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Hochwasser 2021Landrat Markus Ramers zieht fünf Jahre nach der Flut im Kreis Euskirchen Bilanz

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Das Bild zeigt den Landrat Markus Ramers, der mit einigen sportlichen Mitstreitern durch Bad Münstereifel läuft.

Landrat Markus Ramers lief mit seinen Mitstreitern auch durch Bad Münstereifel.

Mit einem Gedenkmarathon entlang von Urft, Olef und Erft erinnerte Landrat Markus Ramers an die Flut – und zog eine Bilanz des Wiederaufbaus.

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe hat Landrat Markus Ramers die besonders betroffenen Orte im Kreis Euskirchen auf ungewöhnliche Weise besucht: laufend. Bei einem zweitägigen Gedenkmarathon entlang der Flussläufe von Urft, Olef und Erft verband er seine Leidenschaft für den Laufsport mit dem Erinnern an die Ereignisse des Juli 2021 – und zog zugleich eine persönliche Bilanz des Wiederaufbaus.

„Ich laufe gerne und verbinde das gerne mit einem Anlass“, sagte Ramers in Bad Münstereifel. Der fünfte Jahrestag der Flut sei eine Gelegenheit gewesen, die Region nicht im offiziellen Rahmen, sondern gemeinsam mit sportlichen Mitstreitern zu durchqueren. Die Strecke habe dabei immer wieder einen besonderen Kontrast offenbart. Heute wirkten die Flüsse ruhig und idyllisch, doch genau dort habe sich vor fünf Jahren die Katastrophe abgespielt.

Folgen der Flut an vielen Orten noch sichtbar

Gleichzeitig seien die Folgen der Flut weiterhin sichtbar. Entlang der Bahnstrecken erinnern Schienenersatzverkehr und laufende Bauarbeiten an die zerstörte Infrastruktur. „Für viele Außenstehende liegt das Ereignis schon weit zurück. Für uns ist es bis heute Alltag“, sagt der Landrat.

Denn auch fünf Jahre nach der Katastrophe prägen Wiederaufbau und Hochwasserschutz weiter die Arbeit der Kreisverwaltung. Schulen und Berufskollegs werden noch immer saniert oder neu geplant, Hochwasserschutzkonzepte werden weiterentwickelt. Für Ramers bilden drei Aufgaben bis heute den Kern des Wiederaufbaus: die zerstörte Infrastruktur, der Ausbau des Hochwasserschutzes und die Stärkung des Bevölkerungsschutzes.

Chaotische Evakuierungen in Euskirchen

Besonders präsent sind für ihn die Erinnerungen an die Flutnacht. Als Chef des Krisenstabes erreichten ihn die ersten Meldungen über Todesopfer. Genauso belastend sei die zeitweise Ungewissheit über mehrere Feuerwehrleute und Einsatzkräfte der DLRG gewesen, die mit einem Boot im Bereich Schweinheim im Einsatz waren und plötzlich nicht mehr erreichbar waren. „Das war für mich persönlich mit das Schlimmste dieser Nacht“, erinnert er sich.

Hinzu kamen chaotische Evakuierungen. Für Palmersheim, Flamersheim und Schweinheim mussten kurzfristig Unterbringungsmöglichkeiten gefunden werden. Das vorgesehene Thomas-Esser-Berufskolleg in Euskirchen fiel aus, weil auch dort Wasser vom Veybach eindrang. Parallel wurde nach Alternativen in Weilerswist gesucht – und gefunden. Vieles geschah unter Zeitdruck, Informationen fehlten oder waren widersprüchlich.

Archivbild vom 18.10.2021: 100 Tage nach der Flut in Bad Münstereifel.

Von Wiederaufbau noch weitentfernt: Bad Münstereifel nach der Flut.

Unvergessen seien auch die Bilder der Tage danach geblieben: ein Auto auf einem Geländer in Gemünd, zerstörte Straßen, Menschen vor ihren Häusern – manche verzweifelt, andere schweigend beim Aufräumen.

Ein weiterer Ort, der Ramers besonders beschäftigte, war die Steinbachtalsperre. Fünf Tage blieb unklar, ob der beschädigte Damm halten würde. Der Landrat war mehrfach vor Ort und erinnert sich vor allem an die Unsicherheit dieser Tage. Gleichzeitig ärgern ihn damals Falschmeldungen über einen angeblichen Dammbruch.

