Mit einem Konzert am fünften Jahrestag haben die Kirchengemeinden in Bad Münstereifel an die Hochwasserkatastrophe erinnert.
UraufführungKonzert in Bad Münstereifel erinnerte an die Flut vor fünf Jahren

Das Vokalensemble Bad Münstereifel und die Camerata Louis Spohr boten in der voll besetzten Kirche eine beeindruckende Leistung.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Was mögen wohl die Menschen gedacht haben, die an dem warmen Sommerabend durch die Bad Münstereifeler Innenstadt schlenderten und die Klänge aus der Jesuitenkirche hörten? Und sie dürften sie gut gehört haben, das Portal war weit geöffnet. Nicht nur, weil im voll besetzten Kirchenraum die Temperatur stetig stieg, sondern auch, um dem Titel des ersten Musikstücks gerecht zu werden: „Mitten sind wir im Leben“.

Engagiert führte Andreas Schramek die Ensembles auch durch herausfordende Passagen der Musikstücke.
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Die Kirchengemeinden Bad Münstereifel hatten gemeinsam eingeladen zum Gedenkkonzert. Fünf Jahr ist es her, dass am Abend des 14. Juli die Flut über die Stadt hereinbrach. Auch die Kirche wurde damals beschädigt.
An die Schrecken der Katastrophe erinnerten vor dem Konzert Pfarrer Robert Rego, der stellvertretende Landrat Ralf Claßen und Bürgermeister Sebastian Glatzel. Ambitioniertes ProgrammKirchenmusiker Andreas Schramek hatte mit den gut 40 Sängerinnen und Sängern des Vokalensembles Bad Münstereifel ein ambitioniertes Programm einstudiert.
Freier Eintritt dank großzügiger Spender
Unterstützt wurde der Chor von der Camerata Louis Spohr aus Düsseldorf und den Solisten Linda Hergarten (Sopran), Christine Hoffmann (Alt), Kang Seo (Tenor) und Ferdinand Krumbügel (Bariton). Dass trotz des hohen Aufwands kein Eintritt zum Konzert genommen wurde, sei Spendern zu verdanken, sagte Schramek. Die Hoffnung auf eine Förderung mit Landesmitteln hatte sich zerschlagen.
Sebastian Ostmeyer, ein Musikerkollege Schrameks, hatte für den Anlass ein musikalisches Epitaph komponiert. Den Bad Münstereifeler Musikfreunden ist der Komponist, der zur Uraufführung gekommen war, kein Unbekannter. 2018 hat das Vokalensemble sein „Te Deum“ gesungen. Das musikalische Gedenken verlangte den Musikern wie dem Publikum einiges ab.
Dramatische Gefühle in Melodien gegossen
Nicht nur, weil die Sängerinnen und Sänger in bis zu zehn unterschiedlichen Stimmen singen mussten – was sie souverän meisterten. Sondern, weil der Komponist die dramatischen Gefühle der Menschen in Melodien gegossen hatte. Nicht umsonst war gebeten worden, mit dem Beifall bis zum Ende des Konzerts zu warten und das Musikstück erst in einem Moment Stille wirken zu lassen. „Was hast du uns angetan?“
Die Frage, warum das Leid über die Menschen gekommen ist, machte den ersten Teil das Epitaphs in musikalischer wie emotionaler Hinsicht zu einer Herausforderung. Vielstimmig und hochkomplex verdichtete er sich schließlich zu einem kollektiven Schrei der Verzweiflung, der das Zwerchfell vibrieren ließ und Tränen in die Augen trieb.
Die Hoffnung kehrt zögernd zurück
Im zweiten Teil spürte man die Hoffnung zurückkehren, zögerlich zunächst, dann immer kraftvoller, bis schließlich der dritte Teil in einem jubelnden Halleluja endete. Es war wirklich schwer, da nicht zu applaudieren. Für manchen zu schwer.
Von der Anstrengung des Epitaphs merkte man weder Sängern noch Instrumentalisten bei Mozarts Requiem d-Moll etwas an. Andreas Schramek führte sie engagiert und hochkonzentriert durch das Werk, das sich nach der Wucht des Epitaphs geradezu sanft ins Ohr schmiegte. Auch hier folgte das Gesangsensemble seinem Leiter aufmerksam und bot eine durchweg überzeugende Leistung.
Der letzte Ton war kaum verklungen, als die ersten Bravo-Rufe aufbrandeten. Stehend spendete das Publikum Chor, Orchester und Solisten langanhalten, hochverdienten Applaus.
