Der Fußballkreis Euskirchen rät Rasenplatz-Vereinen in der C-Liga dazu, Dezemberspiele vorzuziehen, um eine Nachholspielhäufung zu vermeiden.
Saisonauftakt im Kreis EuskirchenMehr Netto vom Brutto durch die neuen Fußballregeln

Erst ein Pfiff, dann läuft der Fünf-Sekunden-Countdown, den der Schiedsrichter – wie hier Christian Kühlborn – anzeigt.
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WM-Feeling auch im Fußballkreis Euskirchen? Zumindest regeltechnisch dürften in jedem Spiel Erinnerungen wach werden an die aus deutscher Sicht eher mäßige Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Denn bereits in den Erstrundenpartien des Mittelrhein- und Kreispokals am vergangenen Wochenende wurden die neuen Regeln umgesetzt, und die Schiedsrichter zeigten bei Verzögerungen beim Einwurf und beim Abstoß nach einem Hinweis per Pfiff die verbleibende Zeit an oder ließen Spieler, die auf dem Platz behandelt werden mussten, zunächst für eine Minute draußen.
Grundsätzlich finde ich die Regeländerungen sehr gut.
Insgesamt geht es darum, die Nettospielzeit zu erhöhen, für mehr Gerechtigkeit auf dem Platz zu sorgen und mehr gegen Rassismus zu tun – so der Wunsch des Deutschen Fußball-Bundes. „Grundsätzlich finde ich die Regeländerungen sehr gut“, sagt Uwe Stark, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses im Fußballkreis Euskirchen.
Er hat sich tatsächlich mal die Mühe gemacht, bei einem Kreisligaspiel die Nettospielzeit zu stoppen und kam bei dieser Partie auf rund 45 Minuten. Er sieht aber auch, dass es gerade in den unteren Ligen, wo die Kondition der Spieler nicht so hoch ist, eine gewisse Problematik gibt: „Vielleicht wäre so mancher Fußballer im Kreis froh, wenn er mehr Zeit hätte durchzuschnaufen.“ Er plädiert deshalb dafür, die Regeln ein wenig lockerer zu sehen, und rät den Schiedsrichtern, bei bewusster Verzögerung auch auf den Spielstand zu achten.
Anzeige der fünf Sekunden ist nur ein Service, nicht verpflichtend
Ein paar Anmerkungen hat er auch zu den neuen Regeln. So sei das Anzeigen der verbleibenden fünf Sekunden bei Verzögerungen bei Einwürfen und Abstößen nur ein Service, aber nicht verpflichtend. Und er präzisiert auch, was Accessoires sind und was nicht. Ringe, Ketten und Armreife seien nicht erlaubt, Piercings sollten entfernt oder abgetapt werden, Ohrstecker sollten ebenfalls getapt werden, und Ringe, die nicht ausgezogen werden können, sollten mit Tape gesichert werden. Lederarmbänder hingegen seien erlaubt.
Die neuen Regeln stellte Stark am Dienstagabend auch beim Stützpunkttreffen des Fußballkreises in Stotzheim vor. Dort wurde aber auch über die neue Saison an sich gesprochen. Spielausschuss-Vorsitzender Peter Dierichsweiler ist sich bewusst, dass die beiden großen C-Kreisligen, von denen eine Staffel 18 Vereine hat, gerade im Winter problematisch werden können und riet besonders Vereine mit Rasenplätzen, Spiele, die für den Dezember angesetzt werden, vorzuziehen und jetzt auszutragen. „Ansonsten droht ein heißer Mai“, weil sich in dem Montag im Regelfall die Nachholspiele knubbeln. Gleichzeitig hofft er, dass es nicht zu viele Ausfälle in Form von Mannschaftsrückzügen gibt. „Erste Anzeichen verdichten sich schon“, sagte er.
Über den Auf- und Abstieg will der Fußballkreis es schaffen, dass die Saison 2027/28 wieder „vernünftige Staffelgrößen“ hat. Die Kreisliga A soll von jetzt 13 auf 15 Vereine anwachsen. In den beiden B-Staffeln sollen dann wieder jeweils 14 statt 13 Teams spielen. Er sprach auch noch einmal darüber, warum sich der Fußballkreis für die Reduzierung entschieden hat. „So eine Nummer wie von Wißkirchen, da kommt kein Mensch drauf. Aber wir wollten keine illegalen Sachen machen, auch wenn es uns einige angeraten hatten“, so Dierichsweiler.
Ab Saison 2027/28: Teilnehmer am Mittelrheinpokal erhalten ein Freilos
Eine Änderung, die auch erst die Saison 2027/28 betreffen wird, gibt es im Pokal. Aus der Kreispokalpartie zwischen dem SV Frauenberg und der JSG Erft habe man gelernt. Beide Vereine seien im Mittelrheinpokal vertreten gewesen, genau wie Mechernich. Um Kollisionen der beiden Pokalwettbewerbe zukünftig zu verhindern, sollen alle Teilnehmer am Mittelrheinpokal in der ersten Runde des Kreispokals ein Freilos erhalten.
