Dietrich Schubert zeigt in seinem Kronenburger Bahnhof 50 Fotografien zu verschiedenen Themen und Anlässen aus den vergangenen Jahrzehnten.
AusstellungAnaloge Fotos von zeitloser Schönheit sind im Kronenburger Bahnhof zu sehen

Fotograf und Dokumentarfilmer Dietrich Schubert zeigt im einstigen „Expressgutraum“ des Kronenburger Bahnhofs analoge Fotografien.
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Im ehemaligen Expressgutraum des alten Bahnhofs in Kronenburg geht es jetzt um die Entdeckung der Langsamkeit: Der Fotograf, Dokumentarfilmer und Hausherr Dietrich Schubert zeigt 50 Fotografien zu verschiedenen Themen und Anlässen aus vergangenen Jahrzehnten.
„Analog kommt wieder“, sagt Schubert. Er hat in seinem Leben schon alle möglichen Fototrends erlebt. Das hat ihn nicht davon abgehalten, bis heute zumindest bei Schwarz-Weiß-Fotos die Digitalkamera stehen zu lassen. Analog First. Da freut es ihn, dass die Retro-Slow-Down-Technik bei jungen Fotografinnen offenbar wieder interessanter wird. Es ist eben noch nicht alles nur KI-Manipulation oder Farb- und Stilfilterwahnsinn am Smartphone für Social Media.
Konzertfotos der Rolling Stones in Köln aus den 1960er-Jahren
Wer einen Besichtigungstermin mit Schubert für seine Schau vereinbart – er und seine Frau Katharina sind ausgesprochen freundliche Gastgeber –, der taucht ein in eine Welt, in der es noch Rollfilme gab, in der die Filme von Hand entwickelt und die Bilder auf Fotopapier abgezogen wurden. Zum Beispiel bei den Konzertfotos der Rolling Stones in den 1960er-Jahren in Köln. „Ich konnte ganz nah ran, sogar ohne Presseausweis“, so Schubert: „Die Bilder sind mit normaler Brennweite aufgenommen, ein Tele hatte ich damals noch gar nicht.“
Es geht eben nicht nur um Bilder, sondern immer auch um eine Geschichte, die dahintersteckt. Die vom Schiffsbug in stürmischer See: Nordatlantik, Windstärke 12. Schubert ist an Bord. Er macht gerade eine dreijährige Ausbildung zum Matrosen. Die Ausbildung zum Decksjungen und zum Leichtmatrosen hat er schon hinter sich gebracht, am Ende fehlten nur noch drei Monate zum Matrosen. Doch er blieb, was er bis heute ist: Fotograf und Dokumentarfilmer, als solcher wurde er deutlich bekannter. Aber die aufgewühlte See, die hat er fotografiert.
Bilder aus der Eifel sind auf einer ganzen Wand zu sehen
Daneben sind über eine ganze Wand Eifelfotos zu sehen: Eine Scheune im Winter als Serie, stille, weite Landschaften, aber auch Fotos der Sonderzüge bei letzten Fahrten auf der Bahnstrecke durchs Kylltal, die am vormaligen Kronenburger Bahnhof vorbeiführte. Heute ist auf der einstigen Trasse der Kylltalradweg.
Großformatige Farbfotos führen ganz woanders hin: In die Tibesti-Wüste im Tschad. „Das war meine erste Afrika-Reise mit dem Münchner Expeditionsausrüster Klaus Derr. Ich habe meine Kamera in das Unterwasserplastikgehäuse für die Tauchfotos gepackt. In der Wüste ist überall Sand. Wenn er erst mal in der Kamera ist, kann man sie zur Reparatur einschicken – oder wegwerfen.“
Mut zum Risiko: Hochseilartisten von einer Plattform aus abgelichtet
Bei der Kamera handelte es sich indes um verschiedene Modelle, auch eigens für den jeweiligen Zweck gedachte. Bis heute hält Schubert vor allem seine Mamiya-6x7-Mittelformatkamera in Ehren. „Nehmen Sie die mal in die Hand: Die hat ein Gewicht“, so Schubert. Mit der seltsamen Leichtigkeit von High-End-Smartphones hat das nichts zu tun, so wiegt eine neue Qualität.
Zwei weitere Schwarz-Weiß-Bilder zeigen sein gutes Fotografenauge und den Mut zum Risiko für das eine Motiv, das es sein soll. Die in den 1950er-Jahren berühmten Hochseilartisten der Familien Traber-Renz gehen übers Seil. Der Fotograf ist unmittelbar dahinter in Höhe der Ferse auf dem Seil positioniert. Die Perspektive geht bis in die ausgestreckten Arme der Artisten. Unter dem gespannten Fallseil sind klein parkende Autos zu sehen. „Das war um die 20 Meter hoch“, schätzt Dietrich Schubert. Er sei die kleine Leiter zu einer der beiden schmalen Plattformen, zwischen denen das Seil gespannt sei, hochgeklettert. „Die Artisten kannten mich schon, ich machte über sie für meine Gesellenprüfung als Fotograf eine Reportage.“ Das Podest habe schon leicht geschwankt: „Aber ich hatte noch nie Höhenangst.“
Wer Dietrich Schubert im einstigen Expressgutraum besuchen will, findet den alten Bahnhof am Ende des Neuen Weges in Kronenburgerhütte leicht: Die Adresse ist die Station 29 von Kunst am Weg, dem neuen Kunstroutenprojekt in Kronenburg. An der Fassade ist ein großformatiges Foto montiert. Ein älterer Mann zeigt dem Betrachter den Vogel. „Er war Darsteller in einem meiner Filme und sollte bei den Dreharbeiten einen Gang noch einmal machen. Das sah er nicht ein und zeigte mir den Vogel“, schmunzelt Dietrich Schubert. Den Schnappschuss hatte er im Kasten.
Die Ausstellung „Analoge Fotografie“ mit 50 Arbeiten von Dietrich Schubert ist bis Ende Juli, eventuell auch länger, zu sehen. Interessierte können sich telefonisch unter 06557/7258 oder per E-Mail anmelden.
