühne des Theater 1 in Bad Münstereifel ein Rechteck.

Melanie Haupt (Mitte) und Judith Jakob zeigen hier bildlich den Kommunikationsgrundsatz, dass jede Botschaft vier Seiten hat.

Melanie Haupt und Judith Jakob sind auf den großen Bühnen zu Hause. Doch einmal im Jahr gastieren sie im kleinen Theater in Bad Münstereifel.

Einen fulminanten Auftakt zum Saisonstart 2026/27 legte das Kulturhaus Theater 1 mit dem neuen Programm von Melanie Haupt und Judith Jakob hin. Unter dem Titel „Ich verstehe was, was du nicht sagst“ nahmen die beiden die vielen Seiten menschlicher Kommunikation aufs Korn. Die Mischung aus Kabarett, Musik und Theater sorgte für einen kurzweiligen Abend.

Bürgermeister Sebastian Glatzel leitete den Abend ein. Er nahm den traditionellen Faden der Eröffnungsrede zum Saisonstart von seiner Vorgängerin auf und lobte die Betreiber des Theaters, Christiane Remmert und Jojo Ludwig, für ihr kulturelles Engagement in der Stadt. Das Theater wird 2027 20 Jahre alt. „Der Titel des Abends passt auch gut zu Fraktionssitzungen“, schmunzelte Glatzel.

Zum Kommunikationsmodell gibt's einen einprägsamen Song

Die Schauspielerinnen und Sängerinnen Haupt und Jakob begeisterten nicht zum ersten Mal die Zuschauer in Bad Münstereifel. Sonst auf großen Bühnen zu Hause, ist es für sie fast zur Tradition geworden, einmal im Jahr auf der kleinen Eifelbühne zu stehen. Wie immer mit dabei: der vielseitig begabte Gitarrist Jonathan Bratoëff. Egal, wie kompliziert die Einsätze seiner Musik und Geräusche auch inszeniert waren – er traf immer den Punkt und sorgte für die passende Atmosphäre.

Im Mittelpunkt des Programms stand das kommunikationstheoretische Modell der „Vier Seiten einer Nachricht“ von Schulz von Thun. Kurz umrissen: Jede verbale Mitteilung enthält vier Zielrichtungen. Sie ist Sachinformation, Selbstoffenbarung, Beziehungsäußerung und enthält einen Appell. Wer zuhört, hat dieselben vier Ebenen sozusagen in seinem Ohr. Das macht Kommunikation so komplex.

Um dieses Modell so richtig nachhaltig in den Zuschauern zu verfestigen, hatten die drei Akteure einen einprägsamen Song dazu geschrieben. Der begleitete in immer neuen musikalischen Varianten den Abend. Haupt erzählte zwischendurch, dass bei einem Auftritt in Berlin Schulz von Thun persönlich anwesend gewesen sei und sich über diese Form der Ehrung seines Lebenswerks gefreut habe.

Brigitte und Gala zeigen die Tücken der Mitteilungsversuche

Haupt und Jakob schlüpften in immer neue Rollen, um anschaulich die Tücken der menschlichen Mitteilungsversuche transparent zu machen. In den Rollen Brigitte und Gala karikierten sie zwei Freundinnen, die am gleichen Tisch mit dem Smartphone Nachrichten austauschen. Ihre Namen sind nicht zufällig nach zwei Zeitschriften benannt. „Ihren Namen hat Brigitte, weil ihre Mutter gerne die Brigitte liest. Sie hat Glück gehabt, dass sie nicht Hörzu oder Gong heißt“, blödelt die Influencerin Gala. Es war herrlich anzuschauen, wie die beiden Schauspielerinnen ihre Rollen überzeichneten und mit Mimik und Gestik zum Lachen animierten.

Auch die politische Kommunikation wurde an diesem Abend immer mal wieder angeschnitten. Brigitte: „Politiker wollen das Lügen verbieten. Was bleibt denen dann noch anderes als das Schweigekloster?“ Breitbeinig und voller dummer, gefährlicher und nichtssagender Sprüche spielten Haupt und Jakob aktuelle Despoten nach. „Behaupten, wiederholen, nichts begründen“, entlarvten sie als politische Strategie unserer Zeit. Statt „gewaltfreier Kommunikation“ sehen sie die Welt in „gehaltfreier Kommunikation“ angekommen.

Mark Zuckerberg wird auf der Bühne zu 5000 Sozialstunden verurteilt

Den drei Künstlern ging es nicht in erster Linie um Einzelbeobachtungen und Vorwürfe. Vielmehr regte das Programm zur Selbstreflexion und zu einer kritischeren Haltung den sozialen Medien gegenüber an. Mark Zuckerberg, den sie liebevoll in Süßstoffhügel umtauften, bekam besonders heftig sein Fett weg.

Die Frage, wo seine Plattform bitte sozial zu nennen sei, konnte er nicht beantworten. Der Unternehmer und Entwickler von Facebook/Meta wurde auf der Bühne in einem „Gerichtsverfahren“ zum Lesen aller Bücher von Schulz von Thun und zu 5000 Sozialstunden verurteilt. Die Lehre aus dieser Episode fasste Haupt in einem Satz zusammen: „Kommunikation ist keine Metaware.“

Ein Experiment erlaubten sich die drei auch. Sie schwiegen minutenlang und schauten ins Publikum. Das Saallicht wurde dazu eingeschaltet und die Reaktionen abgewartet. Lange ging das nicht gut, und die ersten Zuschauer lösten die Spannung der Stille mit kleinen Wortbeiträgen auf. Fazit: „Ruhe ist manchmal schwer auszuhalten und wird oft als bedrohlich empfunden.“

Der Abend bot jede Menge Anlass, um das zu tun, was Haupt und Jakob als Mangelware identifizierten: Miteinander reden.