Ein paar Hinweise waren auch technischer Natur. Sollten Spieler kein Bild im Spielerpass haben, können gegnerische Vereine dagegen angehen. Dabei sei es heute kein Problem, mit dem Handy bis kurz vor Spielbeginn ein Bild zu erstellen und hochzuladen. Und bei Sperren sei es wichtig, dass Spieler und auch Offizielle, die gesperrt sind, weiterhin auf dem Spielberechtigungsschein aufgeführt sind, aber nicht im Spielbericht auftauchen. Ansonsten könne der Fußballkreis nicht prüfen, ob eine Sperre abgeleistet wurde.
Das sind die wichtigsten neuen Regeln zur Saison 2026/27
Auswechslungen: Der Spieler, der ausgewechselt wird, muss das Spielfeld innerhalb von zehn Sekunden nach dem Auswechselzeichen des Schiedsrichters verlassen haben, es sei denn, dies ist aus Sicherheitsgründen oder aufgrund einer Verletzung nicht möglich. Das gilt auch, wenn mehrere Auswechslungen gleichzeitig vorgenommen werden. Wenn der ausgewechselte Spieler die Spielfortsetzung nach Ablauf der zehn Sekunden übermäßig verzögert, wird er verwarnt. Das Spiel wird fortgesetzt. Der Einwechselspieler darf das Spielfeld erst während der ersten Spielunterbrechung nach Ablauf einer Minute nach der Spielfortsetzung betreten.
Einwurf und Abstoß: Wenn ein Spieler die Ausführung eines Einwurfs oder Abstoßes für sein Team unfair verzögert, pfeift der Schiedsrichter und signalisiert den Beginn eines Fünf-Sekunden-Countdowns, den er mit erhobener Hand anzeigt. Wenn der Einwurf nach Ablauf der fünf Sekunden nicht ausgeführt wurde, wird er dem gegnerischen Team zugesprochen, beim Abstoß wird dem gegnerischen Team ein Eckstoß zugesprochen. Der fehlbare Spieler wird nur verwarnt, wenn er die Spielfortsetzung übermäßig verzögert, nachdem der Einwurf oder der Eckstoß dem gegnerischen Team zugesprochen wurde. Auf Eckstoß wird auch entschieden, wenn der Schiedsrichter entscheidet, dass ein Torhüter den Ball länger als acht Sekunden mit einer Hand, einem Arm oder beiden Händen und Armen kontrolliert.
Ausrüstung: Accessoires sind erlaubt, sofern sie ungefährlich sind und sicher abgedeckt werden. Gefährliche Gegenstände müssen entfernt und dürfen nicht abgeklebt oder abgedeckt werden.
Wer behandelt werden muss, muss aussetzen – aber nicht immer
Schiedsrichterball: Hat der Ball einen Spieloffiziellen oder eine Drittperson außerhalb des Strafraums getroffen, erfolgt der Schiedsrichterball an der Stelle des Eingriffs/der Berührung.
Verletzungen: Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel nur, wenn ein Spieler ernsthaft verletzt ist, und veranlasst, dass dieser vom Spielfeld gebracht wird. Ein verletzter Spieler darf nicht auf dem Spielfeld behandelt werden und muss, wenn die Verletzung zu einer Spielunterbrechung oder einer Verzögerung der Spielfortsetzung führt, das Spielfeld verlassen und darf dieses erst eine Minute nach der Spielfortsetzung wieder betreten. Ausnahmen sind, wenn sich ein Torhüter verletzt, ein Torhüter und ein Feldspieler oder zwei Spieler desselben Teams nach einem Zusammenprall behandelt werden müssen, sich ein Spieler schwer verletzt, ein Spieler durch ein physisches Vergehen verletzt wurde, für das der Gegenspieler mindestens verwarnt wurde oder ein Strafstoß verhängt wurde und der verletzte Spieler der Schütze ist.
Wiederholung nach Tor durch Doppelberührung beim Elfmeter
Doppelberührung beim Elfmeter: Wenn ein Elfmeterschütze den Ball versehentlich mit beiden Füßen gleichzeitig schießt oder der Ball unmittelbar nach der Ausführung des Elfmeters das Standbein des Schützen berührt und der Ball nach dem Schuss ins Tor geht, wird der Elfmeter wiederholt. Geht der Ball nach dem Schuss nichts ins Tor, wird der Elfmeter als verschossen gewertet.
Vorteil: Vereitelt ein Spieler eine offensichtliche Torchance, wird er wegen unsportlichen Verhaltens verwarnt, es sei denn, das gegnerische Team erzielt infolge des gewährten Vorteils ein Tor. In diesem Fall wird keine Disziplinarmaßnahme verhängt. Erhält bei einem irregulär ausgeführten Freistoß oder Einwurf der Gegner den Ball, dann wird nicht abgepfiffen, sondern ein Vorteil gewährt.