Kommunikation der Bezirksregierung an der Steinbachtalsperre sorgt für Ärger

Um diese Gerüchte zu entkräften, fuhr er selbst zur Talsperre, um noch vor einer bundesweiten Fernsehberichterstattung klarzustellen, dass der Damm nicht gebrochen sei. Für ihn sei das eine wichtige Lehre gewesen: Schnelle und verlässliche Krisenkommunikation könne in solchen Situationen entscheidend sein.

Auch über die Kreisgrenzen hinaus bleibt der Hochwasserschutz ein Thema. Gemeinsam mit der Landrätin des Landkreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, setzt sich Ramers für stärkere Unterstützung durch den Bund ein. Beide wandten sich mit einem gemeinsamen Schreiben an den Bundeskanzler. Zugleich verweist Ramers auf die unterschiedlichen Voraussetzungen. Während im Kreis Euskirchen mit dem Wasserverband Eifel-Rur und dem Erftverband eingespielte Fachstrukturen vorhanden seien, müssten diese im Ahrtal erst aufgebaut werden.

Klimaanpassung ist weitmehr als Hochwasserschutz

Beim Gedenklauf selbst überwogen für Ramers nicht Trauer oder Beklemmung. Vielmehr habe ihn das Erreichte stolz gemacht. Natürlich gebe es Orte, an denen weiterhin Lücken sichtbar seien – etwa in Kall, wo einst das Hallenbad stand. Insgesamt sehe er aber deutliche Fortschritte. Dennoch sei der Kreis noch nicht am Ziel.

Klimaanpassung bedeute inzwischen weit mehr als Hochwasserschutz. Die jüngsten Hitzewellen hätten Rettungsdienst und Krankenhäuser erheblich belastet. Deshalb müsse Vorsorge künftig breiter gedacht werden.

In den vergangenen Jahren sei bereits viel in Technik, Ausbildung, Warnsysteme und Organisationsstrukturen investiert worden. Im Vergleich mit anderen Kreisen sehe er den Kreis Euskirchen gut aufgestellt. Neue Krisen würden jedoch immer neue Herausforderungen mit sich bringen.

Es ist ein neues Miteinander entstanden.
Markus Ramers, Landrat

Als bleibendes Ergebnis der Flut nennt Ramers vor allem den engeren Zusammenhalt. Verwaltung, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Malteser Hilfsdienst, Technisches Hilfswerk und viele weitere Hilfsorganisationen arbeiteten heute enger zusammen. „Es ist ein neues Miteinander entstanden“, sagt der Landrat.

Auch fünf Jahre nach der Katastrophe erreichen ihn weiterhin persönliche Anliegen von Betroffenen. Dabei geht es um schwierige Einzelfälle bei Wiederaufbauhilfen, Versicherungsfragen oder Gespräche mit Angehörigen der Todesopfer, denen wichtig sei, dass die Verstorbenen nicht in Vergessenheit geraten. Gleichzeitig beschäftigen den Kreis weiterhin Schulprojekte wie die Hans-Verbeek-Schule oder die Nikolausschule.

Besonders beeindruckt zeigt sich Ramers rückblickend vom Einsatz der jungen Generation. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler seien nach der Flut in ihre Heimat zurückgekehrt, um beim Wiederaufbau zu helfen. Dieses Engagement habe ihn tief bewegt und zeige eine Verbundenheit mit der Region, die häufig unterschätzt werde. Mit Blick auf den weiteren Wiederaufbau wirbt der Landrat für Geduld. Große Projekte seien keine Frage der Geschwindigkeit.

Als Beispiel nennt er den geplanten Campus für berufliche Bildung mit dem Berufsbildungszentrum Euskirchen und dem Thomas-Esser-Berufskolleg. Entscheidend sei nicht, ein Projekt einige Monate früher abzuschließen. Wichtiger sei, in einigen Jahrzehnten sagen zu können, dass die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. „Wiederaufbau ist kein Geschwindigkeitswettbewerb“, betont Ramers: „Er muss für die nächsten Generationen funktionieren.